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Zschabers Börsenblick
Produktionshalle von Airbus im französischen Colombiers: Mit einer Aktie wie der von Airbus verfügen Anleger über ein verbrieftes Miteigentum an Fabriken, Maschinen und Flugzeugen. Quelle: imago images

Sachwerte erleben einen handfesten Boom

So wie die Pandemie die Wiederentdeckung der Häkelarbeit fördert, sorgt sie am Kapitalmarkt für eine neue Lust an Sachwerten. Aber nicht Gold, Oldtimer oder Kunst stehen im Fokus.

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Anleger sind oftmals wie Pawlowsche Hunde – sie reagieren auf bestimmte Reize immer gleich. Hören sie etwa Krise, kommen ihnen direkt Sachwerte in den Sinn – was vergleichbar ist mit dem Phänomen, dass auf dem Langstreckenflug überraschend vielen Passagieren einfällt, dass sie so unheimlich gerne Tomatensaft trinken. In der aktuellen Pandemie jedenfalls finden Sachwerte wieder ein vermehrtes Interesse bei den Marktteilnehmern.

Überhaupt lässt sich feststellen, dass sich die Menschen in dieser herausfordernden Zeit auf vermeintlich aus der Mode gekommene Dinge besinnen: Durch Lockdown und Ausgangssperre dazu gezwungen, kümmern sich viele um die Verschönerung ihres Eigenheims oder ihres Gartens. Und manch einer entdeckt während des „Hausarrests“ alte Hobbys und Gewohnheiten – Puzzles boomen ebenso wie Häkeln und Radfahren. Das ist ja vielleicht eine der erhellenden Lehren aus der Corona-Zeit: Die Digitalisierung beschleunigt ihren Siegeszug – aber manch ein Vertreter der Old Economy kann durchaus auch profitieren. Womit sich wieder der Kreis zu Sachwerten schließt.

Einfach ist es für Anleger aber gerade nicht, in Sachwerte und damit in etwas „Handfestes“ zu investieren. Zumindest auf den ersten Blick. Da sind zwar beispielsweise geschlossene Fonds, mit denen sich etwa in Schiffe, in Flugzeuge oder in Immobilien investieren lässt. Doch leider sind einige dieser Vehikel in Verruf geraten, unter anderem weil Anleger mit einigen davon einen Totalverlust erlitten haben – ein Risiko, dessen sich Investoren bei solchen geschlossenen Konstruktionen immer bewusst sein sollten.

Gerade für jemanden, der in den vergangenen Monaten wie so viele erstmals seine Lust am Kapitalmarkt entdeckt hat und entsprechend neu an der Börse ist, ist es angesichts der Risiken zu früh, sich mit solchen Instrumenten zu beschäftigen. Hinzu kommt schließlich auch, dass sich die Anteile eines geschlossenen Fonds – im Gegensatz zu denen eines offenen Fonds – nur schwer während der festen Laufzeit veräußern lassen. Und gerade in der Immobilienbranche ist angesichts der derzeitigen Risiken eine lange Bindung nichts, wozu man einem Börsenanfänger raten würde.

Dass zudem Gold zuletzt geschwächelt hat – um rund 15 Prozent hat die Notierung des Metalls der Könige in den vergangenen neun Monaten korrigiert –, macht es nicht einfacher. Dennoch sollten Anleger nicht verzagen. Denn es gibt ihn tatsächlich, den Sachwert, der gut dasteht, der transparent ist und der ganz nebenbei noch eine Menge anderer Stärken hat: die Aktie – sie ist der Sachwert par excellence.

So gibt es börsennotierte Werften, deren Aktien eine mehr als gute Alternative zu einem Engagement in einen geschlossenen Schiffsfonds sind. Oder nehmen wir ganz konkret das Beispiel Flugzeugbau: Mit einem Papier von Airbus gehört dem Anteilseigner ein Teil des Unternehmens – und damit auch ein Teil der Airbus-Flotte – zumindest der Maschinen, die noch nicht an Fluglinien verkauft sind. Ebenfalls im (anteiligen) Besitz des Anlegers: Hangars, Produktionsmaschinen etc.

Oder nehmen wir das Papier des Dax-Konzerns Vonovia. Hier hat der Aktionär einen Anteil an einem großen Portfolio an Wohnungen und Häusern. Und sollten ihm die angesprochenen Risiken des Immobilienmarkts doch zu groß werden, kann er seine Anteile über die Börse jederzeit veräußern, Aktien verfügen schließlich in aller Regel über eine gute Handelbarkeit. Das ist die Fungibilität, von der die Experten sprechen.

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Natürlich sind auch Aktien Risiken ausgesetzt, das bringt schon die Unvorhersehbarkeit der wirtschaftlichen Entwicklung mit sich, wie wir nicht zuletzt derzeit an der Coronakrise und dem unerwarteten Puzzle-Boom sehen. Doch dank der Flexibilität kann sich der Anleger ja jederzeit von dem jeweiligen Papier trennen und sein Kapital in ein anderes umschichten – oder sich komplett aus dem Markt zurückziehen. Auch das ist eine Stärke des Anlageinstruments Aktie: Es gibt keine Laufzeit – und gezwungen wird zum Aktienkauf auch niemand.

Also, denken Sie mal über Aktien nach – spätestens, wenn Sie mal wieder bei einem Glas Tomatensaft im Flieger sitzen.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

Mehr zum Thema: Vermögensverwalter richten die Portfolios ihrer Kunden auf höhere Inflation aus. So können Privatanleger es den Profis nachmachen.

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