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Konditionen-Vergleich Zunehmend digital: Die besten Girokonten

Ranking: Die besten Girokonten. Quelle: imago images

Das Girokonto wird immer digitaler – gezahlt wird mit dem Handy statt mit der Plastikkarte. Das spart Gebühren, denn Banken verabschieden sich zusehends vom Gratiskonto. Doch noch gibt es diese Angebote, wenn auch mit Einschränkungen. Die FMH Finanzberatung hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die besten Girokonten gekürt.

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Das kostenlose Girokonto war lange Zeit für viele Kunden eine Selbstverständlichkeit. Doch es wird immer mehr zum Auslaufmodell. Gerade erst informierte die Comdirect ihre Bestandskunden: Ab Mai müssen sie 4,90 Euro pro Monat zahlen, wenn sie nicht entweder einen monatlichen Geldeingang von 700 Euro vorweisen, drei mal mit Apple Pay oder Google Pay zahlen oder ein Wertpapiergeschäft ausführen. Zum Girokonto können sie außerdem zahlungspflichtige Zusatzleistungen hinzu buchen, die bisher teilweise kostenlos waren, beispielsweise eine Kreditkarte für 1,90 Euro pro Monat.

Mit dieser Preispolitik liegt Comdirect im Trend. Viele Geldhäuser haben in den vergangenen Jahren an den Kosten gedreht. Die Gebühren für Girokonten stiegen binnen Jahresfrist durchschnittlich um 6,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt im Oktober mitteilte. „Bedingungslos kostenlose Girokonten werden zukünftig nur noch in einer Nische, zeitlich begrenzt oder in Kombination mit der Preisgabe der Kundendaten existieren“, sagt Thomas Wollmann, Vorstand von Investors Marketing, einer Managementberatung für Finanzdienstleister.

Die Einführung von Kontogebühren bei der ING im vergangenen Mai sei der Dammbruch für die Reduzierung von kostenlosen Konten auch bei Direktbanken. Die Comdirect werde mit der Abschaffung der komplett kostenlosen Konten entsprechend nicht die letzte Direktbank sein, die Bedingungen und Gebühren einführt. „Der Anteil kostenloser Konten wird in den nächsten vier Jahren um ein Drittel zurückgehen, von heute 18 Prozent auf nur noch zwölf Prozent“, ist Wollmann überzeugt.

Kunden müssen sehr genau darauf achten, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen, damit ihr Konto gratis bleibt, wo Gebühren lauern und welche Leistungen plötzlich bepreist werden. Die FMH Finanzberatung hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Girokonten mit dem aktuell besten Preis-Leistungs-Verhältnis gekürt. Fünf bundesweite Banken bekommen die Note „sehr gut“ (siehe Tabelle auf Seite 2). Die HypoVereinsbank mit dem Pluskonto, die Meine Bank – Raiffeisenbank im Hochtaunus mit dem OnlineOnly Konto, die DKB Deutsche Kreditbank mit dem DKB-Cash für Aktiv- und Neukunden, die Deutsche Skatbank mit dem Trumpfkonto und die Comdirect. Die Kontoführung ist bei allen fünf Konten gratis, bei der HypoVereinsbank allerdings auf fünf Jahre beschränkt. Zudem gilt hier ein Gehaltseingang als Voraussetzung. Auch bei der Skatbank müssen monatlich 1000 Euro Gehalt eingehen. Bei der Comdirect gibt es die bereits genannten Voraussetzungen: 700 Euro Geldeingang oder drei Zahlungen via Apple beziehungsweise Google Pay oder eine Wertpapiertransaktion. Bei den regionalen Banken (siehe Tabelle auf Seite 3) gibt es für das Privatkonto der Volksbank Gera Jena Rudolstadt die Note „sehr gut“, es kostet allerdings fünf Euro pro Monat.

Größere Unterschiede gibt es beim Dispozins, der zwischen 2,66 Prozent bei der HypoVereinsbank und 7,25 Prozent bei der Raiffeisenbank liegt. Die Girocard gibt es physisch in der Regel umsonst. Ausnahme ist die Skatbank, die fünf Euro berechnet, aber eine digitale Variante kostenlos anbietet. Auch die Kreditkarten sind überwiegend gebührenfrei, zumindest digital. Für die physische Variante berechnet die Raiffeisenbank 25 Euro, ab einem Umsatz von 5000 Euro ist sie aber gebührenfrei. Die Comdirect ruft 22,80 Euro auf. Auch das ist ein Trend: „Es werden kostenfreie Kreditkarten als digitale Variante angeboten und bei der Plastikvariante ist mit einem Jahrespreis zu rechnen“, sagt Ania Scholz-Orfanidis von der FMH Finanzberatung.



Die Digitalisierung hat längst auch das Girokonto erreicht. Mit dem Eintritt von Google und Apple auf den Zahlungsverkehrsmarkt ist auch die öffentliche Wahrnehmung für Payment-Angebote deutlich gestiegen. Alle ausgezeichneten Banken bieten Mobile Payment für iOS an und alle außer der HypoVereinsbank auch für Androide. Diese Bezahlform werde immer wichtiger, betont die FMH-Expertin. Die hohe Nachfrage nach kontaktlosen Bezahlformaten in der Coronakrise hat diesen Effekt noch verstärkt. Der Zahlungsverkehr hat dadurch mehr Facetten neben dem etablierten Konto gewonnen, allerdings gilt eines weiterhin: „Das Girokonto ist der Anker der Kundenbeziehung“, betont Investors-Marketing-Vorstand Wollmann. „Unsere Privatgirostudie hat im letzten Jahr gezeigt, 70 Prozent der Deutschen definieren ihre Hausbank über das Gehaltskonto.“

Doch wie groß ist die Gefahr, die Kunden mit steigenden Gebühren zu verärgern oder vielleicht sogar zu verprellen? „Der Rückgang des kostenlosen Kontos ist eine Chance für Finanzdienstleister, sich mehr auf die Bedarfe der verschiedenen Zielgruppen einzustellen“, glaubt Wollmann. „Das eine Konto für alle gibt es nicht.“ Größter gemeinsamer Nenner sind immer noch Geldautomaten, für 80 Prozent der Kunden sei die Verfügbarkeit von Geldautomaten ein wichtiger Faktor bei der Wahl des Girokontos. Darunter würden sich jedoch sehr differenzierte Anspruchsgruppen ergeben.

So bevorzugen 30 Prozent der Privatkunden einen Preisvorteil, wenn sie alles online abwickeln. Dagegen ist es für 21 Prozent am wichtigsten, ohne Zusatzkosten Filialleistungen wie etwa papierhafte Überweisungen oder den Kontoauszugsdrucker nutzen zu können. Eine weitere Gruppe mit 20 Prozent bevorzugt einen Pauschalpreis, der alles abdeckt. Auch das hat die IM Privatgirostudie 2020 gezeigt. Solch differenziertes Kundenwissen ist erfolgsentscheidend, um als Anbieter für Neukunden attraktiv zu sein.

Für Bestandskunden seien diese Einzelleistungen ebenfalls von Bedeutung, Zufriedenheit sei hier jedoch eng verknüpft mit dem Gesamterlebnis des Kunden mit der Bank. Jeder Kontaktpunkt, ob am Telefon in der Filiale oder bei einem Online-Serviceauftrag muss hier kundenzentriert gestaltet sein. Das geht weit über reine Giroleistungen hinaus. „Nur wenn es Banken gelingt, ihren Kunden dauerhaft ein positives Gesamterlebnis im Zahlungsverkehr zu bieten, ist auch die Bereitschaft vorhanden, dafür mehr zu zahlen“, ist Wolmann überzeugt.

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Gebühren sind wichtige Einnahmequelle für Banken

Wer nicht mehr zufrieden ist, der kann heute sehr viel einfacher und vor allem schneller mit seinem Konto umziehen als früher. Mittlerweile ist bei vielen Banken der Kontowechsel digitalisiert. Außerdem sind die Banken seit 2016 verpflichtet, den vollständigen Kontowechsel innerhalb von zwölf Tagen zu vollziehen. Und seit 2018 müssen Banken ihre Kunden einmal im Jahr kostenlos darüber informieren, was sie ihnen an Gebühren für Überweisungen, Dispokredit oder Kreditkarten in Rechnung gestellt haben. Das ist erst recht für Verbraucher interessant, deren Konto schon jetzt etwas kostet, aber womöglich noch teurer werden. Denn genau damit rechnet FMH-Expertin Scholz-Orfanidis. „Die Banken müssen auch weiterhin Geld verdienen“, sagt sie. Denn durch höhere Entgelte reagieren die Finanzhäuser unter anderem auf die Negativzinsen in der Euro-Zone, die sie zusehends spüren – auch wenn sie teilweise den Strafzins der Europäischen Zentralbank (EZB) an ihre vermögenden Kunden weitergeben.

Die Tabellen mit den Konditionen und der Bewertung der untersuchten Girokonten finden Sie auf Seite 2 und 3.

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