Bitcoin-Kurs: Im Krypto-Superzyklus beginnt eine neue Phase
Krypto-Anleger erleben dieser Tage ein wahres Sommermärchen: Der Bitcoin – die größte und wichtigste Digitalwährung – hat in der Nacht zum Donnerstag abermals einen neuen Rekord aufgestellt. Zum ersten Mal in seiner Geschichte notierte er über 124.000 Dollar. Am Freitagmorgen lag der Kurs bei knapp 119.000 Dollar. Dass der Kurs leicht unter der neuen Bestmarke lag, ändert nichts daran, dass sich der Wert der Kryptowährung innerhalb eines Jahres verdoppelt hat.
Der gesamte Kryptomarkt ist gerade im Aufwind. Mit den jüngsten Kursgewinnen ist die Marktkapitalisierung aller Cyberdevisen auf nun über vier Billionen Dollar angestiegen. Damit sind sie gemeinsam fast so viel wert wie der KI-Gigant Nvidia, der mit einer Bewertung von 4,41 Billionen Dollar das wertvollste Unternehmen der Welt ist.
Bitcoin und Co. sind in einen neuen Superzyklus eingetreten. Viele positive Faktoren begünstigen gerade das Umfeld für Digitalwährungen – und legen die Grundlage dafür, dass die Rally weitergehen könnte. Am Kryptomarkt herrscht Goldgräberstimmung.
Trump und der neue 12,5-Billionen-Dollar-Markt für Bitcoin
Die große Nachfrage nach Kryptoinvestment kommt auch an der klassischen Börse an. Immer mehr Kryptounternehmen drängen aufs Parkett. Im Juni war der Stablecoin-Anbieter Circle an die Börse gegangen, am Mittwoch zog die Kryptobörse Bullish nach – mit einem sagenhaften Ergebnis. In der Spitze legte die Aktie 300 Prozent zu. Ein prominenter Unternehmer unterstützt Bullish: der umstrittene Tech-Milliardär und Serien-Gründer Peter Thiel.
Bitcoin-Kurs: Sind 150.000 Dollar drin?
Viele Anleger glauben: Am Kryptomarkt geht noch was. Das sieht man zum Beispiel am Optionsmarkt. Dort können Anleger mit speziellen Finanzinstrumenten auf die künftige Entwicklung des Bitcoin spekulieren. Laut der Analyseplattform The Block beläuft sich die sogenannte Put/Call-Ratio beim Bitcoin derzeit auf 0,46. Liegt dieser Wert unter 1, gibt es mehr Käufer von Kauf- als von Verkaufsoptionen. Tendenziell deutet dieses Verhältnis darauf hin, dass die Mehrheit der Anleger positiv auf die Marktstimmung blickt.
Das unterstreichen auch Daten der Derivateplattform. Ein Großteil der Investoren hat einen Bitcoin-Kurs von 140.000 Dollar im Visier. Das Volumen der offenen Kontrakte beläuft sich hier auf gut 3,3 Milliarden Dollar. Um diesen Preis zu erreichen, müsste der Bitcoin noch 15,7 Prozent zulegen.
Einige Marktbeobachter trauen dem Bitcoin mittelfristig sogar noch größere Gewinne zu: „Technisch gesehen könnte ein nachhaltiger Ausbruch über 125.000 Dollar den Bitcoin auf 150.000 Dollar treiben“, schrieb IG-Marktanalyst Tony Sycamore in einer Analyse.
Noch optimistischer sind Investoren und Experten mit Blick auf eine andere Kryptowährung: Ether. Nachdem die Digitalwährung bis April stark nachgegeben hatte, schaltete sie in eine atemberaubende Rally, die die Entwicklung des Bitcoin in den Schatten stellt.
Ether ist die zweitgrößte Währung am Kryptomarkt, gemessen an der Marktkapitalisierung. Wie Bitcoin läuft sie auf ihrer eigenen Blockchain, Ethereum. Viele Anleger haben in den letzten Wochen von Bitcoin zu Ether umgeschichtet. „Das Wechselspiel zwischen Bitcoin und Ethereum ist ein zentraler Motor für Innovation und Aufmerksamkeit im Kryptomarkt“, sagt Ulli Spankowski, Mitgründer der Krypto-App Bison und Digitalchef der Börse Stuttgart.
Trumps Kryptooffensive pusht den Markt
Seitdem ist der Ether-Kurs um 220 Prozent gestiegen und ist nur noch knapp von seinem alten Rekordhoch bei rund 4890 Dollar aus dem Jahr 2021 entfernt. Die Put/Call-Ratio bei Ether liegt sogar bei 0,35 – Anleger sind also sehr überzeugt, dass die Kurse weiter steigen. Selbst Kryptounternehmer, die sich ansonsten mit waghalsigen Kursprognosen zurückhalten, halten es für möglich, dass Ether in den nächsten Wochen auf bis zu 6200 Dollar steigen kann. Dafür wäre allerdings noch ein weiterer Anstieg um 75 Prozent nötig. Das wäre sportlich.
Zugleich spricht das aktuelle Umfeld dafür, dass die Kurse tatsächlich weiter steigen dürften – vorrangig bei Ether. Das liegt an US-Präsident Donald Trump. Seit seinem Amtseintritt formt er die USA, deren Behörden unter der Vorgängerregierung Bitcoin und Co. eher kritisch beäugt hatten, radikal zum globalen Hotspot für Kryptowährungen um.
Erst vor wenigen Wochen hat der US-Kongress ein von Trump forciertes Gesetzespaket auf den Weg gebracht, das für den Kryptomarkt nun die Spielregeln definiert. Viele Unternehmen haben auf diese Klarheit lange gewartet. Im Zentrum steht vor allem das neue Stablecoin-Gesetz: der Genius Act. Stablecoins wie USDT sind Münzen, deren Wert nicht schwanken soll und die an eine Fiatwährung gekoppelt sind. Eine Stablecoin-Münze soll immer einem Dollar entsprechen. Kryptoanleger nutzen sie etwa, um ihr Geld zu parken, wenn sie am Kryptomarkt handeln. Das spart in der Regel Zeit und Geld.
Momentan kommen alle Stablecoins zusammen auf eine Marktkapitalisierung von rund 271,6 Milliarden Dollar. Mit Blick auf die klaren Regeln kommen immer mehr Unternehmen in den Markt und wollen eigene Stablecoins lancieren – darunter auch Amazon und JP Morgan. Die Unternehmen erhoffen sich dadurch schnellere und günstigere Transaktionen. Die Erwartungen sind groß, dass die Adaption voranschreitet. US-Finanzminister Scott Bessent geht davon aus, dass der Stablecoin-Markt bis 2030 etwa auf das 14-Fache auf 3,7 Billionen Dollar anwachsen wird.
Unternehmen bauen Krypto-Reserven auf
Davon würde insbesondere Ether profitieren: Etwa die Hälfte aller Stablecoin-Transaktionen läuft über die Ethereum-Blockchain. Um dort Zahlungen abzuwickeln, braucht man Ether-Münzen.
Auch Trumps Rentenpläne haben Kurshoffnungen geweckt. Vor Kurzem hat er die beliebten 401(k)-Sparpläne, mit denen Arbeitnehmer steuerbegünstigt für die Altersvorsorge anlegen können, auch unter anderem für Kryptowährungen geöffnet. Aktuell verwalten diese Rentenkonten gut 12,5 Billionen Dollar Anlegervermögen. Davon könnte der Bitcoin profitieren. Selbst wenn nur zwei Prozent der Summe in Bitcoin flössen, entspräche das gut 10 Prozent der aktuellen Bitcoin-Marktkapitalisierung.
Und es gibt noch weitere Kurstreiber. „Die Kombination aus moderater Inflation, wachsenden Erwartungen hinsichtlich Zinssenkungen und einer beispiellosen institutionellen Beteiligung durch ETFs hat einen starken Rückenwind geschaffen“, fasst Ben Kurland, Chef der Krypto-Forschungsplattform DYOR, zusammen. In die Bitcoin-ETFs sind inzwischen 157,7 Milliarden Dollar geflossen. Und obwohl die wichtige Kerninflation zuletzt sogar gestiegen ist, preist der Markt eine Zinssenkung im September ein. Davon dürften spekulative Assets wie Kryptowährungen profitieren.
Hinzu kommt, dass immer mehr Firmen eine eigene Krypto-Reserve aufbauen und auf hohe Renditen spekulieren. Den Anstoß gab Michael Saylor, Gründer von Strategy (vormals Microstrategy). Einst als Softwareunternehmen gegründet, ist das operative Geschäft inzwischen kaum noch bedeutend. Stattdessen kauft Strategy über kreditfinanziert immer größere Teile des Bitcoin-Markts auf. Inzwischen gehören dem Unternehmen fast 629.000 Digitalmünzen.
Mittlerweile kopieren zunehmend andere Unternehmen das Modell, auch mit anderen Kryptowährungen: BitMine zum Beispiel. Das Unternehmen, das eigentlich Geld mit dem Schürfen neuer Kryptowährungen verdient, baut eine Ether-Reserve auf. Aktuell gehören der Firma 833.000 Ether. Die Börse überzeugt das: Seit letzter Woche hat sich die Aktie verdoppelt. Auch Investor Peter Thiel ist eingestiegen. Allerdings: Das Kalkül der Treasury-Unternehmen geht nur auf, solange die Krypto-Kurse zulegen.
Droht eine Korrektur?
Nachdem der Bitcoin zum Jahresbeginn über die Marke von 100.000 Dollar gestiegen war, rauschten die Kurse vor allem mit Beginn der Zollstreitigkeiten nach unten. In der Spitze notierte der Bitcoin bei nur noch rund 75.000 Dollar. Ein Rückgang in dieser Größenordnung dürfte voraussetzen, dass ein neues, schwerwiegendes Szenario die Märkte erschüttert. An Trumps Zollwirrwarr haben sich Anleger inzwischen so ziemlich gewöhnt.
Hinzu kommt: Charttechnisch hat der Bitcoin ein robustes Widerstandsnetz gebildet. Bei Rücksetzern in den letzten Wochen fand er an der 50-Tage-Linie Halt, die den gleitenden Durchschnittskurs der letzten 50 Handelstage darstellt. Aktuell verläuft sie bei rund 114.000 Dollar. Solange sich der Bitcoin in diesem Umfeld bewegt, sollten Anleger keinen Grund zur Panik haben. Auch die 200-Tage-Linie, die bei etwa 100.000 Dollar verläuft, dient als Unterstützung.
Außerdem: Der Markt ist zwar optimistisch, aber nicht dramatisch überhitzt. Das zeigt der „Fear and Greed“-Index (zu Deutsch: Angst und Gier). Der liegt mit einem Wert von 68 von 100 nur ganz leicht im Gier-Modus. Der Index dient als Kontraindikator: Bei einem hohen Wert sind bereits viele Kaufwillige im Markt. Bei starken Rücksetzern gibt es nur noch wenige potenzielle Käufer, die den Markt stützen können – und der Ausverkauf geht weiter.
Gut möglich sind kurzfristig jedoch Gewinnmitnahmen. Bei dem hohen Kursniveau wollen einige Investoren lieber schnell Teilgewinne versilbern.
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 14. August. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn erneut.