Kryptowährungen: Bitcoin fällt wieder unter 100.000 Dollar: Die Kryptowährung rutscht in den Bärenmarkt
Am Markt für Kryptowährungen dominiert wieder die Farbe Rot. In den vergangenen Tagen haben Bitcoin und Co. weiter deutlich an Wert verloren. Das Minus bei der größten und bekanntesten Kryptowährung liegt nun auf Wochensicht bei gut neun Prozent. Am Freitagmittag ist der Kurs erneut unter die psychologisch wichtige Marke von 100.000 Dollar. Schon am Dienstag war der Bitcoin unter diese Schwelle gerutscht und konnte sich anschließend nur leicht erholen. Zuletzt notierte der Bitcoin-Kurs bei etwa 99.960 Dollar.
Auch in der zweiten und dritten Reihe am Kryptomarkt kam es zu herben Verlusten. Ether – die Nummer zwei am Markt – verlor auf Wochensicht gut 16 Prozent. Kleinere Digitalwährungen gaben seitdem bis zu einem Drittel nach. Insgesamt hat der gesamte Sektor innerhalb von knapp einem Monat gut eine Billion Dollar an Wert eingebüßt.
Mit dem jüngsten Rücksetzer endet für den Bitcoin vorerst die Rallyphase. Seit seinem jüngsten Rekordhoch bei rund 126.000 Dollar, das er im Oktober markiert hatte, büßte die Kryptowährung 20 Prozent an Wert ein. Das heißt: Formal betrachtet befindet sich der Bitcoin nun in einem Bärenmarkt.
Weitere charttechnische Indikatoren zeigen, dass der Bitcoin an Schwung verloren hat. Inzwischen notiert der Kurs deutlich unterhalb der 200-Tage-Linie, die bei knapp unter 110.000 Dollar verläuft. Sie zeigt die Durchschnittskurse der vergangenen 200 Handelstage auf. Fällt der Kurs unter diese Linie, bedeutet dies: Der Aufwärtstrend ist beendet.
Bitcoin-Kurs: Absturz auf 85.000 Dollar?
Einen einzelnen Grund, warum die Kryptokurse gerade so stark nachgegeben haben, gibt es nicht. Analyst Timo Emden führt die Kursverluste vor allem auf zwei Faktoren zurück: „Katalysator für die jüngsten Kursverluste sind gedämpfte Zinssenkungsfantasien in den USA, gepaart mit Mittelabflüssen aus Spot-ETFs.“ Und weiter: „Nun könnten auch langfristig orientierte Anleger in den ‚Risk-off-Modus‘ schalten und Bitcoin den Rücken zukehren.“
Marktbeobachter sind vor allem wegen einer Entwicklung beunruhigt: Die Verkäufe fanden in den letzten Tagen gezielt statt – anders als im Flash-Crash im Oktober. Bis dahin waren viele Anleger optimistisch und wetteten am Derivatemarkt auf weiter steigende Bitcoin-Kurse. Als US-Präsident Donald Trump dann plötzlich neue Zolldrohungen machte, mussten viele ihre Position liquidieren. Der Bitcoin-Kurs brach ein.
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Im Oktober mussten Krypto-Positionen im Wert von 19 Milliarden Dollar zwangsliquidiert werden. Laut Daten der Analyseplattform Coinglass waren es jetzt nur zwei Milliarden Dollar. Investoren blicken zunehmend skeptisch auf die weitere Kursentwicklung des Bitcoin. Coinglass zeigen auch, dass Anleger gerade vor allem auf fallende Kurse spekulieren und Put-Optionen mit einem Zielpreis von 80.000 Dollar kaufen.
Anders gesagt: Anleger glauben, dass beim Bitcoin gerade die Luft raus ist. „In den vergangenen vier Wochen wurden über 319.000 Bitcoin reaktiviert“, sagt Vetle Lunde, Forschungsleiter vom Krypto-Researchhaus. Das betreffe vor allem Digitalmünzen, die sechs bis zwölf Monate gehalten wurden. „Das deutet auf erhebliche Gewinnmitnahmen seit Mitte Juli hin.“
Analyst Emden sagt dazu: „Sollten langfristig orientierte Investoren weiterhin auf die Idee kommen ihre Gewinne zu versilbern, dürfte dies auch zusehends Privatanleger in die Bredouille bringen.“
Für den Bitcoin dürften die kommenden Tage relevant werden. Der Eintritt in den Bärenmarkt ist erst mal nur eine Momentaufnahme. Dies kann sich schnell wieder drehen, sollten Investoren die gesunkenen Kurse für einen Einstieg nutzen. Viele Marktexperten halten es aber für möglich, dass der Bitcoin-Kurs vorerst weiter sinkt. Aus charttechnischer Sicht hat der Bitcoin zentrale Unterstützungslinien gerissen. Markus Thielen vom Analysehaus 10x Research sagt etwa: „85.000 US-Dollar sind mein maximales Abwärtsziel.“
Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 5. November. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn erneut.
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