Trade Republic: Was Sie zu Zinsen, Tagesgeld und Kosten des Neobrokers wissen müssen
Trade Republic hat sich in den vergangenen Jahren in der Finanzwelt etabliert und konnte seine Marktposition zuletzt behaupten: Inzwischen ist es nach eigenen Angaben das wertvollste deutsche Start-up. Im Zuge eines Anteilsverkaufs von Frühinvestoren wurde der Neobroker mit 12,5 Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: Bei der letzten Finanzierungsrunde im Jahr 2022 lag die Bewertung noch bei rund fünf Milliarden Euro. Damit überholt Trade Republic die Münchner Rüstungsfirma Helsing, die zuletzt auf eine Bewertung von zwölf Milliarden Euro kam.
Doch was genau bietet Trade Republic neuen Kunden und wie funktioniert das Geschäftsmodell des Neobrokers? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Wer steckt hinter Trade Republic und was können Kunden dort handeln?
Trade Republic wurde 2015 von Christian Hecker, Thomas Pischke und Marco Cancellieri gegründet. Das Unternehmen sitzt in Berlin-Mitte. Mit nunmehr acht Millionen Kunden ist es nach eigenen Angaben die größte Sparplattform und der führende Neobroker für Wertpapiere in Europa. Per App und Desktopversion können Anleger mit Aktien, ETFs, Derivaten, Kryptowährungen und Anleihen handeln, mittlerweile in diversen europäischen Ländern.
Vor allem bei jungen Anlegern ist der Broker beliebt, bietet er doch den Handel mit Aktien und Co. zu günstigen Konditionen. Je Order fällt eine Fremdkostenpauschale von einem Euro an. Zum Vergleich: Bei vielen klassischen Anbietern zahlen Kunden zehn Euro pro Order. Allerdings ist das Angebot bei Trade Republic begrenzt. Beispielsweise ist der Handelsplatz festgelegt und es gibt deutlich weniger Anleihen als bei klassischen Anbietern wie der ING oder der Consorsbank.
Kosten- und Preisübersicht: Welche Gebühren berechnet Trade Republic 2025?
Trade Republic Girokonto: Ab wann sind die neuen Funktionen verfügbar?
Bei der Einführung des Girokontos setzt das Unternehmen auf die Etablierung der neuen Funktionen in mehreren Schritten. Nachdem Trade Republic im Frühjahr 2024 den ersten Schritt mit der Ausstellung eigener Bezahlkarten gegangen ist, kamen im Laufe des Jahres weitere Funktionen hinzu. So folgte der Ausstellung der Bezahlkarten unmittelbar die Zuteilung einer IBAN für das Girokonto.
Ab dem Herbst 2024 folgten weitere zentrale Schritte auf dem Weg zum vollumfänglich nutzbaren Girokonto: Seither lassen sich getrennte Kontoauszüge für das Girokonto und das Portfolio abrufen. Die Freischaltung zentraler Online-Banking-Funktionen, darunter zum Beispiel die Verknüpfung mit einem PayPal-Konto oder das Erstellen von Überweisungen und Daueraufträgen, soll seit dem Jahresende grundsätzlich abgeschlossen sein. Ein Unternehmenssprecher teilte der WirtschaftsWoche im März 2025 mit, an Verbesserungen und neuen Bankingfunktionen für Kunden zu arbeiten. Welche dies sind, ließ das Unternehmen aber offen. Unter anderem klagten Kunden, dass ein tägliches Überweisungslimit von aktuell 3000 Euro größere Transaktionen erschwere.
Wie viel kostet eine Trade-Republic-Karte?
Trade Republic bietet drei unterschiedliche Karten an. Virtuelle Karten sind kostenlos erhältlich, Plastikkarten (Classic Card) kosten Nutzer einmalig fünf Euro und eine verspiegelte Metallkarte (Mirror Card) einmalig 50 Euro. Die Karten sind dabei technisch als Debitkarten zu begreifen und ermöglichen jeweils die gleichen Anwendungen.
Bei Verlust einer Karte kann laut dem Webauftritt von Trade Republic eine Gebühr für die Ausstellung einer neuen Karte anfallen. Ob für eine Ersatzkarte tatsächlich Gebühren erhoben werden dürfen, ist gesetzlich allerdings nicht eindeutig geregelt.
Wird bei der Kontoeröffnung ein Schufa-Eintrag geprüft?
Bislang ist die Erstellung eines Trade-Republic-Kontos nicht mit einer Schufa-Abfrage für den einzelnen Kunden verbunden. Das hat damit zu tun, dass Schufa-Einträge und Abfragen lediglich dann zum Tragen kommen, wenn für die Bank oder einen mit ihr verbundenen Dienstleister Risiken bestehen, dass ein Kunde nicht zahlungsfähig ist oder seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt. Das ist bei Trade Republic aber nicht möglich. Denn das gesamte Angebotsportfolio von Trade Republic kann nur aus dem dort hinterlegten Guthaben bedient werden.
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Zudem finden Abbuchungen unmittelbar statt und eine Überziehung ist technisch nicht möglich. Der Neobroker bietet ausschließlich Konten ohne Überziehungsmöglichkeit an. Die Prüfung oder gar die Entstehung eines (negativen) Schufa-Eintrags in Zusammenhang mit Trade Republic scheint daher aktuell unwahrscheinlich. Inwieweit sich dies ändert, sollte Trade Republic Kontokunden zukünftig die Möglichkeit eines Dispos einräumen, lässt sich nicht sagen.
Wie viele Zinsen bekomme ich bei Trade Republic?
Trade Republic zahlt sowohl Neu- als auch Bestandskunden einheitliche Zinsen. Diese werden bei Trade Republic anteilig für den Monat berechnet und zu Beginn eines Folgemonats ausgezahlt. Aktuell gibt es einen Zinssatz von zwei Prozent (p.a.).
Die Verzinsung erfolgt jedoch variabel. Das heißt: Es gibt den Zinssatz nicht für einen bestimmten Zeitraum. Sparer dürfen gewissermaßen nicht mit einer Zinsgarantie rechnen. Von Trade Republic heißt es hierzu stets, man wolle die EZB-Zinsen eins zu eins an die Kunden weitergeben. So gab es für Anleger im Frühjahr 2024 noch vier Prozent Zinsen aufs Tagesgeld. Als die Notenbank den für Sparer wichtigen Einlagenzins mehrfach senkte, zog Trade Republic jeweils hiermit gleich.
Nachdem die EZB den Einlagenzins im Juni 2025 erneut minderte, kündigte Trade Republic per Kurznachricht in der App an, den Zinssatz von 2,25 auf zwei Prozent herabzusetzen. Es ist die achte Zinssenkung seit dem Frühsommer 2024. Die neuen Konditionen gelten seit dem 11. Juni 2025.
Fallen Steuern auf meine Zinsen an?
Bis zu einem Freibetrag von 1000 Euro sind Kapitalerträge, zu denen ebenso wie Erträge aus Aktien oder Anleihen auch Zinsen zählen, für eine Einzelperson steuerfrei. Wird dieser sogenannte Sparer-Pauschbetrag überschritten, unterliegen die Zinsen der Kapitalertragsteuer, auch Abgeltungsteuer genannt. Diese Steuer beträgt nach § 32d Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) 25 Prozent und wird automatisch von den Zinszahlungen abgezogen. Dabei werden anrechenbare Verluste aus Wertpapiergeschäften sowie Freibeträge berücksichtigt.
Hat Trade Republic versteckte Kosten?
Ähnlich wie beim Konkurrenten Scalable Capital sind die Ordergebühren niedrig, Sparplanausführungen sogar kostenlos. Es gibt aber auch indirekte Kosten: Neobroker wie Trade Republic verdienen ihr Geld vor allem auch über Rückvergütungen, sprich: Provisionen. Die Broker leiten die Orderaufträge der Kunden an größere Handelshäuser weiter, die dann Käufer und Verkäufer einer Aktie zusammenbringen. Trade Republic arbeitet etwa mit dem Düsseldorfer Börsenhändler Lang & Schwarz zusammen.
Anders als bei vielen anderen Brokern können Kunden bei Trade Republic also nicht zwischen mehreren Handelsplätzen wählen. Kritiker merken an, dass Broker einfach den Handelsplatz mit der höchsten Rückvergütung wählen könnten – aber nicht unbedingt den, der die besten Kurse stellt. Je nach Handelsplatz unterscheiden sich die Kurse gerade bei illiquiden Titeln. Einige Auswertungen kamen bislang aber zu dem Ergebnis, dass die Kurse bei Trade Republic und Co. nicht schlechter sind. Und gerade bei kleinen Ordersummen würde die niedrige Fremdkostenpauschale einen möglicherweise schlechteren Kurs schnell kompensieren.
Laut Berichten aus dem April 2025 plant Trade Republic jedoch, sich neu aufzustellen. Demnach ist beim Neobroker angedacht, Orderaufträge über einen Marketmarker abzuwickeln. Dadurch könnte der Broker die Transaktionen ohne die Unterstützung anderer Handelshäuser abwickeln. Für Kunden hätte das aber wohl höhere Preise zur Folge. Trade Republic kommentiert die Berichte allerdings nicht.
Wie hoch ist ein Freistellungsauftrag bei Trade Republic?
Ein Freistellungsauftrag erlaubt einer Bank oder einem Finanzinstitut, Kapitalerträge eines Kontoinhabers bis zu einem bestimmten Betrag von der Steuer zu befreien. Somit entfällt bis zu diesem Betrag keine Steuer auf Zinserträge, Dividenden oder andere Kapitalerträge.
Mit dem am 1. Januar 2023 in Kraft getretenen Jahressteuergesetz wurde der Freistellungsauftrag von 801 auf 1000 Euro angehoben. Dies gilt für Einzelpersonen. Für Ehegatten und eingetragene Lebenspartnerschaften, die einen gemeinsamen Freistellungsauftrag erteilen, gilt ein Höchstbetrag von 2.000 Euro (§ 26 Absatz 1 Satz 1 EStG). Bislang ist ein gemeinsamer Freistellungsauftrag bei Trade Republic allerdings nicht möglich.
Trade Republic Kinderdepot: Was steckt hinter dem neuen Angebot?
Seit dem 27. Mai 2025 haben Eltern und Erziehungsberechtigte bei Trade Republic die Möglichkeit, ein Kinderdepot einzurichten und im Namen ihrer minderjährigen Kinder in ETF- und Aktiensparpläne, Anleihen zu investieren. So soll frühzeitig ein langfristiger Vermögensaufbau gelingen. Die Depoteröffnung erfolgt digital über die App. Die Sorgeberechtigten müssen zudem die Geburtsurkunde des Kindes einreichen.
Was bietet Trade Republic mit seinem Kinderdepot?
Trade Republic erlaubt im Kinderdepot unter anderem Sparpläne ab einem Euro (ohne Ordergebühren). Für Einzelkäufe fällt hingegen wie gewohnt eine Gebühr von einem Euro an. Nicht investiertes Guthaben wird aktuell mit zwei Prozent jährlich verzinst. Teile dieses Guthabens können außerdem in Geldmarktfonds liegen, für die eine abgeschwächte Sicherung besteht.
Bei drei ETFs des Anbieters Vanguard – FTSE All World, ESG Global All Cap und LifeStrategy 80 – entfallen außerdem die üblichen Verwaltungsgebühren. Diese werden bis zum 18. Lebensjahr des Kindes monatlich erstattet und automatisch reinvestiert. Für andere ETFs gelten weiterhin die regulären Kosten.
Ein steuerlicher Vorteil besteht darin, dass Kinder einen eigenen Sparerpauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro jährlich haben, der bei einem Depot auf ihren Namen vollständig ausgeschöpft werden kann. Zu beachten ist jedoch, dass das Depot rechtlich dem Kind gehört und dieses mit Erreichen der Volljährigkeit uneingeschränkten Zugriff auf das Vermögen erhält.
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Einlagensicherung: Wie sicher ist mein Trade-Republic-Konto und was passiert im Fall einer Insolvenz?
Die Kundeneinlagen bei Trade Republic sind grundsätzlich durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Das bedeutet, dass im Falle einer Insolvenz des Unternehmens Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Kunde und pro Bank vollständig abgesichert sind. Trade Republic verwahrt die Kundengelder bislang nicht selbst. Die Einlagen liegen bei Partnerbanken wie der Deutschen Bank.
Allerdings ist Trade Republic zuletzt schrittweise dazu übergegangen, die nicht investierten Kundeneinlagen nicht nur bei Partnerbanken, sondern anteilig auch in sogenannten Geldmarktfonds bei Vermögensverwaltern wie BlackRock zu hinterlegen. Der Neobroker selbst begründet das gegenüber seinen Kunden mit der Risikostreuung. Zu welchen Teilen Trade Republic die Gelder in Geldmarktfonds parkt, darauf haben Kunden allerdings keinen Einfluss.
Für die Gelder, die in Geldmarktfonds hinterlegt sind, gilt jedoch nicht die gesetzliche Einlagensicherung, sie fallen unter den Schutz durch die Anlegerentschädigung nach dem sogenannten Anlegerentschädigungsgesetz, da sie rechtlich als Anlage- bzw. Sondervermögen zu begreifen sind. Damit sind die Gelder aus Geldmarktfonds, die als verlässliche Anlageoption gelten, zwar vergleichsweise sicher, jedoch nicht bis zur Höhe der gesetzlichen Einlagensicherung. Denn das Anlegerentschädigungsgesetz sieht eine maximale Entschädigungssumme von 20.000 Euro pro Person vor, falls es zu einer Insolvenz kommt, bei welcher eine Bank nicht mehr in der Lage ist, Kunden ihre Anlagevermögen nach dem Anlegerentschädigungsgesetz auszuhändigen. Gegenüber der Verwahrung von Kundengeldern in Geldmarktfonds gibt es daher auch Kritik. Im Februar 2025 schaltete sich etwa die Verbraucherzentrale ein und mahnte Trade Republic und Wettbewerber Scalable ab. Im Kern geht es darum, dass der Neobroker nicht transparent genug über die Verwahrung in Geldmarktfonds informiert. Die Verbraucherschützer monieren insbesondere, dass nicht ausreichend klar gemacht würde, dass Guthaben in Geldmarktfonds nicht der Einlagensicherung unterliegen. Auch die Finanzaufsicht BaFin schaut sich das Zinsprodukt von Trade Republic nun genauer an.
Die gesetzliche Anlegerentschädigung gilt auch für Aktien, Anleihen und Co., die Kunden über Trade Republic ordern. In diesem Fall ist eine mögliche Entschädigung, wie auch die BaFin auf ihrer Homepage erklärt, gleichermaßen bei 90 Prozent der Einlagen beziehungsweise maximal 20.000 Euro gedeckelt. Und dies auch nur, wenn die jeweiligen Wertpapiere in Euro oder einer anderen Währung eines EU-Staates investiert worden sind. In einem solchen Fall können Anleger ihre Ansprüche bis zur Höhe von 20.000 Euro bei einer sogenannten Entschädigungseinrichtung wie der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) geltend machen. Diese Institute unterliegen ebenfalls der Aufsicht der BaFin.
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Trade Republic steht zusätzlich in der Kritik. Warum?
An dem Unternehmen, das seit seiner Gründung den Handel mit Wertpapieren aufmischt, gibt es auch Kritik. Bereits seit mehreren Jahren klagen Nutzer darüber, dass der Kundenservice dem rasanten Wachstum des Unternehmens nicht Stand hält. So bietet Trade Republic keine telefonische Kunden-Hotline an, bei der Kunden individuelle technische Probleme schildern können. Lediglich eine Hotline, um die Karte zu bei Verlust zu sperren, existiert mittlerweile. Bevor Kunden überhaupt eine Anfrage stellen können, um beispielsweise ein technisches Problem zu schildern, müssen sie sich in der App durch ein KI-gestütztes-Hilfemenü aus vorgefertigten Fragen und Antworten wählen. Erst danach kann ein Ticket beim Kundenservice erstellt werden. Auch kritisieren Nutzer, späte Rückmeldungen oder gar keine personalisierten Antworten zu erhalten.
2024 gab es zudem massive Kundenbeschwerden wegen Verzögerungen bei Dividendenzahlungen. Der Broker, der nun vermehrt als Trade-Republic-Bank in Erscheinung tritt, gelobte Besserung. Unter anderem kündigte er an, den Kundenservice nun in größeren Zentren in Europa abwickeln, wie eine Unternehmenssprecherin mitteilte.
Die Kritik am Neobroker flammte 2025 wieder auf: Als die US-Administration um Präsident Donald Trump neue Einfuhrzölle gegenüber vielen Handelsnationen verhängte, kam es in der Folge an den Börsen zum Crash. Auch über Trade Republic versuchten Anleger kurzfristig, Wertpapiere zu verkaufen. Allerdings streikte die technische Infrastruktur des Berliner Unternehmens. Über mehrere Tage verteilt hatten Anleger Probleme, auf ihr Depot zuzugreifen. Orderaufträge konnten zeitweise nicht abgewickelt werden. Andere Broker hatten allerdings vergleichbare Schwierigkeiten.