BaFin zu Verbraucherkrediten Finanzaufsicht will Zinsen unter die Lupe nehmen

In ihrem Jahresbericht verkündet die BaFin, Zinsen bei Verbraucherkrediten genauer begutachten zu wollen. Zudem warnte sie: Die rekordniedrigen Zinsen brächten deutsche Pensionskassen zunehmend in Gefahr.

Wie die Deutschen mit Schulden umgehen
Mehr Verschuldete Quelle: dpa
Vier von fünf Bundesbürgern (79 Prozent) versuchen, ihre Schulden möglichst niedrig zu halten. Das dürfte auch daran liegen, dass ein Großteil sich verpflichtet sieht, diese auch zu begleichen: 84 Prozent der Deutschen fühlen sich schlecht, wenn sie ihre Kredite nicht abbezahlen können – vor allem, wenn sie bei Familie oder Freunden in der Kreide stehen. Interessant: Die Bundesbürger halten zu 58 Prozent monatliche Belastungen von 300 Euro für vertretbar, allerdings überschreiten nur 39 Prozent überhaupt diese Grenze. Vielleicht liegt es daran, dass es fast zwei Drittel (64 Prozent) belastet, wenn sie Schulden haben. In den USA ist diese Wahrnehmung eine andere: Dort halten nicht nur zwölf Prozent der Bürger ihre Schulden für normal, sie sehen sich auch weniger dadurch belastet (60 Prozent). Quelle: dpa
Die Deutschen wissen sehr genau: Wer sein Konto überzieht oder einen Kredit aufnimmt, der hat Schulden. Die EOS-Studie bescheinigt den Bundesbürgern daher ein „sehr umfassendes“ Verständnis von Schulden. Nur, wenn sie auf Rechnung kaufen oder mit Kreditkarte bezahlen, glauben die Deutschen seltener (39 beziehungsweise 30 Prozent), dass sie gerade Schulden machen. Quelle: dpa
Ob Hauskauf oder die Finanzierung des neuen Autos: Je nachdem, wie langfristig die Anschaffung ist, ist auch die Bereitschaft, sich zu verschulden. Doch längst nicht bei allen Krediten sind die Bundesbürger so gnädig. Schulden für Schönheitsoperationen oder auch Gebrauchsgüter halten die Deutschen am ehesten für unangemessen. Quelle: dpa
Die meisten Deutschen (55 Prozent) haben lediglich einen Kredit, den sie abbezahlen müssen. Gut jeder vierte muss zwei Gläubiger bedienen. Mehr als fünf Kredite haben nur zwei Prozent der deutschen Bevölkerung. Wenn es um die Art der Kredite geht, haben 24 Prozent Ratenkredite bei Banken. 18 Prozent der Verträge dienen hingegen der Immobilienfinanzierung. Andere Ratenfinanzierungen, bei Versandhäusern oder Autohändlern beispielsweise, folgen mit 14 Prozent an dritter Stelle. Quelle: dpa
77 Prozent der Deutschen haben es schon einmal geschafft, einen Kredit zurückzuzahlen. Das klingt viel, allerdings gelingt dies längst nicht jedem: Jeder sechste Schuldner konnte seine Kredite ein- oder mehrmalig nicht zurückzahlen. In den USA und Russland liegt diese Rate deutlich höher (28 beziehungsweise 22 Prozent). Quelle: dpa
Laut der Studie gibt es fünf verschiedene Schuldnertypen: der Schuldenvermeider, der Sorglose, der Gelegenheitsschuldner, der Immobilienschuldner sowie der Schuldenjunkie. In Deutschland ist der Schuldenvermeider, der Schulden als belastend empfindet, am häufigsten vertreten (44 Prozent). Quelle: dpa
26 Prozent der Deutschen sind Immobilienschuldner. Sie fühlen sich besonders schlecht, wenn sie Schulden nicht zurückzahlen können. Noch seltener sind die Sorglosen anzutreffen. Der Sorglose hat keine Probleme damit, Schulden zu machen, und kann gut damit leben. Quelle: dpa
Im Vergleich zu Deutschland leben die meisten Sorglosen in den USA. Dort zählen 20 Prozent der Bevölkerung zu dieser Gruppe. Zu den Schuldenjunkies zählen immerhin noch 15 Prozent der US-Amerikaner. Trotzdem macht auch in den Vereinigten Staaten der Schuldenvermeider den Großteil der Schuldner aus (35 Prozent). Quelle: REUTERS
Mehr als jeder zweite US-Amerikaner (53 Prozent) muss Verpflichtungen von mehr als 750 US-Dollar pro Monat bedienen. Besonders häufig schließen Amerikaner Leasingverträge ab (29 Prozent), erst dahinter folgen der Ratenkredit bei der Bank (17 Prozent) und der Hauskauf (14 Prozent). In Russland sieht das etwas anders aus. Quelle: REUTERS
In Russland sind etwas mehr Menschen verschuldet als in Deutschland und den USA. Bei den meisten Befragten kommen die Verpflichtungen durch einen Ratenkredit bei der Bank (46 Prozent). Die Leasingverträge folgen mit weitem Abstand auf Platz zwei (zehn Prozent). Quelle: dpa
Für 71 Prozent der Russen sind Schulden emotional stark belastend. Interessanterweise wissen 15 Prozent der Befragten aber überhaupt nicht, wie hoch ihre Schulden liegen. Russland ist etwas toleranter, wenn es um Schönheitseingriffe geht. Während Schulden für die Operationen in Deutschland und den USA am wenigsten akzeptiert sind, finden die Russen das Ausgeben von Bargeld, Schmuckkäufe und Freizeitausgaben noch schlimmer als Schönheitseingriffe. Quelle: dpa

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin schlägt wegen der schwierigen Lage einiger Pensionskassen Alarm. Falls die Arbeitgeber im Notfall keine Mittel in ausgelagerte Pensionskassen nachschießen, müssten sich Rentner auf Kürzungen einstellen, warnte der für die Versicherungsaufsicht zuständige BaFin-Direktor Frank Grund am Dienstag in Frankfurt. "Wenn die Sicherungsmechanismen nicht greifen, kann es sein, dass auch Leistungskürzungen für die Versorgungsempfänger vollzogen werden." Die BaFin tue aber alles, um das zu verhindern.

Die Kassen hätten den Rentnern lebenslang vergleichsweise hohe Ausschüttungen versprochen, die sich im heutigen Zinsumfeld nur noch schwer stemmen ließen, sagte Grund. "Möglicherweise können daher bald einzelne Pensionskassen nicht mehr aus eigener Kraft ihre Leistungen in voller Höhe erbringen. Mit ihnen besprechen wir aktuell, wie es weitergehen kann."

Die BaFin ermuntere die Träger der Kassen, in den meisten Fällen die Arbeitgeber, zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. "In manchen Fällen läuft das gut, in manchen Fällen läuft es weniger gut." Grundsätzlich könnte ein Arbeitgeber nur dann Geld nachschießen, "wenn es ihn noch gibt und er auch leisten kann".

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik für Pensionskassen wurden in der Öffentlichkeit bisher weniger stark diskutiert als die Auswirkungen auf Banken und Lebensversicherer. Letztere hätten auf kurze und mittlere Sicht ausreichendes Stehvermögen, um die Belastungen wegzustecken, sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld. Es könne jedoch sein, "dass nicht alle Unternehmen diesem Druck auf Dauer standhalten". Auch in den Bilanzen der Banken mache sich die Geldpolitik "wie ein schleichendes Gift" bemerkbar.

Auf der einen Seite belasten die niedrigen Zinsen die Erträge der deutschen Geldhäuser, wie der für Bankenaufsicht zuständige Direktor Raimund Röseler erklärte. Auf der anderen Seite steige für die Institute das sogenannten Zinsänderungsrisiko, weil sich Kunden die niedrigen Zinsen bei Kreditabschlüssen möglichst lange festschreiben lassen.

"Mittlerweile weisen deutlich mehr als 50 Prozent aller Kreditinstitute erhöhte Zinsänderungsrisiken auf, Tendenz steigend", sagte Röseler. Das werde bei der anstehenden Prüfung von 1.600 deutschen Instituten eine zentrale Rolle spielen.

Nach dem sogenannten Supervisory Review and Evaluation Process (SREP), den es bisher nur für Großbanken gibt, wird die BaFin jeder Bank eine individuelle Mindestkernkapitalquote vorgeben. Bei den meisten Instituten werde der Aufschlag auf die bisherigen Mindestanforderungen weniger als zwei Prozent betragen, sagte Röseler. Einzelne Institute müssten jedoch mit "recht spürbaren Kapitalaufschlägen" rechnen - und könnten dann unter Druck geraten. "Es gibt ein paar Ausreißer, die deutlich mehr erwarten dürfen - da entstehen Probleme."

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