Federal Reserve: Dieser Mann könnte der nächste US-Notenbankchef werden
Die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed bröckelt. Am Montag nannte US-Präsident Donald Trump auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social den Notenbankchef Jerome Powell „Mr. Zu Spät“ und „großen Loser“. Am liebsten wäre Trump Powell jetzt schon los, obwohl die Amtszeit des Fed-Präsidenten erst im Mai 2026 endet. Trumps Problem mit Powell: Der US-Präsident will niedrigere Zinsen – und Powell weigert sich bisher, die Leitzinsen zu senken. Die nächste Möglichkeit für eine Zinssenkung wäre die Fed-Sitzung am 7. Mai.
Anleger sehen Trumps Angriffe auf den Fed-Chef mit Sorge. Anders als in Deutschland waren die Börsen in den USA am Ostermontag geöffnet. Anleger reagierten an diesem Tag auf Trumps Ausfälle gegen Powell mit einem Verkauf von US-Aktien. Amerikanische Indizes wie Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq 100 sackten jeweils um gut zwei Prozent ab. Die Sorge vor einem Angriff auf die Unabhängigkeit der Notenbank ließ auch den Dollar weiter abwerten.
Es ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, dass Trump Powell vor dessen regulärem Amtszeitende schasst. Ein möglicher Nachfolger stünde schon bereit: Kevin Warsh. Dieser gilt seit Längerem als Trumps Favorit für das Amt des Notenbankchefs. Schon im November 2024 berichtete das „Wall Street Journal“, dass Trump Warsh als Finanzminister in Betracht ziehe, um ihn später dann als Notenbankchef zu nominieren. Wer ist der Mann?
Mister Zweite Wahl
Kevin Maxwell Warsh, Jahrgang 1970, ist derzeit als Gastdozent für Wirtschaftswissenschaften an der US-Eliteuni Stanford tätig, außerdem als Berater für die Gesellschaft von US-Investor Stanley Druckenmiller. Finanzminister unter Trump wurde er dann doch nicht – diesen Posten bekam Scott Bessent. Es ist schon das zweite Mal, dass Trump Warsh zumindest vorerst überging: 2018 hatte er sich noch für Powell als Fed-Chef ausgesprochen.
Zumindest unter George W. Bush Jr. durfte Warsh schon einmal die erste Geige spielen. Der damalige US-Präsident nominierte den schon vorher für ihn als Berater tätigen Warsh im Februar 2006 als Gouverneur der Fed. Bis März 2011 war Warsh in dieser Rolle Vertreter des Direktoriums in der G-20 und Abgesandter in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens.
Warsh hat also Erfahrung. Er hat bereits einen US-Präsidenten beraten, saß fünf Jahre lang im Vorstand der US-Notenbank und arbeitete zeitweise bei der Investmentbank Morgan Stanley. Wegen seiner Erfahrung wird er auch durchaus geschätzt. Zum Beispiel von Mohamed El-Erian, dem ökonomischen Chefberater des Versicherungskonzerns Allianz: Im Interview mit dem US-Nachrichtensender Fox Business sagte El-Erian, Warsh wäre ein „großartiger“ Fed-Chef. Er könne besser kommunizieren als Powell.
Der Vernünftige?
Warsh selbst soll laut „Wall Street Journal“ Trump geraten haben, Powell nicht zu feuern. Ein solcher Schritt würde die Unabhängigkeit der Fed infrage stellen. Ein harter Verfechter von deren Freiheit ist Warsh gleichwohl nicht: Er betonte einmal, die Fed bleibe in geldpolitischen Fragen „dem Willen des Volkes unterworfen“. Damit macht er deutlich, dass die Notenbank geldpolitisch relevante Gesetze des republikanisch dominierten Kongresses hinzunehmen habe. Damit verpackte Warsh eine mögliche Schwächung der Fed immerhin diplomatischer, als es Trump zuletzt tat.
Gegenüber Trump zeigte sich Warsh in dessen erster Amtszeit zeitweise kritisch. In einem Gastbeitrag für das „Wall Street Journal“ schrieb Warsh 2018 einen Kommentar zum Bitcoin. Darin machte er deutlich, dass er die von Trump schon damals angekündigten Handelsbeschränkungen kritisch sieht. „Wirtschaftlicher Isolationismus würde unseren wirtschaftlichen Wachstumsaussichten großen Schaden zufügen“, schrieb er.
Heute rudert Warsh zurück, wie viele einstige Trump-Kritiker. Die jüngsten Zollankündigungen bezeichnete er Mitte März in einem Interview mit Fox Business als Schritt in die richtige Richtung. Die Zölle wirkten nicht inflationär, erklärte er. Powell sieht das anders. Will sich Warsh die Chance auf den Chefposten bei der Fed nicht verscherzen?
Was Warsh als Fed-Chef umsetzen könnte
In seinem Beitrag aus dem Jahr 2018 gab Warsh auch einen Ausblick darauf, was Anleger von ihm als Fed-Chef erwarten können: die Einführung einer eigenen digitalen Währung. Trump kündigte im März an, eine staatliche Krypto-Reserve aufzubauen. Warsh könnte den Fokus auf eine eigene digitale Zentralbankwährung lenken.
Eins ist losgelöst von seinen bisherigen Äußerungen klar: Warsh wäre kein Zentralbankchef, der unabhängig die Geldpolitik der USA lenkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er Trumps Willen ausführen würde, ist hoch. Für Anleger hieße das wohl in erster Linie: sinkende Leitzinsen.
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