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Rare Banknoten Papiergeld für Privatsammler

Josef Gerber besitzt die größte Papiergeld-Sammlung der Welt. Wie der Speditionsunternehmer zu so viel Geld kam, welche Raritäten er besitzt – und was Banknoten wertvoll macht.

Josef Gerber Quelle: Falk Heller für WirtschaftsWoche

Am Münchner Flughafen fühlt sich Josef Gerber wohl, zirkuliert hier doch viel Geld aus fremden Ländern. Aber auch der Euro ist einen Blick wert. Die Kellnerin in der Gaststätte Airbräu gibt ihm als Wechselgeld einen 20-Euro-Schein und Kleingeld zurück. Die Münzen wandern in die Hosentasche – mit Hartgeld konnte er noch nie etwas anfangen. Gerbers Aufmerksamkeit gilt der Registriernummer des Scheins. „Nichts Besonderes“, brummelt er, während er ihn ins Portemonnaie steckt. Diese 20 Euro wird er nicht aus dem Verkehr ziehen.

Der Scheinreiche

Andere Scheine aber verbannt der 62-Jährige nur allzu gern in Alben. Er besitzt die weltgrößte Sammlung von Banknoten, „insgesamt eine hohe sechsstellige Zahl“. Im Tresor seiner Bank liegen Scheine von Großmächten und Kleinstaaten, Fehldrucke, Not- und Falschgeld.

Selten schöne Scheine
Die 100-Billionen-Dollar-Note aus Simbabwe ist der Geldschein mit dem höchsten Nennwert, der aktuell gültig ist. Einheimische verwenden lieber US-Dollar, als die Hyperinflationswährung ihres Landes. Bei Ebay wird ein solcher Schein verramscht. Josef Gerber hat dafür gerade einmal 30 Euro-Cent gezahlt.
Die Scheine aus Madagaskar sind nach Meinung des Experten Gerber mit die schönsten der Welt. Sie zeigen die Tier- und Pflanzenwelt des Inselstaates. Gerber: „Geldscheine sind die Visitenkarten der Länder.“ Das macht dieser Schein besonders deutlich.
Der amerikanische Pop-Art-Künstler James Rizzi gestaltete diesen 10-Euro-Gedenkschein, die bisher einzige Euro-Gedenknote. 409 Stück gibt es von dem Kunstwerk. Nach dem Rizzi kürzlich verstorben ist, blättern Sammler heute dafür 1800 Euro hin.
Scheine aus dem Irak (Dinar) brachten dem Geldscheinsammler Josef Gerber den Titel vereidigter Gutachter für Weltbanknoten ein. In einem Gerichtsverfahren half er dem Richter bei der Beurteilung der Scheine, auf denen noch der frühere Diktator Saddam Hussein abgebildet war. Der Richter bedankte sich mit der Vereidigung.
Alte Münzen und Banknoten aus der DDR Quelle: AP
Auf dem 1000 Ariary-Schein der ehemaligen französischen Kolonie Madagaskar, der nicht mehr gültig ist, ist der im Land bekannte Flötenspieler Rakota Frah abgebildet. Geldsammler Gerber hatte das Land seinerzeit bei der Gestaltung einer neuen Währung beraten. Sein vier Jahre jüngerer Bruder Franz Gerber war dort auch einst Fußball-Nationaltrainer.
Der Zwanzig-Mark-Schein der DDR ist die einzige deutsche Gedenknote und war nie gültiges Zahlungsmittel. Damit habe jemand kurz vor Schluss noch einmal richtig Geld verdient, berichtet Gerber. Der Schein kam am 22. Dezember 1989 auf den Sammlermarkt. Heute ist er etwa 400 Euro wert.

Zu sammeln gibt es noch genug. Rund drei Millionen verschiedene Geldscheine gibt es auf dem Globus, darunter 961 verschiedene Euro-Noten. Verglichen mit der Numismatik (Münzen) und der Philatelie (Briefmarken) ist die Notaphilie (Banknoten) ein eher wenig verbreitetes, aber dafür um so teureres Sammelgebiet.

Nicht nur sammeln, auch verkaufen

Der ehemalige Spediteur aus dem bayrischen Eching hat vor fast 40 Jahren die Faszination von Banknoten entdeckt. „Geldscheine zeigen das Kulturgut und die Geschichte der jeweiligen Länder, aus denen sie stammen.“ Sie erzählen aber auch Währungsgeschichte. So betrachtet Gerber die Euro-Krise aus einem ganz besonderen Blickwinkel: Dass Deutschland zur D-Mark und Griechenland zur Drachme zurückkehre, hält er für unwahrscheinlich – allein aus ganz pragmatischen Gründen: „Denn schon die Euro-Einführung dauerte Jahre.“

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