Mittelstandsfinanzierung Crowdinvesting erreicht deutsche Profi-Anleger

Falkensteiner Schlosshotel Velden Quelle: imago

Crowdfinanzierung wächst und wird zur Investitionschance für institutionelle Anleger wie Banken und Versicherungen. Bei ihnen sammelt die Plattform Finnest nun 15 Millionen Euro für eine Hotelgruppe ein - neuer Rekord.

Crowdinvesting gab es bislang primär für Privatanleger. Vor allem Immobilieninvestments sind bei den Schwarmfinanzierungen beliebt und trieben deren Wachstumsraten in den vergangenen Jahren in den dreistelligen Prozentbereich. Für Start-ups und Immobilienprojekte ist Crowdinvesting ein günstiger Weg, um sich Kapital zu verschaffen, während Bankkredite oft mit viel höheren Kosten verbunden sind. Zudem investiert oftmals die eigene Kundschaft, was zusätzlich die Kundenbindung erhöht.

Institutionelle Anleger wie Banken, Sparkassen oder Versicherungen blieben diesem Investorenkreis bislang meist fern, weil ihnen die investierbaren Summen zu gering und die Unternehmen und Projekte zu riskant sind.

Die Folge: Etablierten Mittelständlern sind die Finanzierungsvolumina der Crowdinvesting-Angebote zu klein, die Anleihen und Schuldscheindarlehen der Großbanken aber zu teuer. "Wir beobachten einen Finanzierungsrückstau im Mittelstand. Viele klein- und mittelständische Unternehmen suchen nach alternativen Finanzierungen, schaffen die Hürden für den Kapitalmarkt mit Mindestanleihevolumen von hundert Millionen Euro aber nicht", sagt Günther Lindenlaub, Geschäftsführer beim österreichischen Crowdfinanzierer Finnest.

Sein Unternehmen hat daher gerade eine 15-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde für die Hotelgruppe Falkensteiner auf seiner B2B-Crowdplattform gestartet. Investieren dürfen aber nur institutionelle Investoren, die Mindestanlagesumme liegt bei einer halben Million Euro. "Wir erschließen uns so auf innovative Weise eine neue, zusätzliche Liquiditätsquelle und damit Zugang zu interessierten Investoren im deutschsprachigen Raum", begründet Otmar Michaeler, Vorstandschef von Falkensteiner Hotels & Residences den Schritt. Mit dem Geld will das Unternehmen in Österreich und Südeuropa weiter wachsen sowie mit Hotels in Süddeutschland und an Deutschland Küsten expandieren.

Üblicherweise würde das Wachstum über Bankkredite finanziert. "Wir nehmen den Unternehmen so das Abklappern der Banken ab. 40 Institutionelle Investoren haben sich bereits auf unserer Plattform registriert und täglich kommen neue dazu", so Lindenlaub weiter. Er hofft, dass sich bis zum Sommer rund 100 institutionelle Anleger auf der Plattform tummeln.

In einem Auktionsverfahren muss jeder Profi-Investor nun sagen, welche Summe er investieren möchte und welchen Zinssatz er für sein Investment verlangt. Der niedrigste Zins, zu dem das Darlehen über 15 Millionen Euro zustande kommt, gilt dann für Investoren, die den Zuschlag erhalten – auch wenn sie nach weniger Rendite verlangt haben. Für die Falkensteiner-Hotels hat das den Vorteil, dass sich die Investoren beim Zins tendenziell unterbieten, um in den Investorenkreis aufgenommen zu werden. Welchen Zins die anderen Bieter verlangen, sehen die Investoren jedoch nicht. Letzten Endes entscheidet Falkensteiner, welche Finanzierungsofferten es annimmt.

Es gilt als wahrscheinlich, dass die 15-Millionen-Finanzierung zustande kommt, obwohl es das bislang bei weitem größte Volumen für eine Unternehmensfinanzierung via Crowdplattform in Deutschland ist. Macht das Beispiel Schule, könnte sich für Mittelständler auf Wachstumskurs eine ganz neue Finanzierungsquelle erschließen.

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