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ChinaChinesen zensierten Deutschlands Botschafter

Deutsche Politiker und Diplomaten nehmen angesichts des unfairen Wettbewerbs in China kein Blatt mehr vor den Mund. Der deutsche Gesandte fiel deshalb der chinesischen Zensur zum Opfer.Mark Fehr 10.04.2017 - 14:38 Uhr

Deutsche Politiker und Diplomaten beklagen die Diskriminierung deutscher Unternehmen in China.

Foto: dpa

Lange galt China aus Sicht deutscher Unternehmen und Unternehmer als Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Doch mittlerweile haben viele der dort aktiven Firmen und Manager realisiert, dass im Tagesgeschäft viele Probleme auftauchen. Eines dieser Probleme ist das teils unfaire Vorgehen chinesischer Konkurrenten und Behörden gegen ihre Wettbewerber aus dem Westen.

Wie groß der Leidensdruck der deutschen Wirtschaft in China ist, zeigt folgender Vorfall: Im November 2016 tat der deutsche Botschafter in Peking etwas, was Diplomaten sonst lieber bleiben lassen. Michael Clauss gab dem wohl wichtigsten chinesischen Wirtschaftsmagazin "Caixin" ein Interview, und übte darin scharfe Kritik an den Praktiken der dortigen Behörden und Unternehmen gegenüber der deutschen Konkurrenz.
Anlass für das Gespräch des Botschafters mit den chinesischen Journalisten war damals das unerwartete deutsche Bremsmanöver bei der versuchten Übernahme des Maschinenbauunternehmens Aixtron aus NRW durch chinesische Bieter. Statt den Konflikt hinter wolkigen Formulierungen zu verstecken, wie es auf diplomatischem Parkett üblich gewesen wäre, ging Botschafter Clauss in die Offensive. Das ist ungewöhnlich, vor allem in Asien, wo man sonst mit allen Mitteln einen Gesichtsverlust des Gastlandes zu vermeiden versucht.

Die chinesische Zensur sorgte dann dafür, dass die breite Öffentlichkeit von der Kritik des Botschafters nichts mitbekam, indem man neuralgische Stellen aus dem Caixin-Interview einfach löschte. Das geht aus einem Hinweis auf den Internetseiten der Deutschen Botschaft in Peking hervor. „Das vollständige Interview konnte in chinesischer Sprache aufgrund der Zensur leider nicht wie geplant erscheinen“, heißt es dort. Für das in der Öffentlichkeit normalerweise so zurückhaltende Diplomatencorps dürfte es sich dabei um eine Maßnahme auf höchster Eskalationsstufe gehandelt haben.

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Damit war die Sache aber noch nicht erledigt. Denn die deutschen Diplomaten ließen sich nicht abschrecken und stellten den unzensierten Volltext des Interviews kurzerhand auf ihre Behördenwebseite. „Wir sind nicht naiv“, stellt Clauss in dem Interview klar. Deutschland wolle zwar ein offener Markt für Investoren aus China bleiben, doch immer mehr deutsche Unternehmen klagten über wachsenden chinesischen Protektionismus. Das sei nicht zu akzeptieren. Deutlicher kann ein Botschafter gegenüber seinem Gastland nicht werden.
Für die Diskriminierung deutscher Unternehmen in China gibt es einige Beispiele: Der Eisenbahnzulieferer Knorr Bremse etwa leidet unter unfairen Bieterverfahren bei der Ausschreibung von öffentlichen Infrastrukturprojekten. Und das Modeunternehmen Hugo Boss ist Opfer bei der Verletzung von Urheberrechten. Weitere Fälle sind in der aktuellen Titelgeschichte der WirtschaftsWoche nachzulesen.

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