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Wirecard 132 Millionen Euro Tageslohn für Chris Hohn von TCI

Der Zahlungsdienstleister Wirecard muss seine Bilanzvorlage verschieben - schon wieder. Damit scheint das Unternehmen das Vertrauen der Anleger verspielt zu haben: Der Börsenkurs fiel zwischenzeitlich um mehr als 60 Prozent. Einige Spekulanten kassieren deshalb jetzt ordentlich ab. Quelle: Imago

Shortseller gewinnen beim Absturz der Wirecard-Aktie Milliarden – Fondsanleger schauen in die Röhre. Firmenchef Braun hält sieben, Goldman Sachs 16 Prozent am Dax-Konzern. Die Gewinner und Verlierer des Tages.

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Bis zu 70 Prozent oder rund 8,6 Milliarden Euro an Wert haben heute im Tagesverlauf Wirecard-Aktionäre verloren – darunter Firmenchef Markus Braun, aber auch Fondsanleger, etwa solche der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Nach Angaben von Wirecard vom 18. Juni hält Braun über die MB Beteiligungsgesellschaft mbH derzeit 7,07 Prozent an Wirecard. Direkt, und über andere Instrumente, sind Goldman Sachs mit 15,97, Morgan Stanley mit 9,44, die Société Générale mit 6,37, Blackrock mit 5,57, die Bank of America mit 5,48, die Citigroup mit 5,02, die DWS mit 3,34 und Union Investment mit 3,18 Prozent beteiligt.

Hier dürften sich einige Manager Fragen gefallen lassen müssen, da zuletzt die Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Wirecard-Zahlen immer größer wurden. Nachdem der Bezahldienstleister aus dem Münchner Vorort Aschheim am Vormittag seine Bilanzvorlage für 2019 erneut verschoben hatte, crashte der Kurs zunächst um die Hälfte. Der Wirecard-Wirtschaftsprüfer EY kann auf Treuhandkonten geparkte 1,9 Milliarden Euro nicht identifizieren.

Am Nachmittag verstärkten sich die Verluste, nachdem bekannt wurde, dass sich neben der Finanzaufsicht Bafin auch die Münchner Staatsanwaltschaft der Sache verschärft annehmen wird. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits, ob Spekulanten das Unternehmen illegal attackiert haben. Aber es wird seit kurzem auch untersucht, ob die Vorstände um Markus Braun zweimal für die Anleger irreführende Informationen veröffentlicht haben könnten. Dazu kommt nun die heutige Bilanzverschiebung aufgrund fehlender oder fehlerhafter Dokumente.

132 Millionen Euro Tageslohn

Das alles spielt in die Karten der sogenannten Shortseller, die sich Aktien leihen und verkaufen, um sie später bei günstigeren Kursen zurückerwerben zu können. Dabei zahlen sie an den Verleiher eine Prämie, die etwa bei Wirecard zuletzt bei extrem hohen 15 Prozent lag. Macht nichts, bei einem Kurssturz von 70 Prozent wie heute. Allein daran gemessen machten die Shortseller bis in den Nachmittag hinein einen Gewinn von annähernd zwei Milliarden Euro.

Wer wann zu welchem Kurs dabei auf fallende Wirecard-Kurse gewettet hat, bleibt meist ein Geheimnis. Veröffentlicht werden nur Geschäfte ab einem Anteil von 0,5 Prozent der Aktien. Viele Shortseller bleiben aber unter dieser Meldeschwelle, und wenn eine Meldung erfolgt, ist nicht klar, über welchen Zeitraum genau diese Position aufgebaut wurde.

Unter den Wirecard-Shortsellern ist aber durchaus auch Prominenz, so etwa der Londoner TCI Fund. Dessen Chef Christopher Hohn wurde eine gewisse Berühmtheit zuteil mit Attacken gegen die Deutsche Börse. Am 29. April meldete TCI eine Shortposition von 1,53 Prozent der Wirecard-Aktien. Sollte diese noch Bestand haben, dann hat Hohn heute bis zu 132 Millionen Euro gut gemacht. Kein schlechter Tageslohn.

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