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Ölfonds Norwegischer Staatsfonds ist scharf auf deutschen Mittelstand

Der norwegische Ölfonds ist der größte Investor im Dax. Nun wollen sich die Norweger im nicht-börsennotierten Mittelstand einkaufen.

Staatsfonds: Öl-Kronen für den deutschen Mittelstand Quelle: Reuters

FrankfurtDie Ansage ist eindeutig: Der norwegische Staatsfonds will seine Beteiligung an mittelständischen Unternehmen in Deutschland in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus erklärte der Vorstandschef der „Norges Bank Investment Management“ (NBIM), Yngve Slyngstad, sein Fonds habe „noch Nachholbedarf“ in Deutschland.

Es gebe „viele erfolgreiche Unternehmen mittlerer Größe, die nicht an der Börse notiert sind.“ Klare Ziele hat Slyngstad nicht benannt, betonte jedoch die deutschen Stärken im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Chemie- und Pharmaindustrie.

Aus strategischer Sicht des auch als „Ölfonds“ bekannten Staatsfonds, der 1990 aufgelegt wurde und die Einnahmen Norwegens aus der Ölindustrie verwaltet, kommt der Schritt jedoch weniger überraschend, als es auf den ersten Blick wirkt. Bereits im Juni vergangenen Jahres bat das norwegische Finanzministerium die Fondsverwalter, derartige Investitionen zu prüfen.

Anfang Januar 2018 antworteten Fondschef Yngve Slyngstad und Zentralbankchef Øystein Olsen dem Ministerium in einem Brief, dass derartige außerbörslichen Beteiligungen in das Risikoprofil des Portfolios passen. Läuft alles gut, so hofft Slyngstad schon in diesem Jahr auf die Freigabe von der Regierung.

Die Norweger sind damit kein Trendsetter, im Gegenteil: In Zeiten von Niedrigzinsen und heiß gelaufener Aktienmärkte boomt Private Equity. Investoren erhoffen sich abseits der Börsen Renditechancen. Auch Staatsfonds mischen hier immer kräftiger mit. Laut einer Auswertung des auf alternative Anlageformen spezialisierten Analysehauses Preqin investierten im vergangenen Jahr schon 61 Prozent der Staatsfonds außerbörslich in Form von Private Equity.

Unter den großen Staatsfonds wird Norwegen mit diesem Vorhaben auf Rivalen stoßen. Im Handelsblatt-Interview erklärte der Europachef des Singapurer Staatsfonds im vergangenen Jahr, ebenfalls am deutschen Mittelstand interessiert zu sein. Auch bei den Managern des saudischen Staatsfonds PIF stehen nicht-börsennotierte deutsche Unternehmen auf dem Einkaufszettel. Wichtige Auswahlkriterien seien „gute Wachstumsraten und ordentliche Renditen“. Je größer der Fonds, desto größer die Zahl derjenigen, die diese Form der Investments nutzen – die Norweger mit dem größten Staatsfonds der Welt stechen da noch heraus.

Derzeit verwaltet der norwegische Staatsfonds rund 8,2 Billionen Norwegische Kronen – umgerechnet rund 850 Milliarden Euro. Das macht ihn zum größten Staatsfonds der Welt. Sollte er die Erlaubnis erhalten, außerbörslich in Unternehmen zu investieren, wäre das nach 2011 die nächste große Strategieentscheidung.

Damals wurde dem Ölfonds erlaubt, in Immobilien zu investieren. Bis dato beschränkte sich die Strategie auf zwei Assetklassen: Aktien und Anleihen. Mit dem Niedrigzins kam auch der Anlagenotstand – hunderte Millionen von Euro wollen erst einmal gewinnbringend angelegt werden.

Erst 2016 hat der Fonds die Erlaubnis erhalten, seine Aktienquote auf bis zu 70 Prozent zu erhöhen. Heute verteilt sich das Geld zu 65,9 Prozent auf Aktien, 31,6 Prozent Anleihen und 2,5 Prozent Immobilien. Mindestens 25 Prozent müssen in Bonds angelegt sein, bis zu fünf Prozent des Geldes darf in Immobilien stecken.

Der Fonds, so hat das Finanzministerium in Oslo entschieden, darf seinen Anteil an einem einzigen Unternehmen nie über zehn Prozent steigern und auch nicht im Inland investieren, um eine Überhitzung der eigenen Wirtschaft zu verhindern.

Das Kapital steckt in über 9.000 Unternehmen in über 77 Ländern. Das Ziel, den Wohlstand der Ölindustrie für künftige Genrationen zu wahren, geht bislang gut auf. Die jährliche Rendite auf die Investments liegt seit 1998 bei rund sechs Prozent.

Die Liste der fünf größten Positionen liest sich wie ein Who-is-who der globalen Wirtschaftselite: Apple, Nestlé, Royal Dutch Shell, die Google-Mutter Alphabet, Microsoft. Im deutschen Leitindex Dax sind die Norweger der größte Einzelinvestor vor den US-amerikanischen Vermögensverwaltern Vanguard und Blackrock. Der Ölfonds hält beispielsweise eine 2,6 Prozent-Beteiligung an BMW oder 2,2 Prozent an der Deutschen Bank.

Im deutschen Mittelstand sind die Norweger bisher ebenfalls alles andere als Unbekannte, nur haben sie, entsprechend ihrer Auflagen, bisher nur an der Börse zugeschlagen. So halten sie etwa Aktien von Unternehmen wie Carl-Zeiss, Fielmann oder der Baumarktkette Hornbach.

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