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WGF ImmobilienAnlegern droht Millionenschaden

Das Unternehmen WGF Immobilien scheint Probleme zu haben. Weil es seinen Jahresabschluss nicht vorlegt, hat die Börse die Anleihen vom Handel ausgesetzt. Für Anleger sieht es düster aus.Sebastian Ertinger 03.12.2012 - 11:51 Uhr Quelle: Handelsblatt

Ein versäumter Jahresabschluss der WGF könnte Anlegern Schäden in Millionenhöhe bescheren. Die Börse Düsseldorf hat den Handel mit Anleihen des Immobilienhändlers ausgesetzt.

Foto: dpa

Anlegern des umstrittenen Immobilienkonzerns WGF Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung droht ein Millionenschaden. Der Konzern hätte bis zum 30. November 2012 einen testierten Jahresabschluss vorlegen müssen, dies bislang aber versäumt.

Die Börse Düsseldorf hat nun den Handel mit Anleihen des Immobilienhändlers ausgesetzt. Pino Sergio, der WGF-Chef hatte zuvor noch versucht, einen Aufschub für die Abgabe des Jahresabschlusses gewährt zu bekommen, doch der Handelsbetreiber lehnte ab. Die Investoren, schätzungsweise mehrere tausend und darunter viele Privatanleger, werden ihre Papiere nicht los.

London

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson will mit harten Mitteln den Wohnungsmangel bekämpfen: Er will auf dem Gelände des Flughafens Heathrow ein Wohngebiet für rund 250.000 Menschen bauen lassen. Um den Plan zu realisieren, soll das Gelände für rund 19 Milliarden Euro aufgekauft und bebaut werden. Dafür sollen neue Flughäfen am Rande der Stadt entstehen. Das berichtet die Zeitung "Die Welt". Doch London ist nicht die Stadt, in der es einen starken Wohnungsmangel gibt. Auch in deutschen Großstädten fehlt es an Immobilien.

Foto: REUTERS

Platz 10: Freiburg

Im baden-württembergischen Freiburg fehlen rund 3.000 Mietwohnungen. Das ist das Ergebnis zweier aktueller Studien, die das Pestel-Institut in Hannover und der Bochumer Wohnungsbau-Experte Prof. Dr. Volker Eichener im Auftrag der Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“ erstellt haben. Die Experten warnen: Deutschlandweit müssen in den nächsten fünf Jahren mindestens 825.000 Mietwohnungen neu geschaffen werden.

Foto: dpa

Platz 9: Karlsruhe

Auch in Karlsruhe fehlen um die 3000 Mietwohnungen. Konkret sind es 3600 zu wenig, so die Experten. Sie fordern die Verdopplung des Mietwohnungsbaus - mindestens 130.000 Wohnungen müssen pro Jahr in den Ballungszentren geschaffen werden.

Foto: dapd

Platz 8: Bonn

In der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn sind sogar 5000 Wohnungen zu wenig. Die Studien der beiden Institute belegen, dass der schrittweise Rückzug des Bundes aus der Wohnungsbauförderung in den vergangenen 15 Jahren zu der aktuellen Wohnungsnot geführt hat.

Foto: dpa

Platz 7: Region Hannover

In und um die Stadt Hannover mangelt es an etwas mehr Wohnungen. 5200 Menschen suchen in der Hauptstadt des Landes Niedersachsen und den Gebieten darum herum nach bezahlbaren Mietwohnungen. Hätten die Bundesländer die soziale Wohnraumförderung im vergangenen Jahrzehnt nicht um nahezu 80 Prozent reduziert, wäre das Bild ein anderes, sagen die Wissenschaftler vom Pestel-Institut.

Foto: dpa

Platz 6: Düsseldorf

In der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen fehlen ganze 6.400 Mietwohnungen. Das ist ein Problem: Die Wissenschaftler halten die Wohnungsnot für eine Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, gerade in den Großstädten und Ballungszentren. „Wohnmöglichkeiten und Wohnpreise sind wichtige Standortfaktoren für eine sich immer internationaler orientierende Wirtschaft“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.

Foto: dpa

Platz 5: Köln

Bei den verhassten Nachbarn der Düsseldorfer fehlen sogar 7.000 Wohnungen. Konkret gibt es zu wenig erschwingliche Wohnungen. Für einen Großteil der Haushalte in Deutschland werde das Wohnen finanziell immer belastender. „Einkommen und Wohnkosten laufen immer weiter auseinander“, sagt Matthias Günther.

Foto: dpa

Platz 4: Stuttgart

Bei den Stuttgartern würden 8.000 bezahlbare Mietwohnungen sofort Interessenten finden. Ohne eine neue Wohnbaupolitik kommen aber auch im Ländle Mensch und Wohnung nicht so recht zusammen, so die Experten. Einerseits seien Mieten und Nebenkosten bundesweit deutlich gestiegen, andererseits habe die Zahl einkommensschwacher Haushalte zugenommen. „Ein Ende dieser Entwicklung ist gegenwärtig nicht erkennbar“, so Günther.

Foto: dpa

Platz 3: Hamburg

In der Hansestadt fehlen sogar fast doppelt so viele Wohnungen. 15.000 Mietwohnungen mehr wären in Hamburg nötig, finden die Experten. Damit sich daran etwas ändert, müssten sich die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau deutlich verbessern. Deshalb starteten die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), der Deutsche Mieterbund (DMB), der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) die Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“.

Foto: AP

Platz 2: Frankfurt

Ein trauriger Platz zwei geht an die einwohnerstärkste Stadt Hessens. Rund 680.000 Menschen wohnen in der Bankenmetropole - denen 17.500 Mietwohnungen fehlen. „Der Bund sollte sich seiner Verantwortung für die nationale Wohnungsversorgung wieder bewusst werden. Er muss insbesondere steuerrechtliche Hemmnisse beseitigen und in der Wohnungsbauförderung die Initiative ergreifen, um die neue Wohnungsnot zu lindern“ sagt der Rektor der Bochumer Immobilien-Hochschule EBZ Business School, Volker Eichener.

Foto: dpa/dpaweb

Platz 1: München

Am Schlimmsten ist der Wohnungsmangel in München. In Bayerns Landeshauptstadt leben rund 1,3 Millionen Menschen, die 31.000 Mietwohnungen mehr gut vertragen könnten. Die Verbände hinter der Kampagne „Impulse für den Wohnungsbau“ sind sich sicher, dass eine Erhöhung des jährlichen Abschreibungssatzes auf Mietwohnungen Abhilfe schaffen könnte. Sie schlagen vor, den Eigentümern von Miethäusern vier Prozent Abschreibung zu ermöglichen. Das würde das Vermieten attraktiver machen.

Foto: AP

Eine Möglichkeit wäre es, auf eine andere Börse auszuweichen, nach Frankfurt beispielsweise. Doch auch dort wird derzeit geprüft, den Handel auszusetzen. Andere Handelsplätze folgen in solchen Fällen normalerweise der Empfehlung der Heimatbörse.

WGF hat in der Vergangenheit Privatanleger und kleinere institutionelle Investoren mit sogenannten Hypothekenanleihen angelockt. Die Papiere bieten Zinskupons von fünf bis sechs Prozent und sind mit Grundpfandrechten für Immobilien besichert.

Dabei sammelt die WGF erst das Geld der Anleger ein und investiert es dann in die Immobilien. Zurückgezahlt werden Anleihen mit dem Erlös aus dem Verkauf der entsprechenden Immobilien.

Wie schätzen Immobilienexperten die Entwicklung des Markts für Gewerbe- und Wohnimmobilien in Deutschland ein? Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung (BBSR) ermittelt halbjährlich Expertenmeinungen zu Lage und Entwicklung des Immobilienmarkts. Der WirtschaftsWoche liegen Ergebnisse der Studie exklusiv vor. Befragt wurden Experten in den Metropolregionen Hamburg, München, Berlin, Stuttgart, Düsseldorf-Köln-Bonn, Rhein-Main und dem Ruhrgebiet.

Foto: dpa

Die Experten rechnen sowohl für den Markt für Büroimmobilien als auch für Einzelhandelsflächen im kommenden Halbjahr mit einer sinkenden Zahl an neugebauten Flächen. Für den Einzelhandel geht jeder vierte von weniger Neubauflächen aus, im Bürosegment nur jeder fünfte.

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Der Mietwohnungsneubau hingegen boomt, besonders nach Meinung der Experten, die in Hamburg und Berlin tätig sind.

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Recht pessimistisch sehen die Experten die Entwicklung auf dem Markt für Büroimmobilien. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen sind nur gering. Fast überall erwarten rund vierzig Prozent der Befragten einen Nachfrageeinbruch bei Büroflächen. Im Einzelhandel gehen ebenfalls mehr Befragte von einer rückläufigen Nachfrage nach Verkaufsflächen aus.

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Von steigenden Leerständen vor allem im Büromarkt gehen die Experten besonders in den Regionen Düsseldorf-Köln-Bonn und in der Rhein-Main Region aus.

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Experten aus dem Rhein-Main-Gebiet befürchten dabei öfter als die Befragten der anderen Metropol-Regionen eine sinkende Nachfrage im Büro- ebenso wie im Einzelhandelssegment. Von diesen Konjunktursorgen ist der Mietwohnungsmarkt weit entfernt, denn die Nachfrage nach Wohnraum scheint hoch zu bleiben. Vor allem...

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... für Berlin gehen die Experten davon aus, dass die Zahl leerstehender Neubaumietwohnungen weiter zurückgehen wird. Die Befragten sind für den Mietwohnungsmarkt der Bundeshauptstadt besonders optimistisch. Doch auch im Bereich der Gewerbeimmobilien....

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.... sind die Experten für Berlin deutlich optimistischer als für andere Metropolregionen in Deutschland.

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Eine eindeutige Blaupause für die Konjunkturerwartungen ist die Einschätzung der Mietentwicklung. Hier geben sich die Experten für den Büromarkt pessimistisch - für den Markt für Wohnimmobilien jedoch hoffnungsvoll.

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Mindestens ein Viertel der Experten für Büroimmobilien rechnet mit fallenden Mieten. In der Mainmetropole sind es noch mehr.

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Umgekehrt zeigt sich das Konjunkturhoch im Wohnungsmarkt vor allem dadurch, dass bis zu drei Viertel der Befragten steigende Mieten voraussagen.

Foto: dpa

An der Börse Düsseldorf notieren sechs dieser Immobilienanleihen mit einem Emissionsvolumen von jeweils nominal 50 bis 100 Millionen Euro. Zwei Papiere wurden bereits zurückgezahlt. Zudem hat die WGF noch mit zwei Genussscheinen Kapital bei Anlegern eingesammelt.

Eigentlich hatte sich WGF gegenüber der Börse Düsseldorf verpflichtet, bis zum 1. Juli 2012 den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2011 zu veröffentlichen.

Die Börse hat dem Unternehmen aber die Frist bis zum 30. November verlängert, wie der Handelsplatz auf seiner Website mitteilte. Die Westfälische Grundbesitz hatte bereits beim Geschäftsabschluss für das Jahr 2010 Unregelmäßigkeiten einräumen müssen. Das Unternehmen hatte in seinem Kerngeschäftsfeld, dem Immobilienhandel, 2010 Verlust gemacht.

Die ausgewiesenen Kennzahlen mit einem Umsatz von 123,4 Millionen Euro und einem Gewinn von 12,5 Mio. Euro wurden durch konzerninterne Geschäfte aufgebläht, die sich nicht einfach wiederholen lassen. Dies hatte das Handels- und Investmenthaus gegenüber dem Anlegermagazin „Börse Online“ eingeräumt.

„Einige Zahlen im aktuellen Geschäftsbericht sind vielleicht nicht für jeden auf Anhieb zu verstehen“, sagte damals WGF-Chef Sergio. Er gelobte Besserung und eine höhere Transparenz bei künftigen Jahresabschlüssen. Nun liegt aber gar kein Abschluss vor. Und die Anleger müssen um ihr Geld bangen.

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