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Riedls Dax-Radar
Dunkle Wolken und blauer Himmel bei aufgewühltem Meer Quelle: imago images

Dax-Showdown mit Hoffnungssignalen

Während die US-Märkte sich erfolgreich gegen den Abschwung stemmen, läuft im Dax die Baisse. Dennoch gibt es auch hierzulande Hoffnung: Sie kommt von sinkenden Zinsen und dem günstigen Euro.

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Die Deutsche Bank wird im aktuellen vierten Quartal alles daransetzen, unterm Strich mehr als 250 Millionen Euro zu verdienen. Dann könnte das Geldhaus das brisante Jahr 2018 sogar mit einem Milliardengewinn abschließen. Nach den zahlreichen Enttäuschungen der vergangenen Jahre wäre das ein enormer Prestigegewinn für die Bank und ihre neue Führung.

229 Millionen Euro blieben im dritten Quartal netto. Das ist deutlich weniger, als im Vorjahr. Doch es ist mehr, als die hier nun sehr vorsichtig gewordenen Analysten erwartet hatten. Dass die Aktie daraufhin erst einmal nachgibt, verwundert nicht. Die Unsicherheiten um die Deutsche Bank sind hoch – und sogar Aktien renommierter Banken wie JP Morgan oder Goldman Sachs sind seit kurzem wieder auf dem Rückzug.

Dafür gibt es vor allem drei Gründe: Weltweit trüben sich die Konjunkturaussichten ein. Eine solche Entwicklung trifft die Banken vor allem in ihrem Firmengeschäft. Dazu stellen die jüngsten Finanzmarktturbulenzen ein Risiko dar – das bekommen vor allem Investmenthäuser wie Goldman zu spüren, die einen großen Teil ihrer Erträge aus milliardenschweren M&A-Transaktionen und Wertpapieremissionen erwirtschaften.

Drittens geben vor allem in Europa seit kurzem wieder die Zinsen nach. Das ist ein Nachteil für das operative Geschäft der Banken. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren nur noch mit 0,41 Prozent, das ist etwa halb so viel wie im Frühjahr. Auch die US-Zinsen sind seit vier Wochen nicht weiter gestiegen, mit knapp 3,2 Prozent bei den zehnjährigen Staatsanleihen aber deutlich rentabler als Euro-Bonds. Darin spiegeln sich auch die politischen Unsicherheiten um Brexit und das Krisenland Italien.

In Amerika geht die erste Runde an die Börsen-Bullen

Als der amerikanische Aktienmarkt am Donnerstag mit einem schweren Minus begann und der Dow Jones bis auf 24.800 Punkte abrutschte, war die Spannung unter Anlegern mit Händen zu greifen. Die Zone um 25.000 Punkte im Dow ist nicht nur eine runde Zahl; hier verläuft der seit zwei Jahren bestehende Aufwärtstrend, die Trump-Hausse.

Zusätzlich liegt in diesem Bereich (aktuell bei 25.159 Punkten) die Durchschnittslinie der vergangenen 200 Börsentage, ein wichtiger Richtungsgeber für den mittelfristigen Trend. An der Technologiebörse hat im Nasdaq-100-Index die Marke um 7000 Punkte ein ähnliches Gewicht.

Im Kampf um den großen Trend geht der erste Tag an die Bullen, die Haussiers. Der Dow Jones legte im Tagesverlauf um mehrere hundert Punkte zu und landete am Ende zwar nicht ganz am Tageshoch, doch mit 25.191 Punkten wieder deutlich über der 25.000er-Marke. Positiv dabei: Aus einem solchen Tagesverlauf, im Fachjargon Reversal genannt, kann sich durchaus eine längere Erholung entwickeln. Negativ allerdings: Bisher hat der Dow Jones nur den besonders schwachen Tagesstart am Donnerstag ausgeglichen. Eine solche Aufholjagd („Gap-Closing“) wiederum leitet oft keine neue Tendenz ein, sondern kann sich als Zwischenrally erweisen. Der Kampf um den großen Trend wird in den nächsten Tagen weitergehen.

Einen entscheidenden Vorteil hat der amerikanische Aktienmarkt allerdings – und das könnte letztlich auch dem Dax helfen, die Rückschläge einzugrenzen: Selbst wenn nun auch die großen Indexkurven in Amerika ins Wanken gekommen sind, gibt es nach wie vor eine Vielzahl stabiler Aktien:

Wichtigstes, und hierzulande notorisch unterschätztes Beispiel, ist die Aktie von McDonald’s. Die Ergebnisse und Aussichten des Fastfood-Konzerns sind besser als erwartet, die Aktie steigt auf ein kurzfristiges Hoch, und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis McDonald’s neue Rekordkurse markiert. Disney, Merck, Verizon ziehen ebenfalls los; Procter & Gamble ist wieder mal auf dem Sprung nach oben, wenn auch nur aus mittlerer Kursposition. Apple, Microsoft, Cisco, Pfizer, United Health notieren nahe am Top und verteidigen trotz verbreiteter Angst ihren großen Trend souverän.

Die Hälfte der Dow-Jones-Aktien verläuft weiterhin in einer großen, intakten Aufwärtsbewegung. Das Risiko, dass der US-Markt über kurzfristige Korrekturen hinaus nach unten abdreht, ist damit nach wie vor nicht besonders hoch. Und Aktien wie 3M, die wegen schwächerer Prognosen noch etwas Boden verlieren dürften, dürften dank ihres langfristigen Geschäftsmodells bald wieder ein Comeback starten.

Im Dax sieht die Entwicklung dagegen deutlich schwächer aus. Der Rutsch unter 11.400 Punkte war ein weiteres Verkaufssignal, das die Kurse in den nächsten Wochen unter die 11.000er-Marke drücken könnte. Dann aber sollten sich nicht nur die US-Märkte – wenn sie halten – als Stütze erweisen. Auch rückläufige Zinsen und der zuletzt wieder niedrigere Euro wären vorteilhaft. Und dass der Ölpreis zuletzt wieder nachgegeben hat und unter Brent unter 80 Dollar gerutscht ist, passt ebenfalls in dieses mittelfristige Entspannungs-Szenario.

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