Bitcoin-Kurs: Bitcoin kämpft um die 110.000-Dollar-Marke: Wie tief kann der Kurs fallen?
Die Freude von Krypto-Anlegern währte nur kurz: Nachdem der Bitcoin – die älteste und wichtigste Digitalwährung – erst vor Kurzem zum ersten Mal in seiner Geschichte über die Marke von 124.000 Dollar gestiegen war, gab der Kurs zuletzt deutlich nach. Nachdem sich der Kurs am Wochenende kurzzeitig erholt hatte, setzt sich der Ausverkauf nun fort. In der Nacht zum Dienstag rutschte der Bitcoin unter die Marke von 110.000 Dollar. Am Morgen notierte der Kurs leicht darüber.
Seit dem Rekordhoch hat die Digitalwährung rund zehn Prozent an Wert verloren. Kryptowährungen wie Ether, die in den letzten Monaten eine erstaunliche Rally hingelegt hatten, korrigierten stark.
Laut Timo Emden vom Analysehaus Emden Research hatten die Hoffnungen auf sinkende Zinsen, die der Chef der US-Notenbank Fed vergangene Woche mit einer Rede beim Notenbankertreffen in Jackson Hole befeuert hatte, den Bitcoin-Kurs kurzzeitig gestützt. „Die Zinssenkungsfantasien in den USA sind wieder einer nüchternen Betrachtungsweise gewichen“, so Emden. „Anleger sorgen sich, dass die Zölle die Inflation befeuern und die Zinssenkungshoffnungen ausbremsen könnten.“
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Gleichzeitig hätten technische Verkäufe die Korrektur intensiviert. „Durch das Preisgeben signifikanter Marken wurden bereits in der Vergangenheit immer wieder größere Verkaufswellen ausgelöst.“, sagt Emden. Viele Investoren setzen Stop-Loss-Orders: Fällt der Bitcoin-Kurs unter eine bestimmte Marke, werden die Anteile automatisch verkauft. Dies kann eine Verkaufskaskade in Gang setzen.
Die Frage ist nur: Wie weit kann es beim Bitcoin abwärts gehen?
Anders als bei Aktien können Anleger bei Kryptowährungen keine Fundamentaldaten wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis zur Bewertung heranziehen. Stattdessen können sie auf die Charttechnik setzen. Mit ihr versuchen Investoren, aus dem vergangenen Kursverlauf Aussagen über künftige Entwicklungen zu treffen.
Hier ergibt sich ein Muster: Tendenziell korrigiert der Bitcoin, nachdem er ein neues Rekordhoch aufgestellt hat. Im Januar war der Bitcoin erstmals bei etwa 109.000 Dollar gehandelt worden. Kurz darauf sank der Kurs in der Spitze um über ein Viertel auf rund 75.000 Dollar im April. Hier kamen zu klassischen Gewinnmitnahmen die Unsicherheiten durch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump hinzu.
Geldpolitik als Gefahr für den Bitcoin
Dann ging der Bitcoin im Mai erneut auf Rekordjagd und stellte bei über 112.000 Dollar eine neue Bestmarke auf, ehe er in den nächsten Wochen auf knapp unter 100.000 Dollar abrutschte. Auf die Juli-Rally, die den Bitcoin auf über 123.000 Dollar trieb, folgte eine Korrektur, die den Bitcoin ebenfalls bis knapp unter das jetzige Kursniveau drückte.
Bei den letzten Korrekturen fiel der Bitcoin-Kurs also zwischen neun und knapp 30 Prozent. Daraus ergäbe sich – gemessen am jüngsten Rekordhoch – ein Korrekturspielraum von rund 112.800 Dollar bis 86.700 Dollar. Dazwischen verlaufen jedoch mehrere charttechnische Widerstände.
Für eine größere Konsolidierung bräuchte es wohl einen weiteren externen Schock. Gefahrenpotenzial bietet sicherlich die Geldpolitik. Der Markt hat bereits eine Leitzinssenkung im September eingepreist und könnte auf eine gegenteilige Entscheidung der US-Notenbank Fed mit Abverkäufen reagieren.
Kurzfristig ist für die Kursentwicklung des Bitcoin eine Marke wichtig: die 50-Tage-Linie. Sie gibt den gleitenden Durchschnittskurs der letzten 50 Handelstage an. Mit den Verkäufen der letzten Tage ist der Bitcoin-Kurs unter diese Linie gerutscht. Charttechniker sehen in einem Unterschreiten dieser Marke einen Trendwechsel hin zu fallenden Kursen. Allerdings muss davon bei einem kurzen Dip unter diese Schwelle nicht zwangsläufig die Rede sein. Allerdings ist der Bitcoin schon fünf Prozent unter diese Marke gerutscht.
Für den Bitcoin-Kurs sprechen aus charttechnischer Sicht aber zwei Dinge. Zum einen ist der langfristige Aufwärtstrend weiter intakt. Noch immer notiert der Bitcoin oberhalb der 200-Tage-Linie, die bei etwa 100.000 Dollar verläuft. Sie markiert eine zentrale Unterstützung für den Bitcoin-Kurs. Gleichzeitig hat die Korrektur dazu geführt, dass sich der Abstand zwischen Bitcoin-Kurs und 200-Tage-Linie verkleinert. Das reduziert die Gefahr eines Crashs: Je höher der Kurs über dieser Marke notiert, umso heißer ist der Markt gelaufen – und desto stärker kann eine Korrektur ausfallen.
Gegen eine größere Ausweitung der Korrektur spricht auch der „Fear and Greed“-Index (zu Deutsch: Angst und Gier). Er liegt derzeit bei einem Wert von 48 von maximal 100 und damit im neutralen Bereich. Vor einer Woche notierte der Index bei über 70 Punkten. Viele verkaufswillige Investoren sind also aus dem Markt bereits ausgeschieden.
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 20. August. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn erneut.