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Das Beuteschema der FinanzinvestorenWer ist das nächste Übernahmeziel?

Besonders der deutsche Mittelstand dürfte im Visier von Firmenjägern bleiben. Wen Anleger auf dem Zettel haben sollten.Christof Schürmann 30.09.2019 - 11:43 Uhr

Alles, was zwischen rund 500 Millionen und 2,5 Milliarden Euro zu haben ist, nehmen einzelne der größeren Private-Equity-Gesellschaften gerne ins Visier.

Foto: imago images

Deutsche Unternehmen sind schon seit langem Ziel für die Branche der Finanzinvestoren (Private Equity). Insbesondere der Mittelstand ist beliebt. Nicht nur weil der oft innovativ in der Nische unterwegs ist, sondern weil er für Aufkäufer oft die richtige Dealgröße hat. Sprich: Er passt ins finanziell stemmbare Beuteschema von Finanzinvestoren.

Alles, was zwischen rund 500 Millionen und 2,5 Milliarden Euro zu haben ist, nehmen einzelne der größeren Private-Equity-Gesellschaften gerne ins Visier. Darüber hinaus schließen sich meist zwei bis drei Gesellschaften zusammen, um auch teurere Übernahmen stemmen zu können, so etwa beim ehemaligen MDax-Wert Stada, den Bain Capital und Cinven vergangenes Jahr gemeinsam von der Börse kauften.

Dax-Konzerne vollständig zu übernehmen, steht dagegen nicht auf der Agenda von Private Equity. Trotz der hohen Finanzkraft der Finanzinvestoren sind die Dax-Konzerne inklusive Schulden und Pensionsverpflichtungen schlicht zu schwer. „Großunternehmen werden überall börsennotiert blieben, um entsprechend Kapital aufzubringen“, sagt Jürgen Krieger, Spezialist für Börsengänge bei der Investmentbank Nomura. Es sei denn, strategische Käufer, sprich andere Unternehmen treten auf den Plan.

61 Kaufkandidaten

In einer aktuellen Studie hat die Hamburger M.M. Warburg Bank eine große Liste potenzieller börsennotierte Kandidaten für eine Übernahme aufgemacht.

Sie beginnt beim Mobilfunkprovider 1&1 Drillisch, an dem das MDax-Unternehmen United Internet bereits 75,1 Prozent der Anteile hält, und sie endet beim Bahntechnikunternehmen Vossloh, dass zu mehr als 50 Prozent dem Unternehmer Heinz-Hermann Thiele (Knorr-Bremse) gehört. Warburg kommt auf 61 Unternehmen, die für Finanzinvestoren oder eben Private Equity deswegen interessant sein könnte, weil sie günstig bewertet sind oder weil bei ihnen über Effizienzsteigerungen mehr an Gewinn und Mittelzuflüssen herauszuholen wäre oder weil sie schon einen Großaktionär haben.

Gut ein Fünftel davon hält die Hamburger Bank für besonders interessant. So sei etwa Allgeier unterbewertet. Die Münchner sind eine der führenden IT-Dienstleistungsgesellschaften in Deutschland. Zu billig halten die Analysten auch Aurubis. An der Kupferhütte hält der Stahlkonzern Salzgitter schon 30 Prozent.

Beim Immobilienentwickler Alstria Office liegt eine Spekulation aufgrund des gerade stark in Fahrt gekommenen Übernahmekarussells im Immobiliensektor nahe. Weitere Kandidaten, die Warburg oben auf der Übernahmeliste hat, sind Centrotec, Deutsche Euroshop, Edag, Energiekontor, Francotyp Postalia, GK Software, Godewind Immobilien, Jost Werke, Koenig & Bauer, United Internet und SAF Holland.

Zweistellige Gewinne

Eine Spekulation könnte zweistellige Gewinne bringen. Warburg hat bei seit  2017 laufenden 29 Angriffen auf hierzulande börsennotierte Firmen einen um durchschnittlich um 17 Prozent höheren Preis als erstes Angebot ermittelt. Allerdings bleibt das Timing wichtig, wie immer an der Börse. Zumal „Private Equity angesichts der sich deutlich abschwächenden Konjunktur und der Handelskonflikte vorsichtiger“ werde, so Jan Philipp Schmitz, Leiter Deutschland, Schweiz und Asien, bei Ardian 96 Milliarden Dollar in alternativen Assetklassen  wie Private Equity verwaltet.

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Deshalb  sollten Anleger insbesondere bei zyklischen, also stark an der Konjunktur hängenden Aktien eher vorsichtig sein. So rutschten SAF Holland gerade um ein Drittel, nachdem das Management des Achs- und Fahrwerksystemherstellers die Umsatz- und Gewinnprognose für dieses Jahr einkassierte. Da nützte auch ein Aufschlag von 17 Prozent wenig, wenn jetzt ein Übernehmer auf den Plan treten würde.

Mehr zum Thema: Reihenweise verschwinden Unternehmen von der Börse, dank billigen Notenbankgeldes kaufen sie oft intransparente Finanzinvestoren. Die Finanzmärkte verlieren zunehmend ihre Funktion als öffentliche Marktplätze. Lesen Sie hier über die gefährliche Entmachtung der Börse.

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