Überweisungsträger Falsch gesetzte Kommata können teuer sein

Beim Ausfüllen von Überweisungen sollte man sorgfältig sein: Wegen eines verrutschten Kommata hat eine Frau in Rheinland-Pfalz knapp 450 Euro für eine gebrauchte Kinderhose bezahlt - statt der eigentlichen zehn Euro.

Die dümmsten Bankenpannen
Unter einer Lupe sind mehrere Kontoauszüge zu sehen Quelle: dpa
Weil ein Angestellter der Frankfurter Volksbank bei der Arbeit kurz einschlief, wäre ein Rentner beinahe um 222.222.222,22 Euro reicher gewesen, berichtet " Spiegel Online". Der Mann blieb mit dem Finger auf der "2" hängen und wies so statt 62,40 Euro mehr als 222 Millionen Euro an. Selbst bei einer Prüfung, die für alle Überweisungen jenseits von 100.000 Euro fällig ist, fiel der Fehler nicht auf. Erst ein dritter Mitarbeiter bemerkte, dass da irgendwas nicht stimmen kann, und stoppte die Überweisung. Pech für den Rentner, Glück für die Bank - denn die wäre im Zweifelsfall auf dem Schaden sitzen geblieben. Und die Geschichte wird noch kurioser: Denn der Mann, dem der Vertipper unterlief, war gar nicht befugt, die Beträge zu ändern. Er sollte lediglich die Bankleitzahl prüfen. Die Mitarbeiterin, die die Überweisung nicht genau genug prüfte, verlor ihren Job - konnte sich aber mittlerweile erfolgreich zurück ins Unternehmen klagen. Quelle: Fotolia
Ein indische Oberschullehrer wurde über Nacht zum Milliardär. Grund war eine Fehlbuchung seiner Bank. Statt der erwarteten Zinszahlung von umgerechnet 150 Euro sah er plötzlich ein Guthaben von 496 Milliarden Rupien (7,5 Milliarden Euro) auf seinem Kontostand. Die betroffene Bank erklärte, es sei unklar, wie es zu dem Irrtum kam. Quelle: dapd
Während sich der Inder für einen Tag als Milliardär fühlen konnte, traf den dänischen Elektriker Dennis Pallesgaard bei der Kontrolle seiner Kontoauszüge fast der Schlag: Statt der erwarteten Abbuchung von 3.200 Kronen für eine Hypothek, wies die Bank einen Fehlbetrag von rund 63 Milliarden dänischer Kronen aus (etwa 8,5 Milliarden Euro). Der Grund für die Panne war schnell gefunden. Statt der Abbuchungssumme war die Kontonummer von seinem Konto abgezogen worden. Quelle: dpa/dpaweb
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau wurde von der Bild-Zeitung als "Die dümmste Bank Deutschlands" verspottet. Grund dafür: Die staatseigene Förderbank überwies am Morgen des 15. September 2008, einem Montag, der Investmentbank Lehman Brothers knapp 320 Millionen Euro. Die vereinbarte Gegenzahlung von 500 Millionen Dollar bleibt aus. Lehman hat in der Nacht zuvor Insolvenz angemeldet. In der KfW hat dies niemand rechtzeitig bemerkt, obwohl Onlinemedien in der Nacht Eilmeldungen sendeten. Rund 200 Millionen Euro holt sich die KfW später über Umwege zurück, der Rest ist wohl für immer verloren. Quelle: dapd
Einen Mordsschreck versetzte die Bank of America ihrer Kundin Tanya Forister. Ihr Kontostand wies ein Minus von drei Millionen US-Dollar aus. Die Bank sperrte umgehend alle Konten. Für die arbeitslose alleinerziehenden Mutter ein Desaster. Obwohl eindeutig war, dass der Fehler wohl nicht bei der Kundin lag, verwehrte ihr die Bank zunächst den Zugriff. Die Sache müsse erst aufgeklärt werden, so das Statement der Bank. Forister protestierte heftig und bekam schließlich wieder Zugriff auf eines der Konten. Wie es zu der Panne kam, ist nicht bekannt. Quelle: REUTERS
Die Westpac Bank machte im Jahr 2009 einen Neuseeländer versehentlich zum Millionär. Sie überwies irrtümlich zehn Millionen Neuseeland-Dollar (6,2 Millionen Euro). Der Mann brannte mit dem Geld und seiner Lebensgefährtin durch. Erst nach zwei Jahren Flucht schnappten Beamten das Pärchen als es nach Hong Kong einreisen wollte. Quelle: REUTERS
Die Onlinebank Comdirect überwies aus Versehen 200 Millionen Euro an einen Kunden in Hessen. Der Mann überwies noch in der Nacht zehn Millionen Euro auf das Girokonto seiner Hausbank. Comdirect berechnete ihm für den ihr dann fehlenden Betrag 14,4 Prozent Zinsen – rund 12 000 Euro, die sie von seinem Konto einbehielt. Zu Unrecht wie ein Gericht urteilte. Der Hesse soll den Betrag samt Zinsen zurückbekommen. Quelle: dpa
Die Panne bei der verstaatlichten Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) schlug Wellen bis in die höchsten Politikkreise. 55 Milliarden Euro wurden falsch verbucht, weil die Banker "plus" und "minus" verwechselten. Auch die deutschen Staatsschulden waren deshalb zu hoch angesetzt worden. Quelle: dapd
Eine unschöne Überraschung erlebte eine Ehepaar aus Bayern im Italienurlaub. Als der Vater am Geldautomat einige Scheine ziehen wollte, zog das Gerät die Karte ein. Dasselbe wiederholte sich bei der Karte der Mutter. Erst nach der Rückkehr erfuhren die beiden, was vorgefallen war. Das Finanzamt wollte eigentlich das Konto des Sohnes pfänden - wegen einer Schuld von gerade mal 103 Euro. Die Bank übermittelte jedoch fälschlicherweise die Bankdaten der Eltern. Die Bank sperrte daraufhin das gesamte Guthaben sowie die drei EC-Karten des Ehepaares. Der Fiskus lehnte Schadenersatz und Schmerzensgeld für den verpfuschten Urlaub ab. Quelle: AP
Ein ähnliches Schicksal ereilte den Kunden einer Freiburger Bank. Das Finanzamt hatte vor dem Wochenende die Sperrung des Kontos veranlasst, weil Steuern nicht bezahlt worden waren. Das darf der Fikus auch ohne den Betroffenen zu benachrichtigen. Peinlich nur, dass der betreffenden Bankkunde gar keine Schulden hatte, er war Opfer einer Verwechslung geworden. Quelle: dpa
Grund zum Jubeln hat ein Steuerzahler aus dem Saarland. Statt 400 Euro hatte ihm das Finanzamt versehentlich 85.000 Euro zurückerstattet. Der Mann hatte den Fehler gegenüber dem Finanzamt verschwiegen - und darf das Geld nun behalten, wie der Bundesfinanzhof entschied. Danach profitierte der Mann von der Schlafmützigkeit des Amts, das seinen Fehler erst bei einer Revision acht Jahre später bemerkte und das Geld zurückforderte. Derartige Rückforderungsansprüche verjähren aber schon nach fünf Jahren. Quelle: Fotolia

Das Amtsgericht Trier musste sich kürzlich mit einer gebrauchten Hose für Kinder beschäftigen, die durch ein Versehen statt für zehn für 1000 Euro den Besitzer wechselte. Für 9,50 Euro hatte eine Frau in Rheinland-Pfalz eine gebrauchte Kinderhose über eine Internetplattform gekauft und wollte dann aus Freude über das Schnäppchen zehn Euro an den Verkäufer überweisen. Allerdings füllte sie die Überweisung unsauber aus, beim automatischen Einlesen des Überweisungsauftrages wurde das Komma nicht erfasst. So erhielt die Verkäuferin nicht zehn, sondern 1000 Euro. Auf den Fehler wurde die Käuferin zwar zweimal hingewiesen - allerdings erfolglos, weil sie die Mail wohl nicht genau genug gelesen hatte.

So schrieb die Verkäuferin nach dem Zahlungseingang folgende E-Mail:

"Hallo,

die Zahlung ist eingegangen, allerdings haben sie sich vertan. Sie haben mir statt 9,50 Euro, sage und schreibe 1000 Euro überwiesen. Wenn ich das nicht als Trinkgeld verstehen soll, schicken Sie mir doch bitte Ihre Bankverbindungsdaten, damit ich Ihnen das Geld zurücküberweisen kann ;-)

Liebe Grüße“

Die Klägerin, die diese E-Mail wohl nicht richtig gelesen hat, antwortete:

„Nein, das passt schon so ;-)“

Die Beklagte bedankte sich noch einmal mit den Worten:

„Hallo nochmal,

Ich bin gerade ein wenig sprachlos über soviel Großzügigkeit. Ich meine, ich will mich nicht beklagen, ich bin eine arme Studentin und kann das Geld wirklich gut gebrauchen. Aber darf ich den Grund für ihre Großzügigkeit erfahren?

Liebe Grüße“

In Arbeit
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Als der Kundin beim Prüfen ihrer Kontoauszüge bemerkte, wie viel Geld von ihrem Konto abgegangen war, forderte sie von der Verkäuferin 990 Euro zurück. Diese hätte nicht ernsthaft davon ausgehen können, dass jemand 1000 Euro für eine gebrauchte Kinderhose zahle, obwohl der Kaufpreis bei 9,50 Euro gelegen habe. Allerdings hatte die Verkäuferin das Geld bereits ausgegeben und konnte es nicht zurückzahlen, weshalb der Fall vor Gericht landete. Erst dort einigten sich beide auf rund die Hälfte des eingeklagten Betrags von 990 Euro. (31 C 422/13)

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