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Sneaker als Geldanlage? Mehr als 400.000 Dollar für ein Paar Turnschuhe

Wertvolle Sneaker: Nikes

Das Auktionshaus Sotheby’s bot 100 extrem seltene Paar Schuhe feil. Dabei erzielte ein seltener Nike-Turnschuh einen Rekordpreis. Doch Vorsicht: Sneaker sind keine Wertanlage wie jede andere.

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Das Londoner Auktionshaus Sotheby’s ist eigentlich dafür bekannt, neue Eigentümer für alte Meister zu finden. Einen Rembrandt oder Rubens beispielsweise, vielleicht auch mal ein impressionistisches Werk von Renoir. Nun suchte das Auktionshaus Käufer für Turnschuhe. Eine Kollektion der weltweit 100 seltensten Sportschuhe, gesammelt in den vergangenen Jahren vom Sneaker-Händler Stadium Goods aus New York.

Die Schätzpreise dieser Turnschuhe waren bereits so schwindelerregend, dass wohl niemand erwägt, diese tatsächlich zum Sport anzuziehen. Bei einem Paar Nike „Moon Shoes“ aus dem Jahr 1972 erwartete Sotheby’s, dass der Hammer bei 110.000 bis 160.000 Dollar fällt. Das wurde haushoch übertroffen: Das Paar wurde am Dienstag in New York (Ortszeit) für 437.000 Dollar (rund 390.000 Euro) versteigert. Laut Sotheby's ist das der höchste Preis, der jemals bei einer Auktion für ein Paar Turnschuhe erzielt worden sei.

Käufer ist der kanadische Unternehmer und Sammler Miles Nadal. Nike-Mitgründer Bill Bowerman hat die Sneaker angeblich persönlich entworfen. Der Legende nach kam ihm beim Waffeln backen die Idee für dessen Sohle. Nur etwa zwölf Paar der „Moon Shoes“ sollen existieren; das nun versteigerte sei das einzige bekannte, dessen Zustand als ungetragen bezeichnet werden könne.

Sammler Nadal hatte zuvor bereits die 99 anderen Schuhe, die eigentlich Teil einer Online-Auktion waren, für 850.000 Dollar gekauft, bevor sie versteigert werden konnten. Er plant, die Sneaker in seinem Privatmuseum in Toronto auszustellen.

Darunter war ein dem New Yorker Baseballspieler Derek Jeter gewidmeter Schuh der Marke Air Jordan. Ihn schätzte das Auktionshaus zuvor auf vergleichsweise günstige 60.000 Dollar. Von dem Modell gibt es weltweit nur fünf Paar, einst vergeben per Rubbellos-Lotterie in einem Pop-Up-Laden in der Nähe des Yankee-Stadiums.

Die wohl spektakulärsten Schuhe waren ein Paar 2016er Nike Mag, ein Nachbau jener Schuhe, die Michael J. Fox als Marty McFly in „Zurück in die Zukunft“ getragen hat – in der Zukunft. Wie im Film schnüren sich die Stiefel von selbst, wenn der Träger hineinschlüpft. Vorausgesetzt, er hat Schuhgröße 42,5. Schätzpreis: 50.000 bis 70.000 Dollar. Nike hatte nur 89 Paar davon produziert. Ein solches Paar Nike Mag hielt bisher den Weltrekord als teuerster Schuh der Welt. Im Januar hatte der Schuhhändler StockX via Auktion ein Paar für 52.200 Dollar versteigert.

So wie Kunstsammler zahlen mittlerweile auch so genannte Sneakerheads horrende Summen für seltene Modelle. Um limitierte Auflagen zu ergattern, campen manche Tagelang vor Geschäften. Sie wollen in der Schlange der erste zu sein, um die begehrten mittleren Schuhgrößen zu erwischen. Dabei sind viele dieser Schuhe eigentlich kaum als Wertanlage geeignet. Ihre Lebensdauer beträgt – je nach Material des Schuhs – nur einige Jahre. Sammlern drohen in ihren Vitrinen oder im Safe böse Überraschungen, wenn sie die teuren Auktions-Sneaker falsch lagern oder die Schuhe aus Material gemacht sind, das sich für eine Lagerung nicht eignet.

Unter Sneaker-Sammlern ist das Phänomen als Hydrolyse bekannt. Die Sohlen zerbröseln während der Lagerung regelrecht. Vor allem das Material Polyurethan (PU) wird zum Problem. „PU besteht aus langkettigen Polymerketten, die durch den Einfluss von Feuchtigkeit allmählich aufgespalten werden. Die Folge ist, dass PU mit der Zeit an Flexibilität verliert und allmählich spröde wird“, schreibt der Sicherheitsschuh-Hersteller Uvex in einem Blogbeitrag.

„Auch andere Sohlenmaterialien sind Alterungsprozessen ausgesetzt. So diffundieren beispielsweise die im Gummi enthaltenen Weichmacher nach und nach aus dem Material. Das sorgt ebenfalls dafür, dass die Sohlen an Elastizität verlieren und hart und spröde werden.“

Einige Schuh-Hersteller und auch Sneaker-Sammler empfehlen deshalb, Schuhe möglichst dunkel, trocken und gut gekühlt zu lagern. Die Lagerung an Orten wie dem Keller oder einer Garage, in denen oft hohe Luftfeuchtigkeit herrsche, könnte den Alterungsprozess ansonsten beschleunigen.

Was dann aus den wertvollen Sneakern in der Sammlung werden kann, zeigen ein paar Beispiele von Sammlern auf Twitter und Instagram.

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1987 & 2014 White & Red II's merged.

Ein Beitrag geteilt von Rolo Tanedo Jr (@dunksrnice) am

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1987 II High Set Complete.

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Doch das muss keinesfalls das Ende der teuren Sneaker-Sammlung bedeuten. Denn mittlerweile haben sich Dienstleister auch darauf spezialisiert, die Schuhe für Kunden zu restaurieren. Wie das gehen kann, zeigt ein Sneaker-Fan auf Youtube. Er löst einfach die komplette, zerbröselte Zwischensohle heraus, um sie durch eine erhaltene zu ersetzen.

Wer also als Sammler neu in den Sneaker-Markt einsteigt, sollte sich nicht nur von vermeintlich hohen Renditen locken lassen. Ein Beispiel: Der Nike-Schuh „What the Dunk“ brachte auf der Sneaker-Plattform StockX bislang durchschnittlich eine Rendite von 5400 Prozent im Vergleich zum offiziellen Laden-Verkaufspreis. Doch mögliche Ausgaben für aufwendige Restaurationen und klimatisierte Lagerräume können diese Rendite für Sammler drücken.

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