1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Immobilien
  4. Fernwärme: Wirtschaftsminister Robert Habeck muss den Druck erhöhen!

Teure FernwärmeHabeck muss den Druck erhöhen!

Die deutschen Fernwärmeanbieter wollen transparenter werden und planen eine Vergleichsplattform. Das reicht aber nicht: Ohne staatlichen Eingriff wird Fernwärme zu teuer bleiben. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Martin Gerth 13.02.2024 - 13:07 Uhr

Kraftwerke, die wie in Leipzig mit Wasserstoff Fernwärme erzeugen, sind noch eine Ausnahme.  

Foto: dpa

Die Kritik an der mangelnden Transparenz von Fernwärmepreisen wirkt – zumindest auf den ersten Blick. So kündigt der Verband der Fernwärmeanbieter AGFW für dieses Frühjahr eine Transparenz-Plattform an. Auf dieser Plattform sollen typische Beispielfälle von Fernwärmekunden im Vergleich dargestellt werden. Zudem wollen die Anbieter die Anteile der verwendeten Fernwärmequellen sowie Preisanpassungszyklen offenlegen.

Die Fernwärmebranche verkauft die geplante Plattform als Gamechanger. „Die Wärmeversorgungsunternehmen in Österreich und Dänemark haben mit der Veröffentlichung ihrer Wärmepreise auf einer zentralen Transparenzplattform sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Werner Lutsch, Geschäftsführer des AGFW. Sie habe in der Energiekrise das Vertrauen in die Preisentwicklung gestärkt.  

Dass eine Transparenzplattform kommen soll, ist an sich eine gute Nachricht. Denn bisher war Fernwärme für die Kunden weitgehend eine Blackbox. Allerdings bleibt ein großes Aber. Denn eine Transparenzplattform, wie sie die Fernwärmebranche plant, löst nicht das größte Problem dieser Energie. Es fehlt nach wie vor eine Regulierung, die verhindert, dass kommunale Fernwärmeanbieter über ihre Preispolitik Gewinne abschöpfen, mit denen sie andere öffentliche Dienstleistungen subventionieren.

Teure Fernwärme

„Vermieter müssen im Extremfall die Fernwärme-Rechnung übernehmen“

Die Preispolitik der Fernwärmeanbieter ist umstritten. Kommunen stehen in der Kritik, die Energie künstlich zu verteuern. Die Kripo ermittelt schon. Energierechtsexperte Werner Dorß mahnt Reformen an.

von Martin Gerth

Experten fordern seit langem, dass sich die Preisanpassungsklauseln möglichst nah an den Kosten der tatsächlich verbrauchten Wärmequellen orientiert. Stattdessen wenden die Fernwärmeversorger derzeit noch komplexe Formeln mit Preisindizes an, die kaum ein Kunde durchschaut. Die abgerechneten Brennstoffe entsprechen nicht den Anteilen der Wärmequellen. Allein dadurch bleibt der Verdacht, dass auf Kosten der Kunden bei der Preisanpassung getrickst wird.  

Noch ist die Transparenzplattform nicht am Start. Ein abschließendes Urteil lässt sich daher noch nicht abgeben. Es ist auch nicht absehbar, ob die neue Offenheit auch die Preispolitik der Fernwärmeversorger verändern wird. Denn anders als bei Strom oder Gas lassen sich die Kosten von Fernwärme nicht so einfach vergleichen. Die kommunalen Netze sind unterschiedlich groß, setzen andere Technologien und Wärmequellen ein. Zudem ist der Sanierungsbedarf der Fernwärmnetze verschieden groß. 

Unabhängig davon, wie die Plattform aussehen wird, wirft der Zeitpunkt der Transparenzoffensive Fragen auf. Derzeit laufen mehrere Musterklagen gegen Fernwärmeanbieter. Auch das Bundeskartellamt nimmt deren Preispolitik unter die Lupe. Insofern wirkt der Vorstoß wie ein erzwungener Schritt. Erst der Druck von Behörden und Gerichten scheint die Fernwärmeversorger zum Handeln bewegt zu haben.

Wirtschaftsminister Robert Habeck hat für den Sommer Reformen bei der Fernwärme angekündigt. Details stehen derzeit noch nicht fest. Die Bundesregierung sollte jedoch den Druck erhöhen. Denn ohne eine kostenorientierte Preispolitik wird die Fernwärme keine Akzeptanz bei den Kunden erreichen. Die privaten Haushalte sind ohnehin schon durch das handwerklich schlecht gemachte Gebäudeenergiegesetz verunsichert. Und ohne den Ausbau der kommunalen Fernwärmenetze wird die Energiewende wohl scheitern. 

Lesen Sie auch: Werden demnächst E-Autos und Wärmepumpen beim Stromverbrauch abgeregelt?

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick