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Baugenehmigungen für Wohngebäude sinken Darum steigen die Mieten trotz allem unaufhaltsam

Quelle: dpa

Obwohl der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum in Deutschland groß ist, zeigen neue Auswertungen nachlassende Bautätigkeit. Das ist ein Problem.

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Noch immer boomt der Immobilienmarkt, die Preise für Wohneigentum klettern in fast ganz Deutschland Jahr für Jahr. Die weiter fallenden Bauzinsen sorgen für eine anhaltend hohe Nachfrage, sowohl seitens der Privathaushalte als auch von Investoren.

Das Problem: Das Angebot an Immobilien bleibt deutlich hinter der Nachfrage zurück. So steigen Kaufpreise und Mieten immer weiter.

Um den Preisauftrieb zu bremsen, müsste das Immobilienangebot wachsen – und dafür bräuchte es mehr Neubauten. Doch gerade ist der Trend gegenläufig: Die Zahl der Baugenehmigungen für neuen Wohnraum sinkt. Das geht aus Auswertungen hervor, die das Statistische Bundesamt am Donnerstag veröffentlicht hat. Demnach sank die Zahl der Baugenehmigungen für neu zu bauende Wohngebäude in den ersten sieben Monaten des Jahres um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Konkret bedeutet das, dass 169.788 neue Wohnungen genehmigt wurden – 7300 weniger als im gleichen Zeitraum 2018.

Ein Rückgang ist aber genau das Gegenteil dessen, was nötig wäre, um auf dem Wohnungsmarkt für Entspannung zu sorgen. Dass bei den neu zu bauenden Wohngebäuden zugleich der umbaute Raum um fünf Prozent abnahm, deutete darauf hin, dass der geplante Wohnraum auch noch kleiner ausfällt, als die reine Zahl der Baugenehmigungen vermuten ließe.

Dabei sind sich Politik und Bauwirtschaft im Grunde einig darüber, dass in Deutschland jährlich zwischen 350.000 und 400.000 neue Wohnungen gebraucht werden, um Angebot und Nachfragen mittelfristig wieder in Einklang zu bringen.

Die Immobilienwirtschaft will die Schuldigen für die Situation bereits ausfindig gemacht haben: Der Verband der Immobilienwirtschaft ZIA kritisiert die Ineffizienz und Säumigkeit der politischen Entscheidungsträger scharf. „Ziemlich genau ein Jahr nach dem Wohngipfel bastelt die Politik weiterhin an den Symptomen herum, statt die Probleme beim Schopf zu packen“, ärgert sich ZIA-Präsident Andreas Mattner. Und Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen beklagt, dass insbesondere beim wichtigen Wohnungsneubau in den Metropolen der Rückgang der Baugenehmigungen am größten sei. „Neue Wohnungen können nur geplant werden, wenn man auch weiß, wo man sie bauen soll.“

Tatsächlich ist der Mangel an Baugrundstücken in den Ballungsräumen eine der Hauptursachen dafür, dass der Wohnungsneubau hinter der Nachfrage zurückbleibt. Hohe Immobilienpreise und fehlende Kapazitäten in den Handwerksbetrieben verstärken das Defizit zusätzlich.

Dabei hatte der Wohngipfel im Kanzleramt vor einem Jahr ein ganzes Bündel an Maßnahmen beschlossen, um die Lage zu entspannen, beispielsweise durch Steuervorteile wie die schnellere Abschreibung der Baukosten. Die Maßnahmen sollten dazu führen, dass jährlich 375.000 neue Wohnungen in Deutschland entstehen. In diesem Jahr könnte die Zahl nun sogar unter die von der Bauindustrie erwarteten 300.000 Neubauwohnungen fallen.

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass selbst das neue Baukindergeld kaum in Neubauten, sondern vor allem in bestehende Gebäude fließt. Neuer Wohnraum so nicht entsteht. „Wo ist die Erhöhung der linearen AfA? Wo ist die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung? Wo sind die Umsetzungen für schnelleres Bauen und Planen“, fragt sich ZIA-Präsident Mattner.

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