Invest 2018 Die Do-it-yourself-Strategie

Quelle: imago

Die Zeiten? Unruhig! Die Risiken? Groß! Unterstützung bei der Geldanlage ist da wichtig. Wirklich? Anleger in Eigenregie können durchaus Erfolg haben, wenn sie klassische Fehler vermeiden.

Stefanie Kühn kennt das von ihren Kunden: Der Wille ist da. Aber im Alltagsstress bleibt es zu oft bei guten Vorsätzen, die dann doch nicht umgesetzt werden.

Kühn arbeitet nicht im Fitnessstudio, sondern als Honorar-Finanzanlagenberaterin in Grafing bei München. Eigentlich ist sie überzeugt, dass Anleger ihr Geld selbst managen können. "Grundsätzlich ist Geldanlage kein Hexenwerk, auch wenn so mancher es einen glauben lassen möchte", sagt Kühn. Die Anlage in Eigenregie scheitere in der Praxis aber oft, wenn jegliche professionelle Unterstützung fehle. Ein unabhängiger Finanzberater, der frei von Verkaufsinteressen auf Honorarbasis berät, könne beim Start in die eigenständige Geldanlage helfen. Erfahrenere Kunden suchten zumindest einen Sparringspartner. Kühns Devise für die Do-it-yourself-Anlage ist simpel: "Machen Sie nur das, was Sie verstehen." Einfache Ansätze führten oft zu den gleichen Ergebnissen wie komplizierte Konstrukte.

Neben Beraterin Kühn diskutierten auf der Bühne der WirtschaftsWoche auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart noch Finanzexperte Dirk Schiereck von der Technischen Universität (TU) Darmstadt und Adrian Roestel, Leiter Portfoliomanagement beim Münchner Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen, über Vorteile und Risiken der Geldanlage auf eigene Faust.

Die Do-it-yourself-Geldanlage: WirtschaftsWoche-Redakteur Niklas Hoyer (r.) diskutiert auf der Invest 2018 die richtige Strategie mit Stefanie Kühn (Private Finanzplanung Kühn), Adrian Roestel (Huber, Reuss & Kollegen), und Dirk Schiereck (Technische Universität Darmstadt). Bild: Jürgen Altmann

Vermögensverwalter Roestel sieht den Menschen als größtes Risiko bei der selbstgesteuerten Geldanlage. "Anleger versuchen den richtigen Zeitpunkt für Ein- und Ausstieg zu finden", sagt Roestel. Ein Fehler: So verpassten sie oft schon einen Großteil eines Aufwärtstrends und könnten das später nicht mehr reinholen. Roestel versucht solches Market-Timing gar nicht erst und bleibt lieber langfristig investiert.

Aber auch Privatanleger können ihr Geld mit etwas Basiswissen durchaus erfolgreich anlegen - zumindest theoretisch. So zeigen zahlreiche Studien, dass es kaum einem Fondsmanager auf längere Sicht gelingt, seinen Vergleichsindex zu schlagen. Der Versuch, durch geschickte Auswahl einzelner Anlagen wie zum Beispiel Einzelaktien den Markt zu schlagen, er scheint zum Scheitern verurteilt zu sein.

Mit kostengünstigen Indexfonds (ETFs), deren Wertentwicklung sich direkt an den jeweiligen Index anlehnt, steht jedem das Handwerkszeug zur Verfügung, um daraus Konsequenzen zu ziehen.

So kosten ETFs auf den Aktienindex MSCI World, der die Entwicklung von gut 1600 Unternehmen aus 23 Industrieländern weltweit widerspiegelt, nur zwischen 0,1 und 0,5 Prozent Gebühr pro Jahr. Bei aktiv gemanagten Aktienfonds sind bis zu 2,0 Prozent durchaus normal. Auf längere Sicht macht das einen großen Unterschied: Werden 10.000 Euro über 30 Jahre statt zu 2,0 nur zu 0,5 Prozent Kosten pro Jahr angelegt, liegt das Guthaben bei angenommenen sechs Prozent Bruttorendite zum Schluss gut 50 Prozent höher.

Die wichtigsten Fondstypen im Überblick

Also für die langfristige Geldanlage einfach einen Indexfonds, etwa auf den MSCI World, kaufen und alles wird gut?

Vielleicht ist die Lösung tatsächlich so einfach. Denn das, was viele Privatanleger in der Praxis machen, bringt weniger Ertrag. Das jedenfalls zeigt eine Auswertung der Finanzwissenschaftler Andreas Hackethal und Steffen Meyer, die im Auftrag der Zeitschrift Finanztest fast 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum 2005 bis 2015 analysiert haben. Im Schnitt kamen die Kunden auf 3,1 Prozent Rendite pro Jahr, obwohl angesichts des Depotrisikos 8,7 Prozent realistisch gewesen wären.

Den größten Schaden richteten die Anleger damit an, dass sie zu stark auf ihr glückliches Händchen bei der Auswahl einzelner, vermeintlich aussichtsreicher Wertpapiere setzten. Stattdessen hätten sie besser breit streuen sollen, etwa auf den gesamten Markt. Allein dieser Fehler kostete sie 7,7 Prozentpunkte an Rendite. Die Wahl von Ein- und Ausstiegszeitpunkten, das bereits angesprochene Market-Timing, hatte in der Untersuchung keinen großen Effekt. Mit 0,2 Prozentpunkten brachte das Timing einen kleinen positiven Beitrag. Andere Auswertungen halten auch Market-Timing eher für schädlich - so wie Vermögensverwalter Roestel.

Zur Ehrenrettung der Privatanleger sei gesagt: Weitere 1,9 Prozentpunkte der Gesamtrendite konnten die Wissenschaftler nicht genauer erklären, vielleicht handelte es sich hierbei schlicht um Glück. Aktive Anleger, die häufig ihr Depot umbauen, schnitten in der Untersuchung besonders schlecht ab. "Die alte Börsenweisheit 'Hin und Her macht Taschen leer' stimmt eben tatsächlich", sagt Schiereck von der TU Darmstadt. Klar, das liegt auch an Handelskosten. Interessanterweise lag die Rendite dieser Trader aber sogar vor Abzug der Kosten unter der Rendite weniger aktiver Anleger.

Breit streuen, langfristig anlegen und dann an der gewählten Strategie festhalten. So einfach ist also das Erfolgsrezept der Geldanlage. Wer dabei noch auf niedrige Kosten achtet und etwa Indexfonds statt aktiv gemanagter Fonds wählt, hat gute Ausgangschancen. (Wie Sie den richtigen ETF finden, lesen Sie im großen WirtschaftsWoche-Bericht.)

Seit einigen Jahren stellt die WirtschaftsWoche ein so simples wie erfolgreiches Konzept vor, das genau diese Faktoren berücksichtigt. Mit einer Mischung verschiedener Anlageklassen, neben Aktien auch Anleihen, Gold und Bargeld, begrenzt es zusätzlich Verlustrisiken und schont so die Nerven.

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