5-Euro-Münze Münz-Fans stürmen Bundesbank-Filialen

Wegen einer neuen Sammlermünze "Subtropische Zone" pilgern die Menschen scharenweise an die Geldausgabeschalter der Bundesbank. Wie ist der Ansturm zu erklären?

Es ist wieder soweit. Heute startete die Ausgabe der zweiten Sammlermünze aus der Serie „Klimazonen der Erde“. Interessierte Sparer können die Silberlinge im Nennwert von fünf Euro in den Filialen der Bundesbank in den großen Städten abholen – sofern sie genug Bargeld für den Tausch dabei haben, denn Zahlungen per Karte akzeptiert die Bundesbank nicht.

Auch empfiehlt die Bundesbank, fünf Euro passend bereit zu halten, damit der Tausch an den Schaltern reibungslos läuft. Wechselgeld rausgeben kostet Zeit. Und die ist kostbar, schließlich ist der Andrang der Münz-Fans so gewaltig, dass die Warteschlangen bei den meisten Filialen rund um den Block reichen. Jeder Besucher bekommt nur eine Münze. An normalen Tagen geht es an den Schaltern der Bundesbank höchst beschaulich zu, wenn zum Beispiel Sparer alte D-Mark-Scheine zum Tausch vorbeibringen.

Heute dagegen herrscht Ausnahmezustand – allerdings auch eine gute Gelegenheit für die Bundesbank, mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen. „Der Ansturm ist gewaltig“, sagt Diana Rutzka-Hascher, Präsidentin der Bundesbank-Hauptverwaltung in Hessen. Ihr sonnenhelles Frankfurter Büro liegt ein paar Stockwerke über den Schaltern, vor denen sich gerade die Menschen drängeln. Unten sorgt Wachpersonal für Ordnung. Die meisten Leute warten zwar diszipliniert, es gibt aber auch einzelne Querulanten, die Streit suchen oder herumdiskutieren wollen.

Bei der Organisation der Münzausgabe konnte die Bundesbank auf die Erfahrungen des vergangenen Jahres zurückgreifen, als die erste Münze aus der Klimazonenreihe unters Volk gebracht wurde. Schon damals bildeten sich hunderte Meter lange Schlangen, obwohl das Wetter längst nicht so strahlend war wie heute, berichtet Rutzka-Hascher. Ihr Standort am Finanzplatz Frankfurt ist gut gewappnet und hat extra zwei zusätzliche Schalter aufgemacht, an denen die Sammlermünzen über den Tresen gehen. 2500 Münzen pro Tag kann die Frankfurter Filiale ausgeben.

Die Ausgabetermine der Klimazonen-Münzen erinnern eher an ein Volksfest als an ein Nischenevent für ein paar Numismatik-Nerds mit zu viel Zeit. Schon als im Jahr 2016 die Sammlermünze „Planet Erde“ - die erste mit einem eingelassenen Plastikring - erschien, bildeten sich lange Warteschlangen vor den Bundesbankfilialen. Dagegen wirken selbst die spektakulären Verkaufsstarts neuer iPhones mit vor den Shops übernachtenden Apple-Fans fast beschaulich.

Meist nach wenigen Tagen vergriffen

Rund eine halbe Stunde Wartezeit musste mitbringen, wer sich dort heute Vormittag in die Schlange vor der Bundesbank-Filiale in Frankfurt einreihte. Nicht nur gelangweilte Rentner stehen sich hier die Beine in den Bauch, auch Schüler, junge Berufstätige oder Mütter mit Kinderwagen warten hier geduldig auf den neuen Fünfer mit dem charakteristischen bunten Plastikring. Obwohl das Bundesfinanzministerium drei Millionen Stück prägen lassen hat, dürfte der Vorrat nur ein paar Tage reichen. So war es zumindest auch bei den ersten beiden Münzen mit lichtdurchlässigem Plastikring.

Am Ende der Schlange am Frankfurter Standort steht eine telefonierende junge Frau mit Sonnenbrille, über ihr weiß-blaues Sommerkleid hat sie eine rosa Strickjacke geworfen. Der Himmel strahlt blau, aber es ist noch kühl im Schatten der Wolkenkratzer des Bankenviertels. Die Dame ist hier, weil sie die Münze einfach nur schön findet. Andere sind aus profaneren Gründen gekommen: Sie hoffen, dass der Sammlerwert des Silberlings wegen der begrenzten Auflage deutlich über den Nennwert von fünf Euro steigt. Und klar, es gibt auch die Gelangweilten, die einfach nur Zeit totschlagen wollen. „Was gibt es schöneres als bei blauem Himmel und Sonnenschein unter netten Leuten zu sein?“, fragt ein Rentner, der sogar aus Thüringen angereist ist.

Echte Münz-Profis tun sich die Warteschlagen wahrscheinlich gar erst nicht an. Sie haben die Sammlermünze vorab bei der staatlichen Verkaufsstelle für Sammlermünzen in Weiden bestellt. Von dort bekommen sie sogar Exemplare in der höchsten Qualitätsstufe „Spiegelglanz“ geliefert. Bei der Bundesbank gibt es dagegen „nur“ die etwas abgegriffenere Qualitätsstufe „Stempelglanz“.

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