1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Börse
  4. Dax-Kurs aktuell: Donald Trumps Zoll-Keule 2.0 beendet Dax-Rally

BörseTrumps Zoll-Keule 2.0 beendet die Dax-Rally

US-Präsident Donald Trump will europäische Waren mit 50 Prozent Zoll belegen. Die Finanzmärkte reagieren prompt. Dabei sollten Anleger nicht überrascht sein.Philipp Frohn 23.05.2025 - 18:12 Uhr
Trump schadet nicht nur Europa Foto: IMAGO/MediaPunch

Donald Trump schickt Europa mit einer schlechten Nachricht ins Wochenende. Schon ab dem 1. Juni stellt er Strafzölle für Produkte aus der Europäischen Union in Höhe von 50 Prozent in Aussicht. Das teilte er am Freitag auf seiner Internetplattform „Truth Social“ mit.

Aus Sicht von Trump seien die Zollgespräche mit der EU, „die in erster Linie zu dem Zweck gegründet wurde, die Vereinigten Staaten im Bereich des Handels zu übervorteilen“, bislang nicht erfolgreich gewesen. „Unsere Gespräche mit ihnen führen zu nichts!“, poltert der US-Präsident in den sozialen Medien.

„Dies ist eine erhebliche Eskalation der Handelsspannungen“, sagte Chefvolkswirt Holger Schmieding von der Berenberg Bank. „Die EU müsste reagieren, und das würde der US-Wirtschaft und der europäischen Wirtschaft deutlich schaden.“ Laut der Nachrichtenagentur Reuters lehnte die EU-Kommission eine Stellungnahme ab und wollte erst ein Telefonat zwischen EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und US-Vertretern abwarten.

Die Börse reagierte prompt auf die Nachricht. Sie war laut Andreas Lipkow, Marktexperte der Comdirect, eine „eiskalte Dusche“ für Anleger. Nach einem ziemlich ereignislosen Vormittagshandel dreht der Dax schnell und deutlich ins Minus. Innerhalb weniger Minuten fiel der deutsche Leitindex auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen. Zum Handelsschluss hin erholte sich der Börsenbarometer ein Stück weit, sodass letztlich ein Minus von 1,54 Prozent auf 23.629,58 Punkte zu Buche stand.

Dax dreht deutlich ins Minus

Damit hat der Dax seine Rekordjagd jäh beendet. Nachdem er in Folge von Trumps Zollandrohungen im April noch aufs Niveau von rund 19.670 Punkten gefallen war, hatte er sich in den letzten Wochen spürbar erholt und erst am Mittwoch bei 24.152 Punkten ein neues Rekordhoch aufgestellt. Schon am Montag hatte der Leitindex die psychologisch wichtige Marke von 24.000 Zählern überschritten.

Vor allem Banken-, Auto- und Technologiewerte gerieten nach der Trump-Drohung unter Verkaufsdruck. So waren die Aktien der Deutschen Bank mit einem Verlust von über 5 Prozent (inkl. Dividendenabschlag) ganz unten im Dax zu finden.

Trumps neue Zollandrohungen lassen auch US-Indizes mit Verlusten in den letzten Handelstag der Woche starten. Der Dow Jones und der S&P 500 verloren zum Handelsstart etwa ein Prozent, der Techindex Nasdaq 1,5 Prozent.

Der Tech-Konzern Apple verzeichnete zeitweise ein Minus von über 4 Prozent. Im gleichen Atemzug mit den neuen EU-Zöllen verkündete Trump nämlich, dass Apple künftig 25 Prozent Zoll zahlen müsse, wenn iPhones, die in den USA verkauft werden, nicht auch dort produziert werden. Schon in den vergangenen Tagen gaben US-Aktien wegen neuer Spannungen im Schuldenstreit ab.

Die neue Zoll-Androhung von 50 Prozent ist eine neue Eskalationsstufe. Ursprünglich hatte Trump angekündigt, Produkte aus Europa mit 20 Prozent belegen zu wollen. Dies hatte er kurz darauf kassiert und ein 90-tägiges Moratorium ausgesprochen, um einen Deal auszuhandeln. Eigentlich endet dieses erst am 9. Juli.

Ein Damoklesschwert über den Märkten

Ob alles nun so kommt, wie angedroht, ist offen. „Trump ist sehr unberechenbar“, urteilt Berenberg-Experte Schmieding. Es ist also möglich, dass die jüngsten Drohungen nur ein erneutes Muskelspiel Trumps sind, um den Druck auf die EU zu erhöhen – und Unternehmen zu animieren, ihre Produktion in die USA zu verlagern. Es werde nämlich keine Zölle geben, wenn das Produkt dort hergestellt wurde.

Auch Laura Cooper von der Investmentgesellschaft Nuveen glaubt nicht, dass die 50 Prozent am Ende Bestand haben werden: „Die Eskalation der Zoll-Rhetorik gegenüber der EU erinnert stark an das Vorgehen der USA gegenüber China – eine taktische Maßnahme im Rahmen der Verhandlungen, die letztlich in einem milderen Ergebnis münden dürfte.“ Es sei unwahrscheinlich, dass Europa letztlich höhere Handelszölle erhalte als China. Daher könnten sich „erste überzogene Marktreaktionen“ wieder abschwächen.

Für Anleger bleibt am Ende vor allem die Lehre: Unter Trump ist an den Märkten nur die Unsicherheit sicher. In den letzten Wochen hatten viele Investoren die versöhnlichen Töne im Zollstreit offenbar zu optimistisch interpretiert. Doch: „Das rettende Ufer wurde noch nicht erreicht“, resümiert Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Das bedeutet: Zwischen den USA und Europa – oder auch anderen Ländern – gibt es noch keine finale Einigung. Damit schwebten die handelspolitischen Spannungen die ganze Zeit wie ein Damoklesschwert über den Märkten.

Ohnehin war der Dax durch die jüngste Rally wieder heißgelaufen. Der Dax notierte auf dem Niveau von 24.000 Punkten gut 18 Prozent über dem gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Handelstage. Dadurch war das Risiko einer Korrektur bereits gestiegen.

Nun zeigt sich erneut: Auch der Dax bleibt vorerst ein Spielball von Trump.

Mit Material von dpa

Geldanlage

Zehn Rüstungsaktien und ETFs mit Potenzial

von Marlon Bonazzi, Julia Leonhardt und Heike Schwerdtfeger
Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick