Friedrich Merz: Mehr Blackrock wagen!

Wegen der Kritik an seiner Blackrock-Vergangenheit geht Friedrich Merz sehr vorsichtig damit um. Zu Unrecht.
Foto: APEin Missverständnis in Bezug auf Friedrich Merz ist, dass er als „Mann der Wirtschaft“ etwas für die Aktienkultur und die private Altersvorsorge in Deutschland tun könnte. Ausgeschlossen ist das nicht, aber es gibt nicht vieles, was darauf hindeutet.
Merz selbst, so viel ist bekannt, war mit Aktieninvestments durchaus erfolgreich. Er habe als früheres Verwaltungsratsmitglied des Schweizer Zugherstellers Stadler Rail seine Vergütung in ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm gesteckt, erzählte er kürzlich in einem Interview. Als das Unternehmen 2019 an die Börse ging, sei das „sehr schön“ gewesen.
Irgendwer schimpft immer
„Sehr schön“ wäre auch, würde der künftige Bundeskanzler aus seinem privaten Anlageerfolg ein paar Lehren für seine Politik ziehen. Dem CDU-Mann wird immer wieder seine frühere Tätigkeit beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock vorgeworfen. Warum es Unsinn ist, ihm daraus einen Strick zu drehen, habe ich schon einmal aufgeschrieben.
Die Frage nach Lobbytätigkeiten ist natürlich legitim. Die eigentliche Frage aber lautet: Wenn wir schon einen Bundeskanzler mit einem Draht zur Finanzindustrie bekommen, der, anders als Olaf „Sparbuch“ Scholz, sogar Aktien hält – warum merkt man davon in seiner Politik so gar nichts?
Vielleicht, weil Merz ein gebranntes Kind ist. Immer, wenn er über Geld spricht, wird irgendjemand wütend. Er hat ein Vermögen mit Aktien gemacht? Bonze! Er hat für Blackrock gearbeitet? Mietmaul! Er spricht auf dem CDU-Parteitag davon, einen Teil des Vermögens auf deutschen Spar- und Girokonten für die Infrastruktur in Deutschland „zu mobilisieren“, mit einem „vernünftigen Zinssatz“? Merz will an euer Erspartes!
Da hält sich Merz dann wohl doch lieber zurück. Beim Thema Migration wird es wenigstens nicht persönlich (außer vielleicht bei Treffen mit Markus Söder, für den Sauerländer in Bayern wahrscheinlich Problem-Migranten sind). Schade: Die besten Pläne für Anleger haben mit der FDP den Bundestag verlassen.
Ideen wie die Aktienrente kann Merz gern von den Liberalen übernehmen. Wenn er dafür dann auch wieder beschimpft wird, kann er den Zorn ja auf Christian Lindner lenken, der Anfeindungen einfach an sich abprallen lässt.
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