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Schlusswort

Warum Banker Kryptowährungen stoppen wollen

Banker rufen nach Regulierung von Bitcoin und Co. In Wahrheit wollen sie sich doch nur die Konkurrenz vom Leib halten.

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Jamie Dimon, Chef von JP-Morgan Chase: „Bitcoin ist ein super Produkt für Kriminelle in Venezuela und Nordkorea.“ Quelle: REUTERS

Mit einem Ausfall gegen Kryptowährungen machte Jamie Dimon, Chef der US-Investmentbank JP-Morgan Chase, vor ein paar Tagen auf sich aufmerksam. „Bitcoin ist ein super Produkt für Kriminelle in Venezuela und Nordkorea.“ Blackrock-CEO Larry Fink sprang ihm bei: „Der Wert von Bitcoin ist ein Index für Geldwäsche.“ Harte Worte, gefolgt von lauten Rufen nach dem Gesetzgeber. Tut was gegen die neuen Digitalwährungen.

Huch. Banken rufen nach Regulierung. Das ist eher ungewöhnlich. Vielleicht, weil es nicht so sehr um die Gefahren von Bitcoin und Co. geht, sondern darum, dass der Markt für Digitalwährungen gerade enorm in Schwung kommt. Verantwortlich dafür sind vor allem die zahlreichen „Initial Coin Offerings“ (ICOs). Das sind Bitcoin-Klone, mit denen Start-ups sich finanzieren. Die Unternehmen geben dabei sogenannte „Coins“ oder „Tokens“ aus, die an Onlinebörsen gehandelt werden können. Statt mühsam die Wagniskapitalgeber von der Geschäftsidee zu überzeugen und sich den strengen Regeln der Kapitalaufnahme zu beugen, veranstalten die Unternehmen lieber ihr eigenes virtuelles Crowdfunding.

Sichern die „Tokens“ ihren Käufern ein Anteilrecht an der neuen Firma, dann funktioniert der ICO tatsächlich ähnlich seinem Namensvetter, dem IPO (Initial Public Offering). Bei anderen versprochenen Leistungen ist der ICO eher mit einer Obligation oder der Ausgabe einer Anleihe vergleichbar. Man sieht schon: So ganz klar ist das alles noch nicht. Dennoch ist die Marktkapitalisierung für die neuen Währungen im Jahresverlauf um rund 800 Prozent hochgeschnellt. Eine Momentaufnahme nur. Aber Kryptowährungen sind der neue heiße Scheiß. Anleger stürzen sich begeistert auf das neue Instrument.

Warum wollen Banker die stoppen? Weil sie ihr schönes Geschäftsmodell bedrohen. Dem passiert, was allen im Zuge der Digitalisierung geschieht. Der Vermittler fliegt aus dem Spiel. Das möchten die Herren der traditionellen Bankgeschäfte nicht so gerne. Also machen sie sich daran, den Ruf der Kryptowährungen zu schädigen, um moralisch legitimiert nach dem Gesetzgeber zu rufen. Und der ruft zurück. China hat die ICOs inzwischen verboten. Selbst offenherzigere Finanzplätze, wie Singapur und die Schweiz, ziehen die Schrauben an. Die US-Finanzmarktaufsicht SEC hat sich noch nicht entschieden, aber sie hat die Stirn in Falten gelegt und denkt über Maßnahmen nach.

Es mag ja sein, dass hier eine Blase wächst. Es mag auch sein, dass einige unvorsichtige und allzu gierige Mitläufer richtig Geld verlieren. Ja und? Vor allem entsteht hier ein neues Finanzsystem, dem man nicht gleich wieder die Luft abdrehen muss.

„Wenn du dumm genug bist, Kryptowährungen zu kaufen, wirst du eines Tages den Preis dafür zahlen.“ Auch dieser Satz gehörte noch zum Beschwerderepertoire von Jamie Dimon. Wenn man dumm genug ist, die Zeichen der Zeit zu übersehen, gilt das Gleiche.

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