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Tool der Woche – Analystencheck Auf welche Gewinneraktien die Profis setzen

Anleger sind daran interessiert, ob die Gewinner des Aktienjahres 2017 ihren Höhenflug fortsetzen und ob die Verlierer die Trendwende schaffen. Wir zeigen, was die Profis denken – und was Anleger daraus schließen können.

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Die Einschätzung von Analysten kann Anlegern bei Bedarf als Orientierung dienen. Quelle: dpa

Frankfurt Aus Anlegersicht geht ein gutes Börsenjahr zu Ende. Der Dax, das wichtigste deutsche Börsenbarometer, legte um gut 13 Prozent zu. In den kleineren Indizes MDax, SDax und TecDax fällt das Plus noch deutlicher aus. Doch der Blick auf die Einzelwerte zeigt: Die Unterschiede sind teilweise beträchtlich.

Dabei lohnt es sich, die Entwicklung der einzelnen Unternehmen genauer zu betrachten. Unter Finanzprofis gilt die Strategie häufig als aussichtsreich, im neuen Jahr weiter auf die Gewinner des Vorjahres zu setzen. Vor allem, wenn Firmen solide Gewinne vorweisen, regelmäßig Dividenden zahlen und es keine Anzeichen gibt, dass sich daran künftig etwas ändert, können die Kurse durchaus noch weiter steigen. Auf Verliereraktien zu setzen und zu hoffen, dass die Kurse wieder zulegen, scheint oft nicht ganz so einfach zu sein. Gleichwohl: Mit der richtigen Aktienauswahl stellen sich auch hier Erfolge ein.

Eindeutiger Gewinner in der obersten Börsenliga ist im Jahr 2017 die Aktie der Deutschen Lufthansa mit einem Plus von über 150 Prozent. Deutschlands größte Fluggesellschaft führt den deutschen Leitindex deutlich an – die Commerzbank folgt an Platz zwei mit Kurszuwächsen von über 70 Prozent. Der Kranich-Airline hatten am Jahresanfang nur wenige Anlageprofis ein so gutes Abschneiden vorhergesagt. Der Marktführer profitierte davon, dass der Konkurrent Air Berlin ins Schlingern geriet und schließlich Insolvenz anmelden musste.

Anleger fragen sich nun zurecht, ob der Höhenflug im neuen Jahr anhalten wird – oder ob sie bei ihren Lufthansa-Aktien besser Gewinne mitnehmen sollten. Eine Hilfestellung bei der Anlageentscheidung gibt das Analystencheck-Tool des Handelsblatts. In der Online-Anwendung werden laufend Analysten-Empfehlungen und Kursziele aller namhaften Banken sowie unabhängiger Research-Institute ausgewertet.

Derzeit stehen noch 31 Kaufempfehlungen 21 Halten- und sieben Verkaufs-Einstufungen gegenüber. Das durchschnittliche Kursziel sehen die Analysten aber bei 28,58 Euro – und damit unter dem aktuellen Kurs von circa 31 Euro. Gut zu wissen: Das Analystencheck-Tool zeigt ein gewichtetes Kursziel an. Dabei beeinflussen die aktuellsten Analysen das ermittelte Konsenskursziel stärker. Ältere Untersuchungen, die sich dem Ende ihres Zeithorizonts nähern, werden im Gegenzug nur noch marginal gewertet.

Dass die Lufthansa große Teile von Air Berlin übernehmen kann, werten die Experten indes positiv. Nach der von der EU-Kommission genehmigten Übernahme der Air-Berlin-Tochter LGW habe die Lufthansa-Tochter Eurowings gute Voraussetzungen für weiteres Wachstum geschaffen, schreibt beispielsweise Analyst Sven Diermeier vom Analysehaus Independent Research in einer Studie.

Das Schlusslicht im Dax bildet in diesem Jahr dagegen der Medienkonzern ProSiebenSat1 mit einem Minus von gut 20 Prozent. Dazu geführt hatten unter anderem die Herausforderungen, denen das Unternehmen durch das geänderte Fernsehverhalten vor allem der jüngeren Zielgruppen gegenüberstand. Werbetreibende hielten sich daher im zu Ende gehenden Jahr stärker zurück. Wenn sich der Kurs 2018 nicht wesentlich erholt, fürchten Experten sogar, dass die Senderkette im kommenden September die Dax-Mitgliedschaft hergeben muss.

Analysten sehen die Zukunftsaussichten gemischt. Laut dem Handelsblatt-Analystencheck raten 19 Experten zum Kauf der Aktie, 21 sprechen eine Halten-Empfehlung aus und vier würden das Papier aktuell abstoßen. Das gewichtete Kursziel liegt mit 33,25 Euro über dem aktuellen Kurs von circa 28,50 Euro. Pierre Gröning von Warburg Research gehört zu denjenigen, die „den deutschen TV-Werbemarkt trotz des Vordringens digitaler Videos nach wie vor in einer soliden Verfassung“ sehen. Der Medienkonzern habe zuletzt erste Schritte eingeleitet, um zu einem stabilen Kern-TV-Geschäft zurückzukehren. Gröning stufte die Aktie daher Mitte Dezember von „Halten“ auf „Kaufen“ nach oben und erhöhte sein Kursziel auf 34 Euro.


TecDax-Werte als heimliche Stars

Im MDax gibt es ebenfalls klare Gewinner und Verlierer. Uniper, die ehemalige Kraftwerkstochter des Energiekonzerns Eon, legte 2017 besonders stark zu. Der Aktienkurs wurde beflügelt, weil der finnische Versorger Fortum das deutsche Unternehmen zwar übernehmen will, zuletzt aber auch der Hedgefonds Elliott des aktivistischen Investors Paul Singer Anteile aufgestockt hat.

Analysten scheinen allerdings daran zu zweifeln, dass sich die Rally fortsetzt. Das gewichtete Kursziel liegt mit 23,30 Euro derzeit unter dem aktuellen Kurs. Peter Crampton von der australischen Investmentbank Macquarie reduzierte bereits seine Einschätzung von „Kaufen“ auf „Halten“. Seiner Meinung nach sollten Anleger nach dem starken Lauf der vergangenen Monate vorerst Gewinne mitnehmen. So sehen es offenbar auch viele seiner Kollegen: Denn die „Halten“-Einstufungen überwiegen mit 13 Stück derzeit deutlich. Nur fünf Experten sprechen eine Kauf-Empfehlung aus, drei raten zum Verkauf der Aktie.

Die rote Laterne im Mittelwerteindex trägt Steinhoff, Mutter der Möbelkette Poco. Der Konzern hatte zuletzt mit Bilanzunregelmäßigkeiten Schlagzeilen gemacht. Es gab daraufhin mehrere Managementwechsel. Der Kurs ist deshalb seit Januar 2017 um mehr als 90 Prozent eingebrochen – so stark wie bei keiner anderen Aktie aus Dax, MDax, SDax und TecDax. Nur wenige Analysten wagen derzeit Prognosen, wie es bei dem Unternehmen weitergeht. Andreas Riemann von der Commerzbank zog seine Einschätzungen beispielsweise vorerst zurück.

Die prozentual stärksten Kursanstiege aus den vier Auswahlindizes verbuchten im Jahr 2017 die beiden TecDax-Konzerne Aixtron und Siltronic. Die Aktie von Aixtron, Anlagenbauer für die Halbleiterindustrie, legte etwa 270 Prozent zu. Siltronic, ein Hersteller von Siliziumscheiben für die Halbleiterbranche, schaffte ein Kursplus von fast 180 Prozent. Für Privatanleger sind diese Werte weit schwieriger einzuschätzen als die der großen Dax-Konzerne – da ihr Geschäft nicht einfach zu verstehen ist und es viel weniger Experteneinschätzungen gibt.

Auch hier kann der Handelsblatt-Analystencheck helfen. DZ Bank-Analyst Harald Schnitzer hält beispielsweise die Aktie des Spezialmaschinenbauers Aixtron für überbewertet. Damit ist er nicht alleine: Neun Analysten raten zum Verkauf, bei sechs Kauf- und vier Halten-Empfehlungen.

Bei Siltronic sind die Kapitalmarktprofis deutlich positiver gestimmt. Achal Sultania von der Schweizer Großbank Credit Suisse glaubt, dass die Nachfrage das Angebot weiterhin übersteigen werde. Auch Martin Jungfleisch von Kepler Cheuvreux geht davon aus, dass sich der Preisanstieg bei Vorprodukten für Halbleiter im neuen Jahr fortsetzen werde. Insgesamt gibt es sieben Kauf- und drei Halten-Empfehlungen. Bei einer Frage herrscht allgemeiner Konsens: Kein einziger Analyst würde die Aktie derzeit aus dem Depot werfen.

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