Strategien von Mischfonds „Bei Anleihen sehen wir Chancen“

Fondsmanager auf der Suche nach der Anleihenrendite.

Anleihe- und Mischfonds haben es in Zeiten niedriger oder bereits steigender Zinsen besonders schwer. Elmar Peters, Leitung Multi-Asset-Team bei Flossbach von Storch, erklärt, wie er am Anleihenmarkt noch Geld verdient.

WirtschaftsWoche: In Zeiten stagnierender oder bereits leicht steigender Zinsen sind Anleihen im Portfolio ein Klotz am Bein und werfen kaum Renditen ab. Können Sie mit Anleihen überhaupt noch Geld verdienen?
Elmar Peters: Bei Anleihen sehen wir Chancen. Anleger sollten sich nur von alten Gewohnheiten trennen und flexibel und opportunistisch Chance nutzen. Viele Anleger glauben, wegen der niedrigen Kupons würden Anleihen nichts mehr bringen. Das ist ein Fehler! Denn Zinsen und Erträge sind nicht das gleiche. Anleihen bieten neben dem Zins zahlreiche weitere Ertragsmöglichkeiten. Etwa durch Kursgewinne beim Verkauf der Anleihe vor Ende der Laufzeit. Ein Effekt, den viele Anleger gar nicht kennen: Bei einem Verkauf einer Anleihe vor Ende der Laufzeit kann der Ertrag steigen, wenn das Marktumfeld stimmt.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?
Ein Beispiel von vielen waren zuletzt etwa italienische Staatsanleihen. Bereits im Dezember gingen wir eine Position ein, bei der wir auf eine Verflachung der sehr steilen Zinsstrukturkurve setzten. Durch die Marktturbulenzen stiegen im Mai nun die kurzfristigen Laufzeiten überproportional an. Dieses Engagement wurde gegen Ende Mai mit ordentlichen Erträgen geschlossen.

Elmar Peters Quelle: PR

Wenn Sie den Anteil an Anleihen in Ihrem Fonds auf das Minimum zurückgefahren haben, welche weiteren Möglichkeiten besitzen Sie darauf zu reagieren?
Je nach Anlagestrategie variiert auch der Bestand an Anleihen in unseren Multi-Asset-Fonds.  Über ihre große Vielfalt bieten Anleihen eine große Bandbreite an Ertragsquellen. So gibt es neben Staatsanleihen eine Vielzahl Unternehmensanleihen. Und hier begeben die einzelnen Unternehmen in der Regel sogar gleich mehrere Anleihen zu unterschiedlichen Konditionen. Wer sich hier gut auskennt, kann unter verschiedenen Restlaufzeiten, Währungen und Rangfolgen wählen. Und sehr genau nach seinen Anlagezielen investieren.

Sind denn Anleihen angesichts der Nullzinsen der EZB überhaupt noch interessant?
Ja, wenn man die richtigen findet und alle Chancen dieser Anlageklasse nutzt. Obendrein sind Anleihen auch gut berechenbar. Ein wichtiger Aspekt für viele Anleger: Bei Anleihen sind schon beim Kauf die Höhe der Zinszahlung sowie die Rückzahlung am Ende der Laufzeit bekannt. Das macht die Anlageklasse gut kalkulierbar: Anleger können leichter ausrechnen, wie hoch der Gesamtertrag bis zur Fälligkeit sein wird.

Auf welche Daten und Unterlagen stützen Sie Ihre Anleiheauswahl?
Wir vertrauen nicht nur den Ratings der großen Agenturen. Unsere hauseigenen Analysten analysieren die Bonität, Chancen und Risiken bei jeder Anleihe. Grundsätzlich bevorzugen wir eher Unternehmensanleihen. Hier sind die Marktverzerrungen durch Käufe der Notenbanken unseres Erachtens noch nicht so massiv wie bei Staatsanleihen.

Welche Rolle spielen dabei die Bilanzen der Unternehmen?
Firmenbilanzen zeichnen in der Regel ein transparentes Bild des Unternehmens. Wie stabil ist das Geschäftsmodell? Welche Managemententscheidungen stehen an? Ähnlich wie bei der Analyse von Aktien lohnt es sich daher, die Emittenten von Anleihen genau unter die Lupe zu nehmen. Die Qualität der Bilanz ist dabei entscheidend.

Wie lange wird uns dieser Zustand niedriger Renditen Ihrer Meinung nach anhalten?
Die Schulden der Industriestaaten steigen unaufhaltsam. Nicht nur in Europa, auch in den USA und Japan. Dass die Schulden jemals beglichen werden, ist wohl wenig wahrscheinlich. Letztlich bleiben zwei Möglichkeiten, um die Schulden dauerhaft finanzieren zu können: der große Schuldenschnitt oder dauerhaft niedrige Zinsen. Dass sich an dem Niedrigzinsumfeld allzu bald etwas ändert, ist unseres Erachtens deshalb wenig wahrscheinlich.

Welche Anlageklassen sehen Sie insgesamt im Vorteil?
Die politische Situation in Italien bestärkt uns in unserer Annahme, dass die Euro-Zone fragil bleibt und die Europäische Zentralbank bis auf weiteres den Zusammenhalt der Gemeinschaftswährung durch eine sehr lockere Geldpolitik garantieren muss. Eine Normalisierung des Zinsniveaus halten wir daher weiterhin für sehr unwahrscheinlich. Aktien bleiben unseres Erachtens deshalb die attraktivste Anlageklasse, wenngleich eine Zuspitzung des Handelskonflikts das Wirtschaftswachstum und die Gewinnperspektiven einiger Unternehmen dämpfen könnte.

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