Grundfähigkeitsversicherung: So sichern Sie Ihre Arbeitskraft ab
Wenn das Einkommen wegfällt, wird es finanziell in der Regel schnell eng. Bricht es dauerhaft weg, weil der Körper oder die Psyche nicht mitmachen, ist das in der Regel nicht nur ein persönliches, sondern auch ein finanzielles Drama.
Wer von seinem Arbeitseinkommen abhängig ist – was auf die meisten Menschen zutrifft, wenn sie denn nicht reiche Erben sind –, sollte seine Arbeitskraft absichern. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zählt deshalb zu den wichtigsten Policen überhaupt. Eine Alternative, die weniger bekannt ist, kann die Grundfähigkeitsversicherung sein.
Diese Versicherung sichert den Verlust einzelner wichtiger körperlicher oder geistiger Fähigkeiten ab, wie beispielsweise Sehen, Gehen oder Sitzen. „Dabei ist es nicht relevant, ob man weiterhin seiner beruflichen Tätigkeit nachgehen kann“, erklärt Marco Dehner, Rating-Experte des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M).
Die Berufsunfähigkeitsversicherung dagegen leistet, wenn man zu mindestens 50 Prozent seinen zuletzt ausgeübten Beruf für mindestens sechs Monate nicht ausüben kann. „Die Grundfähigkeitsversicherung ist vor allem für Menschen mit körperlich belastenden Berufen interessant oder für jene, die bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht mehr ohne Erschwernisse abschließen können.“ Das kann etwa der Fall sein, wenn es Vorerkrankungen gibt.
Interessierte sollten aber unbedingt abwägen und vergleichen. „Eine Grundfähigkeitsversicherung ist nur die zweite Wahl“, betont Sandra Klug, Abteilungsleiterin Geldanlage, Altersvorsorge und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Die bessere und umfangreichere Absicherung der Arbeitskraft erfolge über eine Berufsunfähigkeitsversicherung. „Ist diese aber zu teuer, kann die Grundfähigkeitsversicherung eine Alternative sein.“
Die besten Tarife für drei Musterfälle
Exklusiv für die WirtschaftsWoche hat das Analysehaus Morgen & Morgen die besten Grundfähigkeitsversicherungen für drei Musterfälle – jeweils mit und ohne Arbeitsunfähigkeits-Klausel (AU) – gekürt: einen Berufskraftfahrer, eine Bürokauffrau und einen Schreiner. Eine Grundfähigkeitsversicherung mit AU-Klausel sichert zu, dass Versicherte für einen gewissen Zeitraum der Arbeitsunfähigkeit eine vereinbarte monatliche Rente erhalten.
„Die versicherte Rente sollte hoch genug sein, um den eigenen Lebensstandard halten zu können“, erläutert Verbraucherschützerin Klug. Analysiert wurden ausschließlich Tarife mit der Bestnote „fünf Sterne“ im M&M-Rating Grundfähigkeit. Ausgezeichnet wurden dann die Versicherungen mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Der 35-jährige Berufskraftfahrer versichert eine monatliche Rente von 2000 Euro. Folgende Leistungskriterien wählt er: Autofahren, Arme, Hände, Heben und Tragen, Hören, Sehen, Sitzen und Treppe steigen. Ausgezeichnet sind acht Tarife ohne AU. Sie stammen von AKS Flex Swiss Life, Klinikrente Swiss Life, Metallrente Swiss Life, Swiss Life, Baloise, Ergo Vorsorge, HDI und Die Dortmunder. Der monatliche Zahlbeitrag liegt bei diesen Anbietern zwischen 78,55 und 89,90 Euro.
Ein „Ausgezeichnet“ bekamen außerdem sieben Tarife mit AU von AKS Flex Swiss Life, Klinikrente Swiss Life, Metallrente Swiss Life, Baloise, Swiss Life, Allianz und Die Dortmunder. Der monatliche Zahlbeitrag liegt hier zwischen 98,69 und 109,24 Euro.
Die 30-jährige Bürokauffrau wählt eine monatliche Rente von 3000 Euro und versichert die Leistungskriterien Sitzen, Sprechen, Sehen, Hören, Hände, geistige Leistungsfähigkeit und Autofahren sowie den Leistungsauslöser Psyche. Ausgezeichnet wurden drei Tarife ohne AU von Hannoversche, Canada Life und HDI. Der monatliche Zahlbeitrag liegt bei diesen Anbietern zwischen 135,32 und 152,38 Euro.
Auch bei den Policen mit AU hat sie die Wahl zwischen drei Tarifen, und zwar von Hannoversche, Canada Life und Baloise für Beiträge zwischen 164,69 und 182,62 Euro.
Der 40-jährige Schreiner entscheidet sich für eine Rente von 1750 Euro. Er wählt die Leistungskriterien Arme, Gehen, Gleichgewicht, Hände, Heben und Tragen, Knien und Bücken, Sehen, Stehen und Treppe steigen. Acht Tarife ohne AU und neun Tarife mit AU wurden ausgezeichnet. Die Variante mit Arbeitsunfähigkeits-Klausel ist grundsätzlich etwas teurer als die ohne.
Günstiger als eine BU
Die Grundfähigkeitsversicherung ist deutlich günstiger als die Berufsunfähigkeitsversicherung. Zwischen beiden Policen gibt es aber entscheidende Unterschiede. Bei der Grundfähigkeitsversicherung spielt der Beruf keine Rolle. „Sie sichert definierte körperliche und geistige Fähigkeiten ab“, erklärt Verbraucherschützerin Klug. Und das unabhängig vom Beruf.
Die Grundfähigkeitsversicherung sei insbesondere für Menschen sinnvoll, die ihre Alltagsfähigkeiten absichern möchten, aber auch für Berufsgruppen, bei denen der Schutz der Grundfähigkeiten besonders relevant sei, betont eine Sprecherin des Branchenverbands GDV.
Als Grundfähigkeiten gelten im Allgemeinen wesentliche physische und kognitive Fähigkeiten, die nicht nur für die Ausübung beruflicher Tätigkeiten erforderlich sind, sondern auch für die Bewältigung des Alltags.
Wer eine Grundfähigkeitsversicherung abschließen möchte, sollte sich unabhängig beraten lassen. Denn die Versicherungsbedingungen sind sehr unterschiedlich. „Das bezieht sich auf die versicherten Fähigkeiten und auf die Frage, ab wann sie verloren sind und geleistet wird“, so Klug. „Einige Anbieter schließen auch psychische Erkrankungen mit ein.“
Wie bei jeder Versicherung sollten die Gesundheitsfragen unbedingt wahrheitsgetreu beantwortet werden.
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