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S&K-Prozess Jonas Köller rechnet die Anklagesumme klein

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"Wollten nicht auf Gewinnausschüttung warten"

Auch für Darlehen, welche sich die beiden Gesellschafter aus den Fondsgeldern gewährt haben, findet Köller eine ausführliche Begründung. "Das machten wir, wenn wir nicht auf die Gewinnausschüttung warten wollten", sagt Köller. Nach der Ausschüttung sei das dann aber verrechnet worden, Schäfer und Köller hätten für das Darlehen einen Zins gezahlt, der über dem Zins des Fonds lag.

Dass es die Kredite gegeben habe, sei also zutreffend. Er habe die aber stets mit Zinsen ausgeglichen, sagt Köller aus. Köller zeigt eine Auflistung der Darlehen. Allein, dass er darüber Buch führe, zeige ja, dass er das Geld zurückzahlen wollte, meint der Angeklagte.

Diese Rückzahlungen und Erstattungen habe die Staatsanwaltschaft unter den Tisch fallen lassen. Statt 120 Millionen Euro, also der Hälfte der Anklagesumme, beansprucht Köller für sich lediglich 6,5 Millionen Euro, die er aus dem Unternehmen erhalten hat. Diese Zahl ergebe sich aus drei Millionen Euro Gehaltszahlungen und 3,5 Millionen Euro Gewinnausschüttungen, die er erhalten habe.

Später erläutert Köller, wie es zur Gründung von S&K kam. Der Angeklagte erzählt, wie er, obwohl aus kleinen Verhältnissen stammend, einen guten Schulabschluss schaffte und Stephan Schäfer kennenlernte. 2003 kaufen die beiden zusammen ihre erste Immobilie, welche sie mit einer ordentlichen Marge wieder verkaufen. Der Aufkauf von Immobilien auf Zwangsversteigerungen zum späteren Wiederverkauf wird ihre Spezialität, S&K ist geboren. Köller erzählt, wann er seinen ersten Ferrari gekauft habe, und wie dieser das Geschäft noch einmal belebte.

Kein Schrott

Ausführlich erklärt Köller, wie es gelang, Immobilien deutlich unter ihrem Verkehrswert zu kaufen. Vom Begriff "Schrottimmobilien", welchen die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage verwendete, will er aber nichts wissen. "Keine einzige unserer Immobilien war beim Verkauf eine Schrottimmobilie", sagt Köller. Es habe allenfalls einen Renovierungsstau gegeben. Wenn es danach ginge, verhandele man auch gerade in einer solchen Schrottimmobilie, erklärt Köller und schaut an die Betondecke des Frankfurter Gerichtssaals.

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Etwas bizarr wird Köllers Aussage, als er zum Zeitpunkt der Razzia kommt. Mit ihrem Eingreifen habe die Staatsanwaltschaft verhindert, dass es bei S&K zu einem großen Gewinn gekommen sei. Man habe kurz vor dem Abschluss eines Verkaufs gestanden, so dass S&K 2013 alles hätte ausgleichen können. Einen 55-Millionen-Gewinn habe die Staatsanwaltschaft verhindert. Zudem habe man werthaltige Portfolien nicht mehr erwerben können.

Da Köller jeden Satz mit Dokumenten unterlegt, dürfte seine Aussage noch einige Verhandlungsstunden in Anspruch nehmen. Am Ende wird es spannend sein, welche Schlussfolgerungen die Richter aus Köllers Unschuldserklärung und der Anklage der Staatsanwaltschaft ziehen werden.

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