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Gold, Diamanten, Seide Luxus aus dem Labor

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Serienprodukt Kunstdiamanten

Markenprofessor Karsten Kilian von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt traut modernen Alchemisten wie Davis, Klein und Forgacs zu, ein komplett neues Segment zu kreieren. Einen, wie er ihn nennt, „technischen Luxus“. Der werde wohl etwas billiger sein als der „natürliche Luxus“, den Gucci und Prada heute servieren. „Die heutigen Luxushersteller werden etwas Umsatz abgeben müssen“, prognostiziert Kilian.

Wenn sie aber klug handelten, würden sie Tochtermarken gründen, die auch das neue Segment bedienen. Zugleich glaubt er, dass die Faszination für seltene natürliche Originale bestehen bleibt. Was da zähle, sei die Story dahinter. Beim Diamanten etwa, dass er vor Millionen von Jahren im Erdinneren entstand.

Dabei züchten Unternehmen wie Pure Grown Diamonds aus New York oder New Diamond Technology aus St. Petersburg schon heute serienmäßig Kunstdiamanten, indem sie Kohlenstoff unter hohem Druck und Hitze zu Diamanten pressen oder im Vakuum kristallisieren lassen. Wurden aus synthetischen Diamanten anfangs vor allem Spezialbohrer gemacht, tauchen sie nun auch am Verlobungsring auf.

Der weltweit größte Diamantenhändler De Beers züchtet inzwischen gar selbst Kunstdiamanten. Nicht um sie zu verkaufen, sondern um Retortensteine von Naturdiamanten unterscheiden zu können. Denn immer häufiger mischen zwielichtige Händler Kunststeine unter Naturdiamanten, um ihre Gewinne aufzubessern. Mithilfe des eigenen Labors hat De Beers einen Apparat entwickelt, der in Diamanten Stickstoffeinlagerungen sucht, wie sie bei den meisten Natursteinen existieren.

Doch deklarierte die Maschine, die für Diamantenbörsen gedacht ist, zuletzt auch immer wieder Naturdiamanten als synthetisch, weil ihnen die Einlagerungen fehlten.

Der Aufwand, einen natürlichen Diamanten auszugraben, ist gewaltig. Im Schnitt müssen rund 250 Tonnen Erde bewegt und gewaschen werden, um ein Karat Diamant zu entdecken. Afrikanische Milizen betreiben illegale Diamantenminen und halten Arbeiter wie Sklaven, um mit den Steinen Waffen zu kaufen. Gründe, warum Schauspieler Leonardo DiCaprio und Twitter-Gründer Evan Williams vor einer Weile in das Silicon-Valley-Start-up Diamond Foundry investiert haben. Das züchtet beste Schmuckdiamanten im Labor und hat mittlerweile über 100 Millionen Dollar eingesammelt.

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Anders als De Beers ist Diamond-Foundry-Gründer Martin Roscheisen der Meinung, dass ein Diamant ein Diamant ist – ein tetraedisches Kohlenstoff-Allotrop, egal, ob der Stein aus einer Mine stammt oder von Menschenhand geschaffen ist. Der gebürtige Münchner, der an der US-Eliteuni Stanford promoviert hat, verlangt für seine Diamanten etwa im New Yorker Luxuskaufhaus Barneys denselben Preis wie für vergleichbare natürliche Steine.

Bald könnten moderne Alchemisten auch andere Naturmaterialien wie Kaschmir oder Schwarzen Wintertrüffel züchten, sogar besser machen. Die Wissenschaft ist sich zumindest sicher, dass nichts mehr sicher ist, was sich aus mehreren Atomen oder Molekülen zusammensetzt. Nur echte Elemente wie Silber, Gold und Platin bleiben kopiergeschützt. Das aber konnte Johann Friedrich Böttger zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch nicht ahnen.

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