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Zschabers Börsenblick
Börse in Oslo Quelle: imago images

Anleger vernachlässigen Norwegen – wie unklug!

Norwegens Börse steht selten im Fokus. An und für sich unverständlich, bieten das Land und seine Unternehmen doch vor allem eines, was Börsianer schätzen: eine hohe Innovationskraft in wichtigen Bereichen.

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Womöglich wünscht sich manch ein Deutscher, der in diesen Tagen unter der Rekordhitze hierzulande leidet, er wäre gerade in Oslo. In Norwegens Hauptstadt ist es zwar aktuell für dortige Verhältnisse auch alles andere als kühl. Doch von unseren Temperaturhöchstwerten sind die Norweger nochmal ungefähr zehn Grad entfernt.

Was für die Hitze-Gegner gilt, gilt für Anleger allerdings weniger: Norwegens Börse ist nicht gerade als Sehnsuchtsort für deutsche Börsianer bekannt, dieser Markt wird hierzulande eher stiefmütterlich behandelt. Und genau das ist schwer nachzuvollziehen. Denn einen Blick sollte das Land, das wesentlich mehr zu bieten hat als Lachs und Fjorde, auch Investoren wert sein. Vor allem das Gespür der Norweger für Innovationen in wichtigen Bereichen ist dabei bemerkenswert.

Da ist in erster Linie das Thema Energie. Obwohl Norwegen für seinen Reichtum an Öl und Gas bekannt ist, hat sich das Land frühzeitig alternativen Energien geöffnet. So werden mittlerweile 98 Prozent der Energieversorgung  aus grünen Quellen gespeist. Und auch für die nächsten Jahre gibt es Pläne, mit denen das Land die Wirtschaft zu einschneidenden Veränderungen bewegen will. Erstes Ziel der Aktivitäten: der Transportsektor. So möchte Norwegen ab dem Jahr 2025 den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor untersagen. Im darauffolgenden Jahr sollen in seinen Fjorden nur emissionsfreie Schiffe verkehren dürfen. Und zeitgleich sollen dann auch schon Tests mit von Elektromotoren angetriebenen Flugzeugen stattfinden – mit dem langfristigen Ziel, dass in gut 20 Jahren Inlandsflüge umweltneutral sein werden.

Dieses hohe Engagement ist auch dafür verantwortlich, dass Norwegens Energieerzeugung bereits heute nahezu CO2-frei ist. Was dem Land aus Nationen wie Frankreich oder Deutschland staunende und neidische Blicke einträgt, liegt am hohen Grad der Wasserkraftnutzung. Doch auch der Windkraft widmet man im Norden Europas verstärkt Aufmerksamkeit. So hat sich das Volumen der auf Wind basierenden Stromerzeugung  in Norwegen zwischen den Jahren 2016 und 2018 fast verdoppelt; Wind ist mittlerweile vor der Geothermie die Stromquelle Nummer zwei im Lande, ein Trend, der sich im ersten Viertel des Jahres fortgesetzt hat. Wie es in Zukunft weitergehen könnte, darauf gab der norwegische Finanzminister jüngst einen Ausblick: Im kommenden Jahr soll die jährliche Windstromerzeugung über 10 Terawattstunden betragen, bis 2030 soll sie dann pro Jahr sogar bei 25 Terawattstunden liegen.

OBX schlägt den DAX

Ein besonderes Zeichen hat in diesem Zusammenhang vor kurzem auch Norwegens Staatlicher Pensionsfonds gesetzt. Der eigentlich als Ölfonds bekannte Fonds, der wegen seiner schieren Grüße und der langfristigen Performance vielen internationalen Börsianern ein Begriff ist und Kultstatus auch jenseits Norwegens genießt, soll laut Parlamentsbeschluss Kapital aus fossilen Industrien abziehen – das dadurch frei gewordene Kapital von rund elf Milliarden Euro soll Investitionen in erneuerbare Energien zugutekommen:, vor allem in Wind- und Solarkraft.

Dass Norwegen auf breiter Front stets den Blick nach vorne richtet, zahlt sich auch an der Börse aus. Auf Zehnjahressicht hat sich etwa der norwegische Leitindex OBX, ein Performanceindex wie der DAX, besser entwickelt als sein deutsches Pendant, wobei der deutsche Aktienmarkt natürlich über die gesamte DAX-Familie ein breiteres Spektrum bietet. Die Auswahl an ETFs auf den OBX ist recht überschaubar, daher bietet sich Anlegern für diesen Markt auch ein aktiv gemanagter Fonds als Beimischung für ihr Depot an. Oder um es anders auszudrücken: Sich mit Norwegens Aktienmarkt auseinanderzusetzen, muss nicht zwangläufig nur eine Überbrückung des Sommerlochs sein.

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