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Immobilientag Die heillos überschätzte Enteignungs-Debatte

Enteignungsphantasien waren schon lange nicht mehr so en vogue wie heute Quelle: imago images

Enteignungen sind derzeit in der Debatte omnipräsent, als Wunschtraum wie als Schreckensszenario. Allein: Die Realität scheint sich nicht darum zu scheren. Immobilien bleiben attraktiv – und auch die meisten Deutschen lehnen Enteignungen ab.

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Am morgigen Donnerstag werden sich Politiker, Immobilienvertreter und Prominente beim deutschen Immobilientag die Klinke in die Hand geben. Es geht um Wohnungsmangel, Mietpreisdeckel und sicher auch um Enteignungen. Die sind omnipräsentes Thema, nicht nur seit Demonstranten in Berlin, sondern auch eine wachsende Zahl an Politikern sich vorstellen können, zumindest große Wohnkonzerne ihrer Immobilien zu entledigen.

Doch so aufgeregt diese Debatte geführt wird, so unaufgeregt ist die Realität. Das legen zumindest zwei Studien nahe, die im Vorfeld des Immobilientages veröffentlicht werden: Die Beratungsagentur Ernst & Young (EY) hat Versicherungen nach ihren Immobilieninvestments befragt.

Fast gleichzeitig veröffentlicht der Immobilienverband ZIA eine Civey-Umfrage, bei der normale Bürger ihre Meinung zu Enteignung, Mietdeckel und Co. abgeben konnten. Das Ergebnis weckt den Eindruck, dass die Demonstranten in Berlin nicht unbedingt den breiteren Willen des Volkes abbilden.

Zwei von drei Befragten lehnen laut der Umfrage Enteignungen ab, knapp 44 Prozent sogar vehement. Ein weiteres Ergebnis, das den ZIA freuen dürfte: Die Mehrheit der Befragten denkt, dass der Staat im Wohnungsbau nicht besser ist als private Unternehmen. Eine ähnlich große Mehrheit will, dass private Investoren eine aktive Rolle bei der Schaffung von Wohnraum spielen sollen.

Die Lust auf staatliche Dominanz ist also sichtlich begrenzt. Viele Befragte fürchten zudem, dass Instrumente wie der Mietpreisdeckel, den Berlin jetzt einführt, zu weniger Neubauten und damit zu größerer Wohnungsnot führen könnte.

Dies ist ein Argument, das auch die Immobilienwirtschaft immer wieder gerne ins Feld führt: Angesichts all der Enteignungs-Drohungen und Miet-Beschneidungen werde sich bald keiner mehr finden, der freiwillig in Deutschland in Immobilien investiere, schon gar nicht in Berlin.

Doch, und das zeigt die zweite Umfrage, auch dieses Schreckensszenario ist weit von der Realität entfernt. Zumindest, wenn man die Versicherungswirtschaft als Indikator nimmt. Wie die Umfrage der Beratungsagentur Ernst & Young (EY) zeigt, ist die Immobilienquote der Versicherer auf 10,3 Prozent gestiegen. Damit ist sie erstmals zweistellig. „Dieser Höchststand der Immobilienquoten der Versicherer spiegelt die herausgehobene Rolle wider, die Immobilienanlagen in Zeiten eines risikolosen Zinses nahe null eingenommen haben“, erklärt Dietmar Fischer, Partner bei EY Real Estate und Autor der Studie.

Die Versicherungen halten dabei sowohl direkt als auch indirekt Immobilien. Knapp zwei Drittel des Geldes fließen in direkt physische Gebäude, knapp ein Drittel indirekt, vor allem in offene Immobilienfonds. Dabei steigt laut EY wegen der großen Konkurrenz die Risikobereitschaft.

Der Versicherer liebstes Investmentobjekt ist das Bürogebäude – keine der Versicherungen investiert nicht in diesen Gebäudetyp. Auch das Interesse an Logistikimmobilien steigt, knapp drei von vier Versicherungen nennen sie als ihren Fokus. Noch interessanter: Wohngebäude sind sogar zweitliebstes Immobilieninvestment mit ebenfalls drei von vier Versicherungen.

Zum Zeitpunkt der Umfrage war der Berliner Mietendeckel zwar noch nicht beschlossen, doch die Diskussion um Enteignungen und verschärfte Mietpreisbremsen schon in vollem Gange. Beeindruckt hat die Versicherungen all das offensichtlich wenig: Sieben von zehn Befragten geben an, ihre Immobilienquote weiter erhöhen zu wollen.

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