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Frührente oder länger arbeitenWie viel Rente Sie später bekommen

Die gesetzliche Rente ist für die meisten Angestellten die Basis ihrer Altersvorsorge: Mit wie viel Geld Sie rechnen dürfen, ob der vorzeitige Ruhestand machbar ist und was es extra gibt, wenn man länger arbeitet.Niklas Hoyer 12.11.2015 - 13:49 Uhr aktualisiert

Welche Rente uns im Alter erwartet, lässt sich nur unter Vorbehalt prognostizieren. Für eine Rentenplanung reicht es dennoch.

Foto: Getty Images

Sie wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen: die jährliche "Renteninformation". Da mögen Crashpropheten den nahenden Zusammenbruch des Finanzsystems ausrufen, die Deutsche Rentenversicherung kann uns verlässlich mit zwei Nachkommastellen unsere in zehn, 20 oder auch 30 Jahren gezahlte Rente berechnen. Einmal im Jahr flattert das Schreiben ins Haus - natürlich in den Post-Briefkasten und nicht ins E-Mail-Postfach. Wie beruhigend!

Auch wenn die Zahlen unter Vorbehalt zu studieren sind, bilden sie tatsächlich eine gute Ausgangsbasis für die eigene Vorsorgeplanung. Was also steckt dahinter? Wie kommen die Zahlen zustande? Was sagen sie aus - und was nicht?

Durchschnittsrenten

Laut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen.

Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016

Foto: dpa

Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten Renten

Die Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten.

Aktuell bekommen männliche Rentner:

in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat

in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat

in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat

in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat

in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat

in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat

in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat

in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat

in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat

in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat

in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat

im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat

in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat

in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat

in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat

in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat

Foto: AP

Frauen mit deutlich weniger Rente

Frauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz.

Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente:

in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat

in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat

in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat

in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat

in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat

in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat

in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat

in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat

in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat

in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat

in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat

im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat

in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat

in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat

in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat

in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat

Foto: dpa

Beamtenpensionen deutlich höher

Staatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent.

Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro.

Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro.

Foto: dpa

Rentenerhöhung

Im Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent.

Foto: dpa

Reserven der Rentenkasse

Dabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen.

Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können:

Foto: dpa

Abweichungen vom Standardrentner

Wer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt.

Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro.

Foto: Fotolia

Durchschnittsrente Ost nach Arbeitsjahren

In den neuen Bundesländern liegt die Rente nach 45 Arbeitsjahren und durchschnittlichem Lohn bei 1217 Euro.

Für 40 Jahre in Arbeit gibt es aktuell 1082 Euro. Bei 35 Jahren sind es in den neuen Bundesländern 947 Euro.

Foto: Fotolia

Halbtags arbeiten erhöht das Armutsrisiko

Je nach Verdienst, kann die Rente aber stark schwanken. Wer etwa im Berufsleben auf die Hälfte vom Durchschnittsverdienst kam, dessen Rentenansprüche halbieren sich auch. In den alten Bundesländern wären das aktuell nach 45 Berufsjahren 657 Euro. In den neuen Bundesländern bei gleicher Arbeitszeit 609 Euro.

Foto: dpa

Maximale Rentenhöhe für Gutverdiener

Umgekehrt verdoppelt sich die Rente, wenn der Lohn während des Arbeitslebens über der Bemessungsgrenze lag. In den alten Bundesländern könnte ein Vielverdiener so auf 2628 Euro kommen. In den neuen Bundesländern sind theoretisch bis zu 2434 Euro drin.

Foto: dapd

Die Berechnung der späteren Rente ist weniger kompliziert als gedacht. Grundsätzlich bemisst sich die Höhe nach den bis Ruhestandsbeginn gesammelten Rentenpunkten. Pro Beitragsjahr bekommen Angestellte in der gesetzlichen Rentenversicherung Punkte gutgeschrieben. Wer 2015 knapp 35.000 Euro brutto verdient hat - das entspricht dem Durchschnitt -, bekommt dafür einen Punkt. Bei rund 70.000 Euro wären es zwei Punkte. Bei der Beitragsbemessungsgrenze von 72.600 Euro (Ost: 62.400 Euro) ist Schluss. Auf jeden weiteren Einkommenseuro fällt kein Beitrag zur Rentenversicherung mehr an. Dafür bringt er eben auch keine Rentenpunkte.

Doch was bringen die Rentenpunkte? Im Moment bekommen Rentner in den alten Bundesländern pro Punkt 29,21 Euro Monatsrente (Ost: 27,05 Euro). 45 Beitragsjahre mit dem jeweiligen Durchschnittseinkommen hätten Rentnern in den alten Bundesländern 1314 Euro Rente pro Monat gebracht, 30 Jahre mit dem doppelten Durchschnittseinkommen für 1753 Euro gereicht. So gerechnet sind selbst bei besonders gut verdienenden Angestellten kaum mehr als 2500 Euro späterer Rente möglich. Für ab 1992 geborene Kinder bekommt ein Elternteil je 87 Euro Rente extra - für früher geborene Kinder 58 Euro. Seit einigen Jahren bringen Schule und Studium Neurentnern keine höheren Alterseinkünfte mehr. Ende 2014 lag die durchschnittlich von der Rentenversicherung gezahlte Altersrente an die rund 14,4 Millionen Rentner nach Abzug von Krankenversicherungsbeiträgen bei 771 Euro.

Doch diese heutige Auszahlung sagt den Rentnern von morgen, übermorgen und überübermorgen wenig. So weist etwa der Rentenreport des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft darauf hin, dass nicht nur die durchschnittliche Lebenserwartung rasant steigt, sondern dass es große regionale Unterschiede in der Rentenhöhe und Kaufkraft der Rentenbezüge gibt. Im Auftrag des GDV hat sich das Prognos-Institut die Rentenperspektiven bis 2040 angesehen.

Dazu wurden tausende Erwerbsbiografien, regionale Lebenshaltungskosten und wirtschaftliche Wachstumsperspektiven ausgewertet. Davon hängen etwa die möglichen Lohnsteigerungen und die Entwicklung der Lebenshaltungskosten bis zu Renteneintritt ab.

Rentenprognose für 2040

Wie gut es uns als Rentner einmal gehen wird

Das Ergebnis: Wie gut sich von der künftigen Rente leben lässt, ist maßgeblich vom Wohnort des künftigen Rentners ab. Gerade dort, wo viel verdient wird und deshalb auch höhere Renten zu erwarten sind, werden diese Vorteil von deutlich höheren Lebenshaltungskosten aufgezehrt.

Noch liegen die „Rentnerparadiese“ eher im Osten, was unter anderem daran liegt, dass dort zu DDR-Zeiten mehr Frauen berufstätig waren. Im Jahr 2040 werden sich die "Rentnerparadiese" über die ganze Republik verteilen, allerdings nicht in den Metropolen liegen. Dort sind die Lebenshaltungskosten schlicht zu hoch.

Schlecht informiert

Die Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Vor dem Kauf werden oft zahlreiche Testberichte gelesen. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. Dabei sind ausreichende Informationen wichtig, um teure Fehlabschlüsse zu vermeiden.

Quelle: Institut GenerationenBeratung IGB

Foto: Fotolia

Lückenhafte Vorsorge

Oft werden einzelne, wichtige Teile der Altersvorsorge vergessen. Dazu gehören:

1) individuelle Vorsorgevollmacht

2) Patientenverfügung

3) Klärung der Finanzen im Pflegefall

4) Testament

Foto: Fotolia

Die falschen Berater

„Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal“, sagt Margit Winkler vom Institut GenerationenBeratung. Denn nur ausgebildete Finanzberater könnten auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren.

Foto: Fotolia

Vorsorge ist nicht gleich Vorsorge

Jeder sollte seine Altersvorsorge an seine eigenen Bedürfnisse anpassen, pauschale Tipps von Beratern oder Freunden taugen in der Regel wenig. Je nach Familiensituation können andere Versicherung und Vorsorgeleistungen wichtig sein. „Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge", sagt Winkler.

Foto: Fotolia

Schwarze Schafe

Deshalb ist bei der Auswahl des Beraters Vorsicht geboten, in der Branche sind schwarze Schafe unterwegs. Geht ein Berater nicht auf die persönliche Situation ein oder preist ein bestimmtes Produkt besonders an, sollten die Kunden hellhörig werden.

Foto: WirtschaftsWoche, Fotolia

Informiert ins Gespräch

Wer Fehlern im Zuge von Falschberatung entgehen will, der muss sich vorher selber informieren. Je besser der Kunde im Beratungsgespräch selber informiert ist, desto eher kann er schlechte Berater enttarnen.

Foto: Fotolia

Vorsorge-Flickenteppich

Beraterin Winkler warnt davor, zu viele Verträge bei vielen verschiedenen Beratern abzuschließen. Am Ende drohten Versicherte, den Überblick zu verlieren, besser sei eine ganzheitliche Lösung, die auf die individuelle Situation abgestimmt ist.

Foto: Fotolia

Sinnlose versus sinnvolle Versicherungen

Einige Versicherungen, wie die private Haftpflichtversicherung, sind essentiell. Auch die Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig und sollte vorhanden sein. „Wer seinen Kindern später nicht auf der Tasche liegen möchte, sollte auch den Pflegefall unbedingt absichern“, rät Winkler. Gleichzeitig gibt es aber auch zahlreiche überflüssige Policen, die nicht für jeden und in jedem Alter notwendig sind.

Foto: Fotolia

Hochriskante Anlagen

Wer im Alter gut versorgt sein will, der sollte nicht auf hochriskante Anlagen setzen. Anteile an geschlossenen Fonds oder Genussscheine bringen nicht unbedingt eine sichere Rente.

Foto: Fotolia

Alles auf eine Karte setzen

Winkler warnt davor, nur auf eine Anlageart zu setzen. Neben der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge ist auch private Vorsorge wichtig, etwa durch ein gut gestreutes Portfolio, welches beispielsweise offene Fonds oder Immobilienwerte enthalten könne.

Foto: Fotolia

Zunächst stellt sich die Frage, ob wir mit den Beträgen aus der jährlichen Renteninformation tatsächlich rechnen können. Das jährliche Schreiben weist verschiedene Werte aus, die - schwarz umrandet - in einem Kästchen stehen. Der oberste Wert bezieht sich auf eine Erwerbsminderungsrente, also keine klassische Altersrente. Der mittlere Wert zeigt, welchen Rentenanspruch der Versicherte bereits erreicht hat - auf Basis seiner Beiträge, der gesammelten Rentenpunkte und der aktuell geltenden Regeln (also zum Beispiel auf Basis des derzeitigen Zahlbetrags pro Rentenpunkt). Bei jungen Beitragszahlern ist der Wert noch gering. Er steigt im Laufe der Zeit an. Der Wert gilt für den Fall, dass der Rentner zum gesetzlich vorgesehenen Zeitpunkt in Rente geht. Bei allen ab Jahrgang 1964 also erst mit 67 Jahren.

Typische Irrtümer von Riester-Sparern
Sie übersehen, dass die Verzinsung variabel ist. Die Bank kann also die Zinsen jederzeit senken. Nur Lebens- und Rentenversicherungen müssen laut Gesetz mindestens 1,25 Prozent Zinsen garantieren, ab 2017 sind es nur noch 0,9 Prozent. Für Banksparpläne gilt dieser Garantiezins nicht beziehungsweise erst, wenn das Sparguthaben in eine Rentenversicherung überführt wird. Dann sind die Versicherungsbedingungen zu diesem Zeitpunkt gültig. Garantiezins, Sterbetafeln, etc. können sich also während der Ansparphase noch deutlich zu Ungunsten des Sparers ändern.
Ihnen ist nicht klar, dass ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Sparvertrag oder eine vorgezogene Rentenphase die Auszahlung drastisch schmälert. Denn es fehlen nicht nur Einzahlungsjahre, sondern auch die Rentenbezugsdauer steigt gleichzeitig. Es ist also weniger Geld für mehr Rentenjahre im Topf.
Die Riester-Rente lockt Sparer mit zwei Garantien: Der Auszahlung einer lebenslangen Rente, selbst wenn der Kapitalstock aufgebraucht ist, und der Garantie, dass die Einzahlungen, staatlichen Prämien und die bis zum Rentenbeginn aufgelaufenen Zinsgewinne für die Rente bereit stehen. Das bedeutet aber nicht, dass der Sparer die volle Summe nach zu Lebzeiten ausgezahlt bekommt. Es ist nur eine Garantie dafür, dass der Kapitalstock durch Investition in die falschen Anlagemärkte Verluste erleidet und dahinschmelzen könnte.
Sparer gehen häufig von einer halbwegs realistischen Lebenserwartung aus. Die Anbieter müssen jedoch so kalkulieren, dass sie auch bei Erreichen eines weit überdurchschnittlichen Alters noch eine Rente zahlen können, ohne das Geld anderer Sparer oder ihr eigenes Kapital aufzuwenden, sprich ohne Verluste zu machen.
Sie verwechseln Prognosen und Anlagevorschläge der Anbieter mit Garantien. Dabei gibt es zahlreiche Faktoren, die erheblichen Einfluss auf die Rente haben können. Zum Beispiel ein allgemein sinkendes Zinsniveau, gesetzliche Rahmenbedingungen, Änderungen in den Versicherungsbedingungen, im Steuerrecht und in den Sterbetafeln.
Sie vertrauen auf ihre Bank und ihren Kundenberater. Dabei ist ein Riester-Vertrag eine komplizierte Angelegenheit, bei deren Berechnung auch schnell Fehler passieren. Eine gründliche Prüfung aller Vertragsunterlagen ist Pflicht, am besten durch einen unabhängigen Berater, der gegen Honorar und nicht für eine Verkaufsprovision berät.
Sie konzentrieren sich auf die staatlichen Zulagen und unterschätzen die Steuern in der Auszahlphase. Dabei wird der volle Steuersatz auf das gesamte Guthaben fällig, egal ob Verrentung oder Einmalauszahlung. Vorteilhaft ist diese sogenannte nachgelagerte Besteuerung nur, weil der persönliche Steuersatz mit Renteneintritt in der Regel deutlich sinkt.

Der dritte und unterste Wert ist eine Prognose, die scheinbar die Antwort auf die entscheidende Frage liefert: Wieviel Rente ist später drin? Doch, wie oft bei Prognosen, hängt der Wert an zahlreichen Annahmen. So basiert er auf den während der vergangenen fünf Jahre gezahlten Beiträgen und geht davon aus, dass auch in Zukunft im Durchschnitt gleich hohe Beiträge gezahlt werden. Wer während der vergangenen fünf Jahre zum Beispiel noch gar nicht gearbeitet hat, in Elternzeit, Arbeitslosigkeit oder einer beruflichen Auszeit war, bekommt weniger aussagekräftige Werte ausgewiesen. Je vergleichbarer die angesetzten fünf Jahre mit der Zukunft sein dürften, desto besser sollte der Wert passen.

Der ausgewiesene Wert berücksichtigt keine "Rentenanpassungen". Auf Deutsch: Er geht davon aus, dass die später gezahlten Renten bei gleicher Anzahl an Rentenpunkten genauso hoch sind wie heute. Auf den ersten Blick ist das eine pessimistische Annahme. In den vergangenen 30 Jahren ist der Zahlbetrag pro Rentenpunkt durchaus gestiegen, um etwa 1,8 Prozent pro Jahr. Im kommenden Juli sollen die Renten gar um vier bis fünf Prozent steigen. Andererseits muss auf lange Sicht auch die Inflation berücksichtigt werden. Zwar ist diese derzeit gering. Davon auszugehen, dass das auf Dauer so bleibt, wäre bei der Vorsorgeplanung aber gefährlich.

Unter dem Punkt "Rentenanpassung" rechnet die Rentenversicherung vor, wie sich weitere Erhöhungen der Rente im konkreten Fall auswirken würden, bei ein und zwei Prozent Rentenplus pro Jahr. Doch diese höheren Rentenprognosen sollten nicht für bare Münze genommen werden. Bei aller Unsicherheit über die Zukunft, steht schon jetzt fest, dass die Demografie es der umlagefinanzierten Rente nicht einfach macht. Da hier die Beitragszahler von heute die Rentner von heute finanzieren, ist das System darauf angewiesen, dass genug an Beiträgen für die fälligen Renten erwirtschaftet werden kann.

Früher war das theoretisch deutlich leichter. Vor 50 Jahren kamen noch sechs Beitragszahler für einen Rentner auf. Heute hat sich das Verhältnis auf Zwei zu Eins verschlechtert. In rund 35 Jahren dürfte jeder Beitragszahler schon einen Rentner finanzieren. Kann das überhaupt gutgehen? Nein, sagen Pessimisten mit Verweis auf diese absehbare demographische Schieflage.

Doch viele Experten halten das für zu kurz gesprungen. So würde sich die Relation zwischen Beitragszahlern und Rentnern schon lange verschlechtern, ohne das System zum Kippen zu bringen. Steigende Produktivität würde es durchaus erlauben, das schlechtere demografische Verhältnis aufzufangen. Einflüsse von außen, wie jüngst etwa der verstärkte Zuzug von Flüchtlingen, könnten selbst die demographischen Rahmenbedingungen verbessern. Regeländerungen im Rentensystem selbst, wie ein späterer Rentenstart, böten noch Sicherheitspuffer. In dieser Gemengelage erscheint es durchaus vertretbar von den ausgewiesenen Renten ohne Erhöhungen auszugehen. Immerhin steckt auch dahinter die Annahme, dass wenigstens die künftige Inflation voll ausgeglichen werden kann.

Der Zeitpunkt des Rentenstarts gibt Angestellten wenigstens einen Hebel, mit dem sie die Höhe ihrer Rente selbst beeinflussen können - soweit ihr Arbeitgeber dabei mitspielt. Lässt man Sonderfälle, die eine abschlagsfreie vorzeitige Rente zulassen, beiseite, kostet jedes Jahr vorgezogener Ruhestand 3,6 Prozent der Rente. Wer statt mit 67 mit 63 Jahren in Rente geht, müsste also auf 14,4 Prozent verzichten. Außerdem hätte der Frührentner durch die kürzere Arbeitszeit weniger Beiträge einzahlen können, was ohnehin zu einer etwas geringeren Rente führen würde.

Deutlich weniger bekannt: Wer über seine "Regelaltersgrenze" hinaus arbeitet, wird dafür mit einem Rentenaufschlag belohnt. Pro Jahr gibt es hier 6 Prozent Bonus, zusätzlich zu den so gesammelten Extra-Rentenpunkten. Allerdings muss der Arbeitgeber dabei mitspielen.

Mit den Werten aus der Renteninformation und etwas Hintergrundwissen gewappnet, können Sie sich also durchaus an eine grobe Vorsorgeplanung machen. Die gesetzliche Rente allein wird nicht reichen, um davon später zu leben. Wer früh beginnt, möglichst renditereich vorzusorgen, etwa mit Sparplänen auf kostengünstige Aktienindexfonds (ETFs), kann Lücken füllen.

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