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Mietendeckel So viel könnten Berliner Mieter sparen

Die WirtschaftsWoche hat berechnet, welche monatliche Mietersparnis im Durchschnitt einzelner Berliner Stadtteile durch den Mietendeckel entstehen könnte. Quelle: imago images

Der in Berlin geplante Mietdeckel mag rechtlich heikel und wirtschaftlich höchst umstritten sein. Fakt ist: Mieter könnten so teils über 500 Euro im Monat sparen. Das zeigt eine interaktive Grafik der Stadtteile.

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85 Prozent der Berliner wohnen zur Miete. Die meisten Hauptstädter dürften den geplanten Mietendeckel daher begrüßen, zumindest mit Blick in ihren Geldbeutel. Denn wenn die von Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) in einem Entwurf vorgesehenen Eckpunkte wirksam würden, würden sie viel sparen. Das zeigt ein Blick auf die Daten zum lokalen Immobilienmarkt.

Die WirtschaftsWoche hat auf Basis von Neuvertragsmieten von 2018 des Immobilienportals Immobilienscout24 berechnet, welche monatliche Mietersparnis im Durchschnitt einzelner Stadtteile realistisch ist. Das beeindruckende Ergebnis: Im Schnitt aller Stadtteile sparen Mieter einer 80-Quadratmeter-Wohnung 253 Euro im Monat, im Stadtteil Mitte wären es über 550 Euro.

Die Berechnung hat Unschärfen: Tatsächlich sieht der jetzige Entwurf Obergrenzen je nach Jahr des Erstbezugs und der Ausstattung vor, Zuschläge für Modernisierungen sind in begrenztem Umfang möglich. Außerdem soll die Miete bei Bestandsimmobilien (also kein Neubau) nicht über das zum Stichtag 18. Juni geltende Niveau hinaus angehoben werden dürfen – selbst unterhalb der Obergrenzen. Die genutzten Mietdaten von Immobilienscout24 beziehen sich auf eine 30 Jahre alte Wohnung mittlerer Ausstattung mit 80 Quadratmetern, um so die Daten unterschiedlicher Stadtteile (etwa Grunewald mit vielen Villen und Marzahn mit einigen Plattenbauten) vergleichbar zu machen. Dafür werden auch die Daten anderer Objekte entsprechend umgerechnet, um daraus das reine Preisniveau (bei gleicher Art und Qualität der Immobilie) abzuleiten. Angesetzt wurde jeweils die laut Immobilienscout 2018 aufgerufene Neuvertragsmiete im Schnitt des Stadtteils.


Bei einer 30 Jahre alten Wohnung würde gemäß Lompschers Entwurf eine Obergrenze für die Nettokaltmiete von 7,24 Euro je Quadratmeter im Westen Berlins und von 5,64 Euro je Quadratmeter im Osten Berlins gelten. Die Ausstattung würde bei diesem Baujahr keine Rolle spielen.

Unsere Berechnung basiert daher stets auf der Differenz der durchschnittlichen Neuvertragsmiete zur jeweiligen Obergrenze (7,24 Euro beziehungsweise 5,64 Euro). Der Wert wurde auf die 80 Quadratmeter hochgerechnet. Der höchste Wert ergibt sich so im Stadtteil Mitte: 552,80 Euro je Monat könnten Mieter hier sparen. Denn 2018 verlangten Vermieter im Schnitt des Stadtteils eine Nettokaltmiete von 12,55 Euro pro Quadratmeter. Zulässig wäre bei der 30 Jahre alten Wohnung gemäß des geplanten Mietendeckels aber nur noch eine Miete von 5,64 Euro. Denn der Stadtteil Mitte zählte früher zum Osten Berlins. Die Differenz zwischen tatsächlich verlangter und zulässiger Miete liegt damit bei 6,91 Euro pro Quadratmeter. Auf 80 Quadratmeter bezogen ergibt sich so die Ersparnis für Mieter von 552,80 Euro monatlich. Mieter müssten nur einen Antrag stellen, damit ihre Miete auf das neue Niveau reduziert wird.

Im Einzelfall kann die Ersparnis noch viel größer sein: Einzelne Top-Mieten liegen weit über den Durchschnittswerten der jeweiligen Stadtteile.

Doch bevor Mieter sich zu sehr freuen, sei gesagt: Der aktuell diskutierte Mietendeckel stellt nur einen Entwurf dar. Viele Experten halten es für extrem unwahrscheinlich, dass diese Fassung tatsächlich umgesetzt wird. Auch rechtlich halten viele sie für nicht haltbar.

Dieser Artikel enthält eine interaktive Infografik. Sollte Sie bei Ihnen nicht oder nicht korrekt angezeigt werden, klicken Sie bitte hier.

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