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Sparverhalten der DeutschenWeniger Sparen, mehr Konsum

Seitdem die Zinsen im Keller sind, häufen sich die Umfragen zum Sparverhalten der Deutschen. Große Entwicklungen gibt es indes nicht – außer, dass immer mehr Menschen die Lust am Sparen vergeht.Andreas Toller 19.04.2016 - 14:57 Uhr

Das Sparbuch ist aller Vernunft zum Trotz weiter die beliebteste Geldanlage der Deutschen.

Foto: dpa

Der Deutsche und sein Sparbuch – diese Verbindung gilt allen vernünftigen Argumenten zum Trotz als nahezu untrennbar. Tatsächlich belegen mehrere Umfragen und Studien, dass gut die Hälfte der Bundesbürger ihr Sparbuch nutzt, obwohl die Verzinsung kaum wahrnehmbar niedrig ausfällt.

Eine Umfrage von TNS Infratest für den Verband der Privaten Bausparkassen erkennt zwar einen signifikanten Rückgang der Sparbuchbenutzer von 53 auf 48 Prozent. Dennoch bleibt es die beliebteste Anlageform. Dem monatlichen Spar- und Anlageindex der Comdirect zufolge liegt der Anteil der Sparbuchsparer immer noch bei 52 Prozent.

Dass die Deutschen nicht unbedingt clever und chancenreich sparen, belegen zahlreiche Untersuchungen. Auch die Comdirect-Umfrage bestätigt das: Bargeld horten 30 Prozent der Bundesbürger. Durchschnittlich legten die Deutschen im März 109 Euro auf die Seite. Anstelle von Tagesgeld- (37 Prozent) oder Festgeldkonten (19 Prozent) nutzen sie dafür überwiegend ein Girokonto (56 Prozent) und das Sparbuch – und lassen sich so zumindest eine geringe Verzinsung entgehen. Für das langfristige Vorsorgesparen rangieren wenig renditeträchtige Sparprodukte wie Bausparverträge (32 Prozent), Lebensversicherungen (31 Prozent) andere Altersvorsorgeprodukte (30 Prozent) immer noch deutlich vor den chancenreicheren Anlagen in Fonds (19 Prozent) und Aktien (15 Prozent).

Die Deutschen gelten als fleißige Sparer. Doch die Statistik sagt etwas anderes. 30 Prozent der Deutschen haben gar nichts auf der hohen Kante. 19 Prozent wollten sich nicht dazu äußern. Elf Prozent besitzen bis zu 2.500 Euro. Nur ein Prozent besitzt mehr als 500.000 Euro an Geldvermögen.

Quelle: Das Buch „Wie wir Deutschen ticken“, erschienen im Edel Verlag und basiert auf repräsentativen Umfragen des Meinungsforschungsinstituts YouGov.

Foto: dpa

Die Einstellung der Deutschen zur Aktie ist bekanntlich eher skeptisch. 16 Prozent aller Männer und sieben Prozent aller Frauen besitzen Aktien. Zum Vergleich: In den USA legen 56 Prozent der Bevölkerung ihr Geld in Aktien an. Der Aktienbesitz ist auch von der Bildung und dem Einkommen abhängig: Wer mehr als 3.000 Euro im Monat verdient, hat eher Aktien (23 Prozent). Wer weniger als 3.000 Euro verdient kommt noch auf elf Prozent Aktien. Wer Abitur hat, besitzt auch öfter Aktien (18 Prozent) als ein Hauptschulabsolvent (sechs Prozent).

Foto: dpa

40 Prozent aller Deutschen besitzen kein nennenswertes Vermögen. Beliebtester Besitz ist mit 32 Prozent das Sparbuch, dahinter kommt mit 27 Prozent das Auto bzw. Möbel. 23 Prozent der Deutschen besitzen Immobilien und nur sechs Prozent verfügen über Gold.

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Die Mehrheit der Deutschen scheint den Artikel aus dem Grundgesetz „Eigentum verpflichtet“ nicht zu mögen. 52 Prozent wünschen sich, dass ein Unternehmer mit seiner Firma tun kann, was er will. Beim geliebten Eigenheim ist dies noch deutlicher: 74 Prozent wollen, dass ein Grundstückseigentümer mit seinem Grundstück machen kann, was er will. Nur 33 Prozent äußerten sich für eine Zwangsvermietung einer leeren Immobilie durch den Staat.

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Bei der Beziehung zum Geld sind die Deutschen innerlich gespalten. Die Moral und die Gier geben sich die Hand – wohl ohne, dass es die Befragten merkten. So sagten 75 Prozent der Deutschen: „Bei uns werden Menschen zu sehr über ihren Besitz definiert.“ Besitz wird also überbewertet. An anderer Stelle sagten jedoch 77 Prozent: „Es ist mir wichtig, einen gewissen Wohlstand zu haben.“ Sprich: Wenn die anderen Geld lieben, ist das schlecht. Wenn ich selbst Geld habe, dann ist es kein Problem.

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Geld macht nicht glücklich, so lautet eine abgedroschene Lebensweisheit. Die Mehrheit der Deutschen schließt sich ihr an. „Nur“ 36 Prozent sagten, dass sie glücklicher wären, wenn sie mehr Geld hätten.

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Beim Thema Geld sind die Deutschen sehr misstrauisch. Oder selbstbewusst. Oder beides. Jedenfalls gaben 76 Prozent an, dass sie sich bei finanziellen Entscheidungen auf ihr eigenes Wissen verlassen. Auf Platz zwei landen Freunde und Verwandte mit 28 Prozent, dicht gefolgt vom Bankberater mit 23 Prozent. Nur zehn Prozent vertrauen einem unabhängigen Finanzberater und neun Prozent den Finanztipps in der Presse.

Foto: gms

Beim Thema Rente stößt das eigene Wissen allerdings schnell an seine Grenzen. Nur 57 Prozent der Deutschen wissen, wie hoch ihre Rente ausfallen wird. Fast die Hälfte der Bevölkerung weiß somit nicht, wie viel im Alter übrig bleibt.

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Jetzt wird es spannend. Wie viel Geld hat der Durchschnittsdeutsche am Ende des Monats auf dem Konto? Die größte Gruppe bildet hier die „Nullrunde“: 35 Prozent aller Deutschen haben am Ende des Monats etwa Null Euro auf dem Konto. 30 Prozent haben weniger als 2.000 Euro auf dem Konto und 11 Prozent haben mehr als 2.000 Euro am Ende des Monats zur Verfügung. Acht Prozent der Deutschen haben ein Minus von weniger als 2.000 Euro auf ihrem Bankkonto und fünf Prozent haben regelmäßig ein Minus, das 2.000 Euro übersteigt. Jeder Siebte lebt damit regelmäßig in den roten Zahlen.

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Wie viel spenden Deutsche an gemeinnützige Organisationen? 41 Prozent geben gar nichts, 32 Prozent spenden bis zu 100 Euro – pro Jahr. Neun Prozent geben 100 bis 300 Euro und eine kleine Minderheit von sechs Prozent spendet mehr als 300 Euro im Jahr.

Foto: imago images

Bevor die Deutschen auf ein rentableres und nötigenfalls sogar riskanteres Sparprodukt wechseln, lassen sie das Sparen offenbar lieber ganz. Immerhin 26 Prozent der Bundesbürger sparen laut Umfrage weniger als 50 Euro im Monat.

Konsum steht derzeit offenbar im Vordergrund – vor allem bei Älteren. Bei den über 60-Jährigen haben 35 Prozent so gut wie nichts gespart. Die Quote ist doppelt so hoch wie bei den 18- bis 29-Jährigen (17 Prozent).

Sachwerte gesucht

Mit dem Rückzug der Sparer steigt die generelle Konsumneigung. Nach kurzen Rückgängen im Winter haben sich die Geschäfte im Handel im Frühjahr schon prächtig entwickelt. Vermutlich trägt die Buchungssaison für den kommenden Sommerurlaub auch zu den steigenden Konsumausgaben bei. Lieber Wohlstand heute, als einen vagen Wohlstand in der Zukunft, scheint das Motto zu lauten.

Und auch das Interesse am Immobilienkauf ist ungebrochen. So steckten nach den TNS-Infratest-Ergebnissen vom März 28 Prozent der Deutschen ihr Geld in eine Immobilie.

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