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Sharan statt Ferrari Was das Auto über Fondsmanager aussagt

Familienauto oder Ferrari: Anlagestil und -erfolg von Fondsmanagern lässt sich laut Forschern an dessen Fahrzeug erkennen. Quelle: Getty Images

Investoren können sich lange Datenreihen und Anlageprospekte vor dem Fondskauf sparen. Das haben Forscher herausgefunden. Bereits ein kritischer Blick auf das Auto eines Fondsmanagers verrät alles.

Sie suchen gerade einen passenden Fondsmanager und kennen sich mit Aktienkurven und Perfomancedaten schlecht aus? Dann schauen Sie sich das Auto des Fondsmanagers an, der ihr Geld verwalten soll. Denn das verrät Ihnen, wie viel Rendite sie erwarten können. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie eines internationalen Forscherteams, das im Journal of Finance veröffentlicht wurde.

Je schneller der Fondsmanager auf den Straßen unterwegs ist, desto eher sind sie ihr Geld los, haben die Forscher herausgefunden. Denn die Besitzer PS-starker Sportwagen neigen dazu, riskant anzulegen und erwirtschaften zudem weniger Rendite als ihre Kollegen mit eher langweiligen Autos.

Dazu hat ein Forscherteam aus New York, Florida und Singapur 1774 Wagen von 1144 US-Hedgefondsmanagern untersucht. Als Grundlage dienten die Anlageergebnisse der Fondsmanager in den Berichten von Lipper Tass, Morningstar, Hedge Fund Research und Barclay Hedge Data Set aus den Jahren 1990 bis 2015. Diese verknüpften sie mit den Kennzahlen der Wagen.

Im datenschutzbesessenen Deutschland ist das schwer vorstellbar, aber diese Daten gibt es in den USA tatsächlich – und wer welches Auto gekauft hat, ist sogar öffentlich abrufbar. Dabei unterschieden die Wissenschaftler zwischen drei Kategorien: zweitürige Sportwagen mit einer hohen PS-Zahl und maximaler Umdrehung wie etwa der Aston Martin DBS, Minivans wie zum Beispiel das Modell Toyota Sienna und andere „neutrale“ Autos.

Für die Fondsmanager mit einer Vorliebe für PS, Motorstärke und Eleganz ist das Ergebnis vernichtend: Besitzer leistungsstarker Sportwagen schwächeln nicht nur bei der Performance. Sie brechen auch eher die Regeln und handeln gegen das Interesse der Kunden.

In Zahlen: Manager mit herkömmlichen Autos erwirtschaften durchschnittlich 2,93 Prozent jährliche Rendite, während die Fahrer von Minivans, die als besonders risikoscheu eingestuft werden, 3,22 Prozent Rendite pro Jahr einfahren. Sportwagenbesitzer hingegen schneiden im Vergleich dazu 0,29 und 0,39 Prozentpunkte schlechter ab. Außerdem sind ihre Produkte im Durchschnitt 17 Prozent volatiler, schwanken also heftiger.

Grund für die schlechtere Performance ist vor allem eine Charaktereigenschaft, meinen die Forscher Stephen Brown, Yan Lu, Sugata Ray and Melvyn Teo. Sie bezeichnen es als „Sensation Seeking“, was sich am besten mit “Süchtig nach Erfahrungen” übersetzen lässt.

Diese „Erfahrungssüchtigen“ drängen ihrer Definition nach immer wieder nach neuen, intensiven Sinneseindrücken. Aus der Hirnforschung ist bekannt, dass ein erfolgreicher Börsenhandel im menschlichen Gehirn dem selben Effekt hat wie die Einnahme von Kokain, was riskantes Verhalten auch noch belohnt und damit den Suchteffekt verstärkt.

Erfahrungssüchtige Fondsmanager nehmen demnach physische, soziale und rechtliche Risiken in Kauf, nur um den Kick zu spüren. Kurz: Sie sind Adrenalinjunkies.

Außerdem tendieren sie dazu, sich zu überschätzen. Die Konsequenz: Ihre Fondsauswahl bekommt lotteriehafte Züge, schreiben die Forscher. Das macht sie aber auch zum perfekten Studienobjekt. Bei ihrer Arbeit tanzen sie täglich einen Risiko-Regulierungs-Limbo. Ihre Handelsentscheidungen unterliegen unweigerlich ihrer Persönlichkeit, was am Ende auch noch in Performance und Handelsaktivitäten messbar ist.

Trotz aller schlechten Eigenschaften, haben “erfahrungssüchtige” Fondsmanager einen Vorteil: Anleger mit einem ähnlichen Risikoverhalten vertrauen ihnen lieber ihr Geld an, als sicherheitsorientierten Kollegen. Die Erklärung ist relativ simpel: Gleich und Gleich gesellt sich gern.

Anleger, die ihre Gefühle im Zaum halten und lieber gut verdienen wollen, sollten also, bevor sie jemandem ihr hart verdientes Geld anvertrauen, nonchalant nach dessen Auto fragen. Je mehr PS es hat, desto eher sollten sie das Weite suchen.

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