Schwellenländer "Brasilien zu meiden wäre ein großer Fehler“

Anleger in Schwellenländern sollten keine Angst vor der US-Notenbank haben. Weiter an Brasilien glauben. Und billiges Öl als Segen sehen. Warum, erklärt Schwellenländer-Guru Mark Mobius im Interview.

Portrait Mark Mobius Quelle: PR

Herr Mobius, 2015 war ein erschütterndes Jahr für jeden Schwellenländer-Anleger. Besonders enttäuschend entwickelte sich Brasilien: Der Leitindex Bovespa verlor seit Jahresanfang 36 Prozent an Wert. Haben Sie die Hoffnung dort aufgegeben?

Mobius: Nein, das wäre fatal. Meine Anlageerfahrung in den Schwellenländern hat mich gelehrt, immer hoffnungsvoll zu bleiben. Und die beste Zeit zu investieren ist, wenn die Märkte am Boden liegen.

Zur Person

Die ökonomische Realität verspricht aber keine schnelle Erholung, Brasiliens Bruttoinlandsprodukt schrumpft in diesem Jahr voraussichtlich um drei Prozent.

Natürlich dürfen Sie nicht naiv optimistisch investieren. In der letzten Zeit ging es in Brasilien nur abwärts. Aber ich gehe davon aus, dass die gravierenden Korruptionsfälle in diesem Jahr...

... wie beim größten Staatskonzern Petrobras, in den auch hochrangige Politiker verstrickt sein sollen...

... im nächsten Jahr für höhere Transparenz in den Unternehmen sorgen wird. Die Politik dürfte bemerkt haben, dass sie nicht mehr unbeobachtet zu ihrem eigenen Vorteil agieren kann. Und was die Aktienkurse angeht: Ich glaube nicht, dass sie noch viel tiefer fallen werden.

Also wetten Sie auf einen Anstieg in Brasilien im nächsten Jahr?
Oh ja. Davon können sie ausgehen. Die Erholungsrally könnte aber auch erst 2017 starten - wir sind geduldig.

Was stimmt Sie so optimistisch? Andere Fondsmanager meiden Brasilien bereits.

Jetzt Brasilien ganz zu meiden wäre ein fataler Fehler. Wir dürfen die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Rio nicht vergessen. Ich denke, dass sie einen größeren Schub geben werden, als viele vermuten.

Die Erwartung ist aber gleich Null. Denn auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 hat Brasilien kaum Wachstum beschert, das Bruttoinlandsprodukt stieg im Jahr der WM nur um 0,2 Prozent.

Ich glaube daran, dass der Konsumsektor in Brasilien deutlich von den Olympischen Spielen profitieren wird. Dieses Szenario decken wir in unseren Schwellenländer-Fonds derzeit etwa mit der Kaufhauskette Lojas Americanas ab.

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