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Fondstochter der Sparkassen Der große Deka-Bluff

Die Fondstochter der Sparkassen soll Anlegern Profite an den Märkten ermöglichen. Das gelingt ihr aber kaum. Für die Kunden gibt es allzu oft Gebühren und Verluste statt Rendite.

Die Fondstochter der Sparkassen bietet Anlegern mehr Verluste als Rendite. Quelle: Hassân Al Mohtasib für WirtschaftsWoche

Es war das Jahr 2004, als es bei der Deka mal etwas zu feiern gab. Da gewann die Fondsgesellschaft der Sparkassen, die heute für rund vier Millionen Privatanleger um die 500 Fonds managt, immerhin einen zweiten Platz beim „1822 Frühjahrscup“. Und 1988, da gab es sogar einen Ehrenpokal beim Seminarkegeln. Das alles ist so genau zu erfahren, weil Besucher im ersten Stock der Frankfurter Deka-Zentrale auf diese herausragenden Erfolge der Unternehmensgeschichte gestoßen werden. In einer der drei Vitrinen stehen Auszeichnungen für herausragende Leistungen im Fondsgeschäft. Ein zweiter Glasschrank wurde mit einigen sportlichen Pokalen aufgefüllt. Was das Dilemma mit dem üppigen Trophäenplatz und der überschaubaren Zahl der Pokale aber nur bedingt löste: Eine dritte Vitrine ist trotz Hilfstrophäen aus der Sportwelt noch komplett leer.

Das könnte einfach peinlich sein, ginge es dabei nur um den Ehrgeiz einiger Fondsmanager. In Wirklichkeit aber unterstreichen die mäßig gefüllten Schränke den mangelnden Erfolg einer der größten deutschen Fondsgesellschaften.

Die zehn größten Fondsanbieter am deutschen Markt

Die meisten Deutschen vertrauen bei ihren Finanzangelegenheiten auf die Sparkassen. Gemessen an den Einlagen, haben sie bei Privatkunden einen Marktanteil von mehr als 35 Prozent. Als wichtigsten Baustein für die Altersvorsorge verkaufen die Berater in den 12.000 Filialen besonders gern die Produkte ihrer eigenen Fondsgesellschaft – der Deka. 222 Milliarden Euro verwaltet die aktuell für Privatleute, Großkunden sowie Sparkassen.

14 Milliarden Euro frisches Kundengeld

Und die Geschäfte entwickeln sich erfreulich, aus Sicht der Deka: Rund 14 Milliarden Euro Kundengelder kamen allein im vergangenen Jahr frisch dazu. Sparkassen-Kunden bekommen auf ihrem Sparbuch derzeit auch kaum Zinsen. Sie sollen deshalb zu Deka-Produkten greifen, um „an Marktentwicklungen partizipieren und angemessene Renditen für ihre Geldanlagen zu erzielen“, wie es etwa im Geschäftsbericht der Fondsgesellschaft heißt.

Leider aber klingt das schöner, als es in der Realität für viele Anleger ist. Sie partizipieren nicht an Marktentwicklungen, sondern hinken ihnen allzu oft hinterher – nicht selten verlieren sie sogar, während Gewinne realistisch wären. Nach einer Auswertung des Fondsdatenspezialisten Morningstar erhalten nur 35 Prozent der Deka-Fonds eine gute, sprich Vier-Sterne- oder sehr gute, sprich Fünf-Sterne-Beurteilung. Unter den 50 größten europäischen Fondsgesellschaften belegt das Haus damit nur Rang 45. Morningstar wertet für die Beurteilung die Fondsrenditen und Wertschwankungen der wichtigsten Fondsgruppen über einen Zeitraum von drei Jahren aus.

So schneiden zwei Fonds aus der Deka-Wertkonzept-Reihe ab. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Ein internes Papier zeigt zudem, dass nicht einmal die Hälfte aller mehr als eine Milliarde Euro schweren Fonds für Privat- und Großkunden zwischen Januar und Oktober 2015 ihr internes Renditeziel erreichten. Die Deka kommentiert dies nicht, bringt aber zum Ausdruck, dass dies auch an den Vorgaben institutioneller Anleger liegen könne. Von ihren großen Publikumsfonds hätten im vergangenen Jahr immerhin zwei Drittel das Renditeziel übertroffen.

Der Misserfolg der Deka für ihre Kunden hat System. Denn unter ihrem Dach sind zwei Institutionen angesiedelt: eine Fondsgesellschaft, die das Vermögen der Anleger verwaltet; und eine Bank. Über sie wickeln die Fonds gegen Gebühr vor allem Wertpapierkäufe und -verkäufe ab. Diese Geschäfte sollte eine Fondsgesellschaft eigentlich über den besten Dienstleister und nicht automatisch über die konzerneigene Bank machen. Doch die Deka-Fonds nutzen zum Teil auffallend häufig die Dienste der eigenen Bank. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche dürfte die aber teilweise doppelt so teuer sein wie einige Wettbewerber.

Die Deka-Fondsmanager agieren zudem bisweilen ziemlich erratisch. Aus internen Unterlagen geht hervor, dass einige Fonds ihre Papiere extrem häufig tauschten, dass sie auch zu Tiefstkursen verkauften.

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