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FrührenteWarum eine frühe Rente so verlockend ist

Viele träumen davon, früh in Rente zu gehen. Tatsächlich sind die Einbußen oft überschaubar. Rein finanziell lohnt aber schon jetzt ein freiwilliger später Rentenstart, wie er aktuell gefordert wird.Niklas Hoyer 02.01.2015 - 16:41 Uhr

In Deutschland gehen weniger Menschen vorzeitig in den Ruhestand: Nur noch jeder dritte Neurentner sei zuletzt vorzeitig mit Abschlägen in die Altersrente gegangen, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, über die die „Rheinische Post“ berichtet. Die Zahl der Frührentner ging demnach vom Jahr 2007 bis 2013 um 85.000 auf 323.000 zurück. Ihr Anteil an allen Neurentnern habe damit 2013 bei nur noch 36,7 Prozent gelegen. Sechs Jahre zuvor seien es noch 45,9 Prozent gewesen.

Wer 2013 vorzeitig Altersrente beansprucht hat, musste laut Regierung zudem deutlich geringere Abschläge in Kauf nehmen - im Durchschnitt 77,50 Euro pro Monat, nachdem es 2007 noch 115,24 Euro waren.

Foto: dpa

Wenn der Friseur auf einmal die Shampoos und Haarfarben nicht mehr verträgt und mit Hautausschlag reagiert, ist Schluss mit dem Beruf. Gleiches gilt für den Maler und Lackierer, der auf die Farben sensibel reagiert. Probleme mit der Haut sind allerdings nur sehr selten Gründe für das vorzeitige Ausscheiden aus dem Berufsleben. Nur 0,4 Prozent der Frührentner hängen den Job wegen Erkrankungen der Haut an den Nagel.

Foto: dpa

2,9 Prozent, also rund 5226 Personen, mussten wegen Erkrankungen der Atemwege wie Asthma vorzeitig in Rente gehen.

Foto: dpa

3,9 Prozent litten dagegen an Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder an chronischen Erkrankungen des Verdauungssystems.

Foto: dpa

Erkrankungen der Sinne waren bei 5,9 Prozent der Grund für das vorzeitige Ende des Berufslebens. Im Jahr 2010 tauchten Erblindung oder Taubheit noch gar nicht in den Statistiken der Deutschen Rentenversicherung als Gründe für die Frührente auf.

Foto: AP

Die übrigen Diagnosen, also andere Krankheiten, haben 9,2 Prozent aus dem Beruf geworfen.

Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Auf dem vierten Platz landen in diesem Jahr die Krankheiten von Herz und Kreislaufsystem, also zum Beispiel Herzinfarkte, Schlaganfälle und Durchblutungsstörungen. 9,7 Prozent aller Frührentner gingen wegen Herz-Kreislauf-Problemen in den Ruhestand.

Foto: dapd

12,7 Prozent der Frührentner quittierten ihren Job wegen eines Krebsleidens. Krebs erhält damit den traurigen dritten Platz unter den häufigsten Gründen für das vorzeitige Ausscheiden aus dem Beruf.

Foto: dpa

Volksleiden "Rücken": Erkrankungen des Skeletts, der Muskeln oder des Bindegewebes werfen 14,2 Prozent vorzeitig aus dem Beruf.

Foto: AP

Der ungeschlagene Spitzenreiter bleiben jedoch die psychischen Erkrankungen. 41 Prozent konnten wegen psychischen Krankheiten und Verhaltensstörungen wie Depression und Burn-Out nicht weiter arbeiten.

Foto: dpa

 

Die Rente mit 63 schlägt hohe Wellen. Bis Ende November haben rund 190.000 Menschen einen Antrag gestellt, von den neuen Regeln zu profitieren. Sie dürfen zwei Jahre früher als eigentlich vorgesehen in Rente, ohne dafür Abschläge hinnehmen zu müssen. Allerdings gilt das nur, wenn die Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung auf 45 Beitragsjahre kommen. Ohne Sonderregeln müssen alle Jahrgänge ab 1964 bis zum 67. Geburtstag arbeiten, um ihre volle Rente zu erhalten.

 

Wollen sie trotzdem vor der normalen Frist - der sogenannten Regelaltersgrenze - ihre Rente bekommen, müssen sie Abschläge hinnehmen. Pro Jahr vorgezogener Rente wird die monatliche Auszahlung um 3,6 Prozent gekürzt. Wer statt mit 67 mit 63 in Rente will, müsste also auf 14,4 Prozent verzichten. Außerdem hätte der Frührentner durch die kürzere Arbeitszeit weniger Beiträge eingezahlt, was seine Rente zusätzlich drücken würde.

Die Ergebnisse einer neuen Studie besorgniserregend. Es droht eine riesige Versorgungslücke und vielen Bürgern eine akute Altersarmut. Den künftigen Rentnern ist dies zwar durchaus bewusst, allerdings tun sie kaum etwas dagegen. Im Gegenteil: Mehr als ein Viertel der Befragten gab an, die Altersvorsorge komplett zu ignorieren. Das zeigt die Studie „Altersvorsorgereport: Deutschland 2014“ der Sparda-Bank in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jens Kleine vom Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule. Sie gibt einen umfassenden Überblick zum deutschen Altersvorsorgemarkt vorgelegt.

Foto: IMAGO

Das private Vorsorgeverhalten lässt in Deutschland zu wünschen übrig. Die Mehrheit der Bürger will den gegenwärtigen Lebensstandard nicht für die Altersvorsorge einschränken. Dadurch entsteht laut den Berechnungen der Experten eine Versorgungslücke von mehr als 27.000 Euro. Neben einer möglichen Altersarmut des Einzelnen droht in der Gesellschaft ein Generationenkonflikt beim Streit um die Höhe der staatlichen Rente.

Foto: IMAGO

Verantwortlich für die Versorgungslücke sind neben dem Lebensstandard zu geringe finanzielle Möglichkeiten. Rund 75 Prozent der Deutschen fehlt schlichtweg das Geld, um privat vorzusorgen. Besonders betroffen sind dabei die Arbeiter. In dieser Berufsgruppe verfügen nur 19 Prozent über ausreichende finanzielle Spielräume für die private Altersvorsorge.

Foto: IMAGO

Diese Vorsorgeproblematik hat zur Folge, dass die ohnehin schon in der Gesellschaft bestehende Schere zwischen Arm und Reich im Alter noch größer wird. Menschen mit ausreichender Kapitalausstattung sind nämlich in der Lage zusätzlich 325 Euro in die private Altersvorsorge zu stecken. „Das soziale Ungleichgewicht wird sich im Alter weiter verschärfen. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung wird im Alter gut leben können, wohingegen ein wesentlich größerer Teil mit Einschränkungen oder gar Altersarmut zu kämpfen haben wird“, so Heinz Wings, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hamburg.

Foto: IMAGO

Trotz dieser möglichen Scherenbildung herrscht insgesamt nur geringes Interesse für Altersvorsorge-Themen. Viele haken das Thema komplett ab – und das obwohl 82 Prozent der Befragten bewusst ist, dass eine rechtzeitige private Altersvorsorge notwendig ist, wenn der bestehende Lebensstandard im Alter fortgesetzt werden soll.

Foto: IMAGO

Neben dem Desinteresse spiegelte sich bei den Befragten auch Unkenntnis wider. Die Studie ergab, dass rund 73 Prozent der Bürger zwar von zu niedrigen Rentenansprüchen ausgeht, allerdings kennen auch weniger als die Hälfte deren tatsächliche Höhe. 50 Prozent der Deutschen hat zudem Angst im Alter vom Existenzminimum leben zu müssen. Vor allem junge Menschen treibt diese Angst um – was Wings zufolge ein gutes Ergebnis ist: „Dass die jungen Menschen die Bedeutung der Altersvorsorge erkannt haben, ist ein äußerst positives Zeichen. Sie haben jedenfalls vom Alter her noch Möglichkeiten, um ausreichend vorzusorgen.“

Foto: IMAGO

Die Versorgungslücke von 27.000 Euro ergibt sich durch die Berechnung des durchschnittlichen Sparverhaltens. So wollen die Befragten bei Renteneintritt circa 96.000 Euro angespart haben. Doch hierfür legen die Bürger in einem Zeitraum von 21 Jahren im Monat lediglich 179 Euro im Monat zur Seite. Die Experten der Studie haben außerdem mit einem recht hohen Zinssatz von vier Prozent gerechnet. Alles zusammengerechnet – die Sparquote und der durchschnittliche Zinssatz – ergeben statt der anvisierten 96.000 nur 69.000 Euro.

Foto: IMAGO

Betrachtet man die einzelnen Berufsgruppen gelten selbstständige Handwerker als Risikogruppe. Sie legen privat lediglich 135 Euro im Schnitt zur Seite. Bei Freiberuflern beläuft sich die Sparquote immerhin auf 400 Euro im Monat. Allerdings kann diese Gruppe wegen der fehlenden Rentenversicherungspflicht nicht von einer staatlichen Rente profitieren.

Foto: IMAGO

Die Studie ergab, dass Familien mit Kindern deutlich weniger Existenzängste haben als Kinderlose. Viele Familien fühlen sich über ihre Kinder abgesichert. Die Experten sprechen hierbei von dem Gefühl „kinder-reich“ zu sein.

Foto: WirtschaftsWoche

Die deutschen Vorsorgesparer bevorzugen vor allem Eigentumsimmobilen und die betriebliche Altersvorsorge. Allerdings werden 17 Prozent der Altersvorsorgeverträge ausgesetzt oder vorzeitig aufgelöst. Zusammen mit der potenziellen Versorgungslücke des staatlichen Rentensystems und dem demografischen Wandel erhöht sich dadurch die Problematik in der Altersversorgung. „Durch die hohen Abbruch- und Aussetzungsquoten der Altersvorsorgeverträge wird sich die Situation im Alter, insbesondere für Personen mit einem geringen Einkommen, weiter zuspitzen“, so Wings.

Foto: IMAGO

Die geringe Bereitschaft für die Rentenzeit vorzusorgen, ergibt sich laut der Studie aus der Erhaltung des gegenwärtigen Lebensstandards. 73 Prozent der Deutschen sind nicht dazu bereit, ihren Lebensstandard zu Gunsten der Vorsorge einzuschränken. Allerdings ist dieses Ergebnis nicht in Stein gemeißelt. Knapp die Hälfte der Bürger würde nach Lohnerhöhungen mehr in Vorsorgeprodukte investieren.

Foto: IMAGO

Doch wer genau nachrechnet, merkt schnell, dass ein früher Rentenstart trotzdem nicht extrem viel Geld kostet. Ein Beispiel: Angenommen ein Arbeitnehmer mit 70.000 Euro Bruttoeinkommen sollte zum gesetzliche Rentenstart mit 67 Jahren 1500 Euro Monatsrente bekommen. Wollte er nun vier Jahre früher in Rente, also mit 63, kämen die beiden Effekte (kürzere Beitragszeit und Abschlag wegen Frührente) zusammen. Die vier Jahre kürzere Beitragsdauer würde ihn auf Basis der aktuellen Rentenwerte rund 229 Euro Monatsrente kosten, es blieben also 1271 Euro. Hinzu käme der Abschlag wegen der Frührente: 14,4 Prozent von 1271 Euro, macht 183 Euro. Die Brutto-Monatsrente des Frührentners läge also bei 1088 Euro statt 1500 Euro.

Das klingt nach heftigen Verlusten. Tatsächlich würde der Frührentner aber ja auch vier Jahre früher seine Rente bekommen - insgesamt also vier Jahre länger Geld. Addiert man die gezahlten Renten, hätte der Frührentner bis ins Alter von 75 Jahren in Summe mehr bekommen. Erst danach liegt die Summe der gezahlten Renten unter der eines normal gestarteten Rentners.

Durchschnittsrenten

Laut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen.

Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016

Foto: dpa

Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten Renten

Die Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten.

Aktuell bekommen männliche Rentner:

in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat

in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat

in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat

in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat

in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat

in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat

in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat

in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat

in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat

in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat

in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat

im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat

in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat

in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat

in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat

in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat

Foto: AP

Frauen mit deutlich weniger Rente

Frauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz.

Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente:

in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat

in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat

in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat

in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat

in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat

in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat

in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat

in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat

in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat

in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat

in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat

im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat

in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat

in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat

in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat

in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat

Foto: dpa

Beamtenpensionen deutlich höher

Staatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent.

Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro.

Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro.

Foto: dpa

Rentenerhöhung

Im Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent.

Foto: dpa

Reserven der Rentenkasse

Dabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen.

Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können:

Foto: dpa

Abweichungen vom Standardrentner

Wer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt.

Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro.

Foto: Fotolia

Durchschnittsrente Ost nach Arbeitsjahren

In den neuen Bundesländern liegt die Rente nach 45 Arbeitsjahren und durchschnittlichem Lohn bei 1217 Euro.

Für 40 Jahre in Arbeit gibt es aktuell 1082 Euro. Bei 35 Jahren sind es in den neuen Bundesländern 947 Euro.

Foto: Fotolia

Halbtags arbeiten erhöht das Armutsrisiko

Je nach Verdienst, kann die Rente aber stark schwanken. Wer etwa im Berufsleben auf die Hälfte vom Durchschnittsverdienst kam, dessen Rentenansprüche halbieren sich auch. In den alten Bundesländern wären das aktuell nach 45 Berufsjahren 657 Euro. In den neuen Bundesländern bei gleicher Arbeitszeit 609 Euro.

Foto: dpa

Maximale Rentenhöhe für Gutverdiener

Umgekehrt verdoppelt sich die Rente, wenn der Lohn während des Arbeitslebens über der Bemessungsgrenze lag. In den alten Bundesländern könnte ein Vielverdiener so auf 2628 Euro kommen. In den neuen Bundesländern sind theoretisch bis zu 2434 Euro drin.

Foto: dapd

Mit 95 hätte der Frührentner insgesamt 430.880 Euro an Renten bekommen, der mit 67 gestartete Rentner 522.000 Euro. Die Einbußen würden also nur 17,5 Prozent betragen. Ein um zwei Jahre vorgezogener Rentenstart hätte für den Rentner bis zum Alter von 95 Jahren die Gesamtauszahlungen nur um 8,4 Prozent gedrückt. In der Praxis würde die fällige Steuer die Rechnung noch etwas zu Gunsten des frühen Rentenstarts schieben.


Freiwillig länger bleiben - bisher kaum möglich

 

Kernpunkte der Riester-Förderung
Förderung der privaten Altersvorsorge durch jährliche Zulagen und SteuervorteileQuelle: LBS
154 Euro pro Person
185 Euro je Kind, geboren vor 2008300 Euro je Kind, geboren ab 2008
Sparer können ihre Einzahlungen als Sonderausgaben absetzen. Die Auszahlungen der Riester-Rente sind voll steuerpflichtig zum individuellen Steuersatz. Dieser dürfte im Alter jedoch niedriger sein als während des Berufslebens.
Für die volle Förderung müssen Einzahlungen in Höhe von vier Prozent des Bruttoeinkommens des Vorjahres vorgenommen.
Es werden maximal 2.100 Euro Einzahlungen gefördert.
Die geflossenen Zulagen reduzieren die erforderliche eigene Sparleistung.
Die Förderung ist unabhängig von der Höhe des eigenen Einkommens.

Angesichts solcher Zahlen geraten viele in Verlockung, den frühen Rentenstart ernsthaft ins Auge zu fassen. Kein Wunder also, dass Rufe laut werden, mehr Anreize für einen späten Rentenstart zu setzen. So forderte der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, jüngst gegenüber der Zeitung "Die Welt" Modelle einer freiwilligen Rente mit 70. Schon der Fachkräftemangel in Deutschland mache das nötig.

 

Tatsächlich belohnt die Rentenversicherung schon heute ein freiwillig längeres Arbeitsleben. Jedes Jahr längere Beitragszeit nach der Regelaltersgrenze bringt - zusätzlich zur höheren Rente dank längerer Beitragszeit - noch 6 Prozent Rentenaufschlag. Unser Beispiel-Arbeitnehmer könnte durch zwei Jahre mehr Arbeit, also einen Rentenstart erst mit 69 Jahren, seine Monats-Bruttorente von 1500 auf 1808 Euro steigern. Die Gesamtrentenzahlung bis 95 Jahre würde in Summe 12,2 Prozent über der beim Rentenstart mit 67 liegen.

Ob Arbeitnehmer in der Realität allerdings die Chance haben, freiwillig länger zu arbeiten, hängt stark vom Einzelfall ab. Viele Unternehmen bieten solche Optionen bislang gar nicht an.

Vorschnell sollte sich aber niemand auf die frühe Rente einlassen. Zwar halten sich die Einbußen in Summe oft in Grenzen. Doch diese Rechnung unterschlägt komplett, ob das Geld jeden Monat auch zum Leben reicht. Wer früher in Rente will, hat schließlich auch weniger Zeit für's Alter vorzusorgen - und mehr Zeit zum Geld ausgeben. Schnell kann das Budget dann knapp werden. Wie Vorsorgesparer Lücken in ihrer Rentenplanung ausgleichen können, zeigt unser großer Altersvorsorge-Beitrag. Träumen ist also erlaubt, nachrechnen aber empfohlen.

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