Stelter strategisch

China darf nicht platzen

Vor dem Treffen von Donald Trump und Xi Jinping hält die Börse den Atem an. Während alle mit Sorge auf die Politik der USA schauen, hängen die Weltfinanzmärkte in Wirklichkeit an Chinas Schuldenwirtschaft - ein Risiko.

Chinesische Flagge. Quelle: AP

Schon oft wurde das Ende des chinesischen Aufschwungs befürchtet und in schöner Regelmäßigkeit hat uns China eines Besseren belehrt. Statt in eine Krise zu stürzen, überzeugt das Land mit immer noch beeindruckenden Wachstumsraten und einer Politik, die konsequent die Grundlagen für die nächste Phase der Entwicklung legt, beispielsweise mit Investitionen in Zukunftstechnologien wie Roboter. Dennoch – oder gerade wegen der bisherigen Erfolge: Vorsicht ist angebracht.

Schuldenwirtschaft nach westlichem Vorbild

Als sich 2008 abzeichnete, dass die Welt auf dem besten Weg war, in eine erneute große Depression zu stürzen, legte China ein rund 600 Milliarden US-Dollar teures Konjunkturprogramm auf. Zugleich wurden die Kreditschleusen geöffnet. Diese Maßnahmen lösten einen wahren Boom im Land aus, der auf die Weltwirtschaft ausstrahlte. Rohstoffexporteure wie Brasilien und Industriegüterlieferanten wie Deutschland profitierten enorm. Es dürfte unstrittig sein, dass sich die deutsche Wirtschaft ohne diese chinesische Intervention nicht so schnell und deutlich von den Folgen der Finanzkrise erholt hätte.

Doch blieb es nicht bei der einmaligen Intervention. Die Hälfte der weltweiten Neuverschuldung in den vergangenen zehn Jahren gehen auf das Konto Chinas, womit der chinesische Anteil am weltweiten Schuldenberg von fünf auf fast 25 Prozent wuchs. Die Schulden außerhalb des Finanzsektors stiegen von drei Billionen US-Dollar im Jahre 2005 auf 22 Billionen heute. Alleine im vergangenen Jahr nahmen die Schulden um 4,5 Billionen Dollar zu. Die Bilanzsumme des Bankensystems versechsfachte sich und liegt heute bei rund 300 Prozent des BIP. (Zum Vergleich: Italien (166%), Deutschland (230%), Frankreich (318%), UK (446%)). Andere Quellen beziffern den Anstieg der Assets des Finanzsystems seit 2008 von 250 auf nun 440 Prozent des BIP.

Dabei erzielt China mit immer mehr Schulden immer weniger zusätzliches Wachstum. Auch 2016 wuchsen die Kredite doppelt so schnell wie die Wirtschaft. Immer, wenn eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums droht, legt die Regierung mit noch mehr Schulden nach. Damit folgt China dem westlichen „Vorbild“. Da auch die demografische Entwicklung der unsrigen und der Japans ähnelt, kann es gut sein, dass China alt wird, bevor es reich wird.

Unproduktive Investitionen

Die abnehmende realwirtschaftliche Wirkung weiterer Schulden liegt auch an der Mittelverwendung. Nicht nur wurde mit den Schulden ein Immobilienboom ausgelöst. Gleichzeitig investierten die Staatsunternehmen in den Ausbau von Kapazitäten, die das Land – und die Weltwirtschaft – in diesem Umfang nicht brauchen. Als Beispiel sei die Stahlbranche genannt. Immer mehr dieser Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Da die Regierung jedoch nichts so sehr fürchtet wie Großpleiten und Arbeitslosigkeit, werden diese Unternehmen am Leben erhalten und eine Bereinigung verhindert.

Volkswirte blicken auf den „credit-to-GDP-gap“. Dieser vergleicht das Trendwachstum der Verschuldung mit dem aktuellen Niveau. Ein merkwürdiges Konzept, das vom Normalfall ständig steigender Schuldenquoten ausgeht, die nur nicht zu schnell steigen dürfen. Die Wahrheit ist aber, dass es unabhängig von der Geschwindigkeit der Verschuldung auch auf die Gesamthöhe ankommt. Mit Blick auf beide Werte sieht es für China nicht gut aus. Das aktuelle Kreditvolumen liegt immerhin 30 Prozent über dem (steilen) Trend.

Noch immer kam es zu tiefen Rezessionen oder zumindest einer längeren Phase geringen Wachstums in Folge von zu schnellem Kreditwachstum. Das war in Japan nach dem Platzen der Schuldenblase im Jahre 1990 so, dass war so in Korea nach der Asienkrise und so ist es heute in den Krisenländern der Eurozone.

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