Frührente oder länger arbeiten Wie viel Rente Sie später bekommen

Die gesetzliche Rente ist für die meisten Angestellten die Basis ihrer Altersvorsorge: Mit wie viel Geld Sie rechnen dürfen, ob der vorzeitige Ruhestand machbar ist und was es extra gibt, wenn man länger arbeitet.

Was erwartet uns im Alter? Quelle: Getty Images

Sie wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen: die jährliche "Renteninformation". Da mögen Crashpropheten den nahenden Zusammenbruch des Finanzsystems ausrufen, die Deutsche Rentenversicherung kann uns verlässlich mit zwei Nachkommastellen unsere in zehn, 20 oder auch 30 Jahren gezahlte Rente berechnen. Einmal im Jahr flattert das Schreiben ins Haus - natürlich in den Post-Briefkasten und nicht ins E-Mail-Postfach. Wie beruhigend!

Auch wenn die Zahlen unter Vorbehalt zu studieren sind, bilden sie tatsächlich eine gute Ausgangsbasis für die eigene Vorsorgeplanung. Was also steckt dahinter? Wie kommen die Zahlen zustande? Was sagen sie aus - und was nicht?

So viel Rente bekommen Sie
DurchschnittsrentenLaut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen. Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016 Quelle: dpa
Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten RentenDie Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten. Aktuell bekommen männliche Rentner: in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat Quelle: AP
Frauen mit deutlich weniger RenteFrauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz. Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente: in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat Quelle: dpa
Beamtenpensionen deutlich höherStaatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent. Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro. Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro. Quelle: dpa
RentenerhöhungIm Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent. Quelle: dpa
Reserven der RentenkasseDabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen. Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können: Quelle: dpa
Abweichungen vom StandardrentnerWer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt. Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro. Quelle: Fotolia
Durchschnittsrente Ost nach ArbeitsjahrenIn den neuen Bundesländern liegt die Rente nach 45 Arbeitsjahren und durchschnittlichem Lohn bei 1217 Euro. Für 40 Jahre in Arbeit gibt es aktuell 1082 Euro. Bei 35 Jahren sind es in den neuen Bundesländern 947 Euro. Quelle: Fotolia
Halbtags arbeiten erhöht das ArmutsrisikoJe nach Verdienst, kann die Rente aber stark schwanken. Wer etwa im Berufsleben auf die Hälfte vom Durchschnittsverdienst kam, dessen Rentenansprüche halbieren sich auch. In den alten Bundesländern wären das aktuell nach 45 Berufsjahren 657 Euro. In den neuen Bundesländern bei gleicher Arbeitszeit 609 Euro. Quelle: dpa
Maximale Rentenhöhe für GutverdienerUmgekehrt verdoppelt sich die Rente, wenn der Lohn während des Arbeitslebens über der Bemessungsgrenze lag. In den alten Bundesländern könnte ein Vielverdiener so auf 2628 Euro kommen. In den neuen Bundesländern sind theoretisch bis zu 2434 Euro drin. Quelle: dapd

Die Berechnung der späteren Rente ist weniger kompliziert als gedacht. Grundsätzlich bemisst sich die Höhe nach den bis Ruhestandsbeginn gesammelten Rentenpunkten. Pro Beitragsjahr bekommen Angestellte in der gesetzlichen Rentenversicherung Punkte gutgeschrieben. Wer 2015 knapp 35.000 Euro brutto verdient hat - das entspricht dem Durchschnitt -, bekommt dafür einen Punkt. Bei rund 70.000 Euro wären es zwei Punkte. Bei der Beitragsbemessungsgrenze von 72.600 Euro (Ost: 62.400 Euro) ist Schluss. Auf jeden weiteren Einkommenseuro fällt kein Beitrag zur Rentenversicherung mehr an. Dafür bringt er eben auch keine Rentenpunkte.

Doch was bringen die Rentenpunkte? Im Moment bekommen Rentner in den alten Bundesländern pro Punkt 29,21 Euro Monatsrente (Ost: 27,05 Euro). 45 Beitragsjahre mit dem jeweiligen Durchschnittseinkommen hätten Rentnern in den alten Bundesländern 1314 Euro Rente pro Monat gebracht, 30 Jahre mit dem doppelten Durchschnittseinkommen für 1753 Euro gereicht. So gerechnet sind selbst bei besonders gut verdienenden Angestellten kaum mehr als 2500 Euro späterer Rente möglich. Für ab 1992 geborene Kinder bekommt ein Elternteil je 87 Euro Rente extra - für früher geborene Kinder 58 Euro. Seit einigen Jahren bringen Schule und Studium Neurentnern keine höheren Alterseinkünfte mehr. Ende 2014 lag die durchschnittlich von der Rentenversicherung gezahlte Altersrente an die rund 14,4 Millionen Rentner nach Abzug von Krankenversicherungsbeiträgen bei 771 Euro.

Doch diese heutige Auszahlung sagt den Rentnern von morgen, übermorgen und überübermorgen wenig. So weist etwa der Rentenreport des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft darauf hin, dass nicht nur die durchschnittliche Lebenserwartung rasant steigt, sondern dass es große regionale Unterschiede in der Rentenhöhe und Kaufkraft der Rentenbezüge gibt. Im Auftrag des GDV hat sich das Prognos-Institut die Rentenperspektiven bis 2040 angesehen.

Dazu wurden tausende Erwerbsbiografien, regionale Lebenshaltungskosten und wirtschaftliche Wachstumsperspektiven ausgewertet. Davon hängen etwa die möglichen Lohnsteigerungen und die Entwicklung der Lebenshaltungskosten bis zu Renteneintritt ab.

Das Ergebnis: Wie gut sich von der künftigen Rente leben lässt, ist maßgeblich vom Wohnort des künftigen Rentners ab. Gerade dort, wo viel verdient wird und deshalb auch höhere Renten zu erwarten sind, werden diese Vorteil von deutlich höheren Lebenshaltungskosten aufgezehrt.

Noch liegen die „Rentnerparadiese“ eher im Osten, was unter anderem daran liegt, dass dort zu DDR-Zeiten mehr Frauen berufstätig waren. Im Jahr 2040 werden sich die "Rentnerparadiese" über die ganze Republik verteilen, allerdings nicht in den Metropolen liegen. Dort sind die Lebenshaltungskosten schlicht zu hoch.

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