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Nischen-Fonds Rendite dank Handelskrieg und E-Sports

E-Sports: Auf dem Weg zum Milliardenmarkt Quelle: AP

Indexfondsanbieter werden immer fantasievoller, neue Investmentansätze muten wie ein Kuriositätenkabinett an. Können Anleger mit ihnen an Handelskonflikten, Aktienrückkäufen oder auch E-Sports mitverdienen?

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Ob es sich bei diesen Finanzprodukten nur um Marketing-Gags der Fondsgesellschaften, „hübsche“ Ergänzungen der jeweiligen Angebotspalette oder um ernsthafte Investmentvorschläge handelt, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Jedenfalls wird der Trend hin zu immer vielfältigeren Ansätzen durch die Möglichkeiten der Indexanbieter befeuert, sogar noch die abwegigsten Ideen in einem sogenannten Korb (Basket) zusammenfassen – manchmal sogar individuell auf Anfrage.

Der beispiellose Siegeszug der passiv gemanagten ETFs verglichen zu den aktiv gemanagten Investmentfonds, der seit rund 25 Jahren ungebrochen ist, tut ein Übriges. Der nach wie vor rasant wachsende Markt veranlasst die Anbieter, immer wieder neue Finanzprodukte mit vermeintlich innovativen Ansätzen an die Börse zu bringen. Die Frage ist nur: Bieten die „besonderen“ ETFs ihren Anlegern auch echte Chancen?

Selbst John Bogle war skeptisch. Ausgerechnet der im Januar dieses Jahres verstorbene Gründer des Fondsanbieters Vanguard und Erfinder der börsennotierten Fonds (ETF) hat sich in den vergangenen Jahren kritisch zur überbordenden Fantasie so manch eines Anbieters von Indexfonds geäußert. Auf diese Weise würden „Index-Finanzprodukte ins aktive Management“ verlagert, wodurch auch höhere Transaktionskosten und Timing-Probleme entstünden. Nur wenige Monate vor seinem Ableben soll Bogle gemutmaßt haben: „Ich kann nicht glauben, dass das eine solide langfristige Strategie darstellt. Viele dieser Nischen-Player werden wieder vom Markt verschwinden.“

Nischenfonds mit Potenzial

Fokus auf Vorreiterrolle oder Handelskrieg

Doch der Trend zu immer neuen Fondsthemen hält an. Zumindest im Hinblick auf Solidität wie auch auf Langlebigkeit hätte sich John Bogle etwa beim ETF Vaneck Vectors Morningstar US Wide Moat wohl geirrt. Denn das Finanzprodukt, das bereits seit dem Oktober 2015 erhältlich ist, zeigt eine für Anleger sehr erfreuliche, jährliche Performance von rund 14 Prozent Plus (auf Sicht von drei Jahren). Geschafft hat das der Fonds mit einem sehr speziellen Ansatz: Ins Portfolio kommen nur US-Unternehmen, die nach Analysteneinschätzungen einen langfristigen Vorteil gegenüber ihrer Konkurrenz haben. Ihre Marktposition ist also wie bei einer Burg durch einen Graben (engl. moat) geschützt. Zum Portfolio gehören zum Beispiel Internetschwergewichte wie Amazon oder Facebook.

Anfang Juni kam in den USA mit dem „Innovation Alpha War ETF“ ein börsengehandelter Indexfonds auf den Markt, mit dem Anleger von Handelskonflikten profitieren sollen. Der zugrunde liegende Index setzt sich aus Aktien von Gesellschaften mit mittlerer bis hoher Marktkapitalisierung zusammen, die durch ihre Beziehungen zu staatlichen Institutionen in Kombination mit ihrer Innovationskraft über einen Wettbewerbsvorteil bei Handelsstreitigkeiten verfügen. Aktuell befinden sich in dem ETF unter anderem Unternehmen wie IBM, General Electric, Xerox oder Cisco Systems.

Das neue Produkt ist im Vergleich zu anderen Indexfonds nicht gerade günstig: Der Investmentansatz ist mit einer Verwaltungsgebühr von 0,81 Prozent viermal so teuer wie beispielsweise ein gängiger ETF von iShares. Hinzu kommt, dass deutsche Anleger den Indexfonds wohl an einer US-Börse kaufen müssten, was – abhängig vom Anbieter – höhere Transaktionsgebühren nach sich zieht.

Auf dem Weg zum Milliardenmarkt E-Sports

Der E-Sports-Indexfonds Vaneck Vectors Video Gaming and eSports ist erst seit dem Ende Juni 2019 auf dem Markt. Nach Edward Lopez, Leiter der ETF-Produkte bei VanEck, umfasst der Fonds zwei Bereiche: die spezifische E-Sports-Branche sowie die breiter aufgestellte Videospiele-Industrie. Zu den Gesellschaften in dem Indexfonds gehören Hardware-Hersteller wie Nvidia oder AMD, Internetfirmen wie Sea sowie Vertreter der Videospiele-Industrie wie Electronic Arts, Tencent und Activision Blizzard.

Obwohl sich der Fonds erst noch behaupten muss, bietet er Anlegern Zugang zu einem rasant wachsenden Markt: Weltweit betrug der Umsatz im Markt für E-Sports im vergangenen Jahr 865 Millionen US-Dollar. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr, in dem die Umsatzerlöse bei 655 Millionen US-Dollar lagen, einem Anstieg um 32 Prozent. Im Jahr 2019 sollen die Umsätze dann erstmals auf über eine Milliarde Dollar steigen. Für das Jahr 2022 wird ein Gesamtumsatz von 1,79 Milliarden Dollar prognostiziert.

Aktienrückkaufquote als Qualitätskriterium

Deutlich länger, nämlich seit Oktober 2014, ist der ETF Invesco Global Buyback Achievers erhältlich. Die Idee: Aktien von Unternehmen, die in großem Umfang eigene Aktien zurückkaufen. Im entsprechenden Invesco-Index tummeln sich somti Anteilscheine von Unternehmen wie Cisco, Apple oder Infosys, die während der vergangenen zwölf Monate die Anzahl ihrer umlaufenden Aktien durch Rückkäufe netto um fünf oder mehr Prozent gesenkt haben. Aktienrückkäufe gelten gemeinhin als probates Mittel, den Aktienkurs zu stützen oder zu erhöhen, solange nicht die Investitionen der Unternehmen darunter leiden. Invesco bewertet daher Aktienrückkäufe als Indiz für die Qualität eines Unternehmens - ein Ansatz, der offenbar seine Anleger gefunden hat und möglicherweise auch noch weitere finden wird.

Gleichberechtigung als Gewinnidee oder für Überzeugungstäter?

Das Thema ist seit Jahren allgegenwärtig: Noch immer ist die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Berufswelt nicht vollständig umgesetzt. Aber eignet sich der Anpassungsprozess als Investmentansatz? Die französische Fondsgesellschaft Lyxor glaubt das jedenfalls, der Lyxor Global Gender Equality (DR) setzt seit November 2017 auf gleiche Bezahlung, Ausgewogenheit bei der Besetzung von Führungspositionen und auf weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Gleichstellung.

Auch wenn das Finanzprodukt eine Performance von 18,23 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten hingelegt hat, stellt sich die Frage, inwiefern sich generell eine positive Einstellung zur Gleichberechtigung auf den Unternehmenserfolg auswirken kann. Daher dürfte sich dieser ETF eher an Anleger wenden, die vom Thema überzeugt sind und nicht in erster Linie die Rendite fokussieren.#

Fazit: Die Nischen-Fonds bieten durchaus vielversprechende Ideen, sind allerdings nicht als Basisbaustein für eine langfristige Anlagestrategie geeignet. Aber Anleger, die überzeugt sind, dass ich der eine oder andere der vorgestellten Investmentansätze durchsetzen wird, können mithilfe der Fonds als Beimischung im Anlageportfolio sehr gezielt und bequem auf Trendthemen setzen und so vielleicht den einen oder anderen Extra-Prozentpunkt Rendite einfahren. Die regelmäßige Beobachtung der Investments ist aber dringend zu empfehlen.

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