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Deutsches Finanz-Start-up Rätselhafte Spurensuche nach Savedroid

Savedroid-Gründer Yassin Hankir wollte mit seiner App das Sparen revolutionieren. Dann sammelte er über einen Token-Sale neues Geld ein. Quelle: Presse

Die Savedroid-Website ist offline, vom Gründer fehlt jede Spur. Angesichts der unklaren Situation macht es stutzig, dass das Start-up unter seiner im Handelsregister eingetragenen Firmenadresse nicht anzutreffen ist.

Aktualisierung: Dieser Artikel stammt vom Mittwoch, 18. April 2018. Seit Donnerstagmorgen ist die Savedroid-Website wieder online und Gründer Hankir hat sich mit einer Botschaft an die Öffentlichkeit gewandt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Nach dem Zusammenbruch der Internetseite des Finanz-Start-ups Savedroid und einer merkwürdigen Twitter-Nachricht mit einem Foto des Gründers Yassin Hankir wartet nun alles auf ein Lebenszeichen des Jungunternehmens.

Merkwürdig ist, dass angesichts der unklaren Situation Kontaktversuche zu dem ansonsten gut erreichbaren Team ins Leere laufen. Eigentlich ist Savedroid als eine schnelle Truppe bekannt. Hankir hat in der Vergangenheit als Unternehmensberater bei McKinsey gearbeitet und ist daher an ein hohes Arbeitstempo und gute Erreichbarkeit gewohnt.

An einen PR-Gag glaubte am Mittwoch zunächst der Finanzplatz Frankfurt, als sich der provokativ wirkende Hankir-Tweet und die Blockade der Savedroid-Website herumsprach. Allerdings ist bisher viel Zeit ohne ein klärendes Lebenszeichen verstrichen. Die schlimmste Befürchtung: Savedroid könnte sich aus dem Staub gemacht haben – womöglich mit Anlegergeld. Fest glauben will das allerdings niemand. Einer anderen Vermutung nach könnte das Unternehmen Opfer eines perfiden Cyberangriffs geworden sein. Umso verwirrender ist, dass bis zum Abend keine klärende Stellungnahme abgegeben wurde.

Im Handelsregister ist eine Firmenadresse in der Eschersheimer Landstraße in Frankfurt eingetragen, unter der heute Nachmittag jedoch niemand von Savedroid anzutreffen war.

Am Empfang informiert eine auf Savedroid angesprochene Pförtnerin, dass das Unternehmen schon seit Wochen ausgezogen sei und schiebt eine Notiz mit der angeblich neuen Adresse über den Tresen. Diese Adresse jedoch befindet sich in einem von der Deutschen Börse eingerichteten FinTech-Hub, wo Savedroid bereits seit Januar ausgezogen ist.

In diesem FinTech-Hub genannten Gebäude können Finanz-Start-ups wie Savedroid Büroräume nutzen, um ihr Geschäft zum Laufen zu bringen. Miete musste Savedroid dafür keine zahlen. Der 37-jährige Gründer Hankir ist bestens vernetzt in der Finanzszene und hat im Januar 1,5 Millionen Euro Wagniskapital von dem FinTech-Investor Alfred Schorno, Krypto-Unternehmer Dennis Weidner und weiteren Kapitalgebern für Savedroid erhalten.

Der Unternehmensname bedeutet so viel wie Sparroboter, wobei das Geschäftsmodell darin besteht, Nutzern beim Sparen zu helfen. Savedroid-Kunden gewähren dem Dienst Zugriff auf ihre Kontobewegungen und bekommen im Anschluss Hinweise etwa auf günstigere Handyverträge oder Stromanbieter.

Das allein ist noch nicht sonderlich spektakulär. Für Aufsehen sorgte Savedroid allerdings kürzlich mit der millionenschweren Ausgabe einer eigenen Digitalwährung, in die Anleger Geld investieren konnten. Vor solchen Initial Coin Offerings (ICO) genannten Emissionen warnt die Finanzaufsicht. Trotzdem griffen viele beherzt zu, auch weil Kryptowährungen sich damals gerade extremer Popularität erfreuten.

Gründer Hankir sagte damals ganz offen, dass er mit der Aktion die Bekanntheit seines Unternehmens steigern wolle. Womöglich besitzt er ein Faible für spektakuläre PR-Aktionen.

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