WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Karriereleiter Mit diesen Tricks besiegen Sie den Blackout

Sie halten vor Publikum eine Präsentation oder Rede und dann ist alles weg. Blackout. Allein die Angst, dass einem das passiert, macht den Blackout umso wahrscheinlicher. Aber dem können Sie vorbeugen. So geht's.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:


Unser Kolumnist Marcus Werner ist Fernsehmoderator und Buchautor und arbeitet als Berater für Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.

Eigentlich ist ein Blackout eine richtig gut gemeinte Idee von der Natur. In ganz besonders aufregenden Situationen haut unsere Nebennierenrinde so viel vom Stresshormon Kortisol raus, dass es uns kurzzeitig regelrecht elektrisiert.

Das hilft uns immer dann, wenn wir etwa mal wieder von einem Säbelzahntiger angegriffen werden. Das Kortisol katapultiert uns dann in einen Fluchtmodus – und aktiviert außerdem schlagartig den Hippocampus im Gehirn, also die Region, in der wir vorher fein säuberlich Informationen abgespeichert haben. Denn wer weiß, ob wir auf der Flucht nicht blitzschnell auf lebenswichtiges Wissen zugreifen müssen, um ohne zu fackeln entscheiden zu können?

Allerdings erleben wir heutzutage seltener Notsituationen, in denen wegrennen die beste Lösung ist. Oft erleben wir Stress in Momenten, denen wir uns freiwillig aussetzen, etwa in Führerscheinprüfungen oder auch bei Präsentationen vor Publikum. Aber auch dort kann ein Schuss Kortisol helfen. Denn ein aufgepeitschter Hippocampus macht uns für eine kurze Zeit hochkonzentriert.

Blöd ist nur: Stehen wir derartig unter psychischem Druck, dass das Kortisol überdosiert durch uns strömt, dann droht das unsere Hirnzellen zu schädigen. Und um das zu verhindern, geht der Hippocampus mit all seinen wertvollen Infos vom Netz. Die Folge: Ein wichtiger Sektor unserer Birne ist offline. Wie wenn ein Teil eines Elektrizitätswerks vom Netz geht und dadurch einige Stadtteile im Dunkeln liegen, nennt man es einen Blackout, wenn der Hippocampus ausgeklinkt wird und ein Teil von uns im Dunkeln liegt. Weil wir für kurze Zeit keinen Zugriff auf das Wissen haben, das wir gerade unbedingt abrufen wollen.

Das wiederum zu wissen, ist auf der einen Seite beruhigend. Blackout heißt nicht Unwissenheit. Andererseits zeigt ein Blackout: Oh, da ist jemand nervös. Das wirkt zwar menschlich und im Zweifel sympathisch, aber auf viele auch nicht souverän. Das wissen wir. Deshalb wünscht sich keiner für sich einen Blackout herbei. Menschlich hin oder her.

Das Gute ist aber: Diese Souveränität gegen den Blackout können Sie sich antrainieren.

1. Vorbereitung: Eliminieren Sie alle Fallstricke im Vortrag

Wenn Sie einige Tage vor dem Auftritt Ihre Präsentation vorbereiten und danach durchgehen, überprüfen Sie sich selbst: An welchen Stellen fühlen Sie sich irgendwie unsicher? Gibt es etwa eine Folie, bei der Sie schon beim Proben jedes Mal ins Straucheln geraten, weil Sie nicht recht wissen, was Sie damit eigentlich sagen wollen, etwa eine Seite mit Infos aus einer anderen Abteilung Ihrer Firma und Sie sind nicht vom Fach?

Dann gehen Sie diese Unsicherheiten offensiv an: Werfen Sie Infos raus, die Sie nicht voller Überzeugung darstellen können. Oder nehmen Sie sich vor, Ihre eigene Unsicherheit vor Publikum anzusprechen. Etwa so: „Was ich Ihnen jetzt sage, kommt mit herzlichen Grüßen von unserem Controlling. Ich gebe das jetzt einfach mal so an Sie wieder. Bitte löchern Sie mich nicht mit Detailfragen. Ich habe andere Hobbys.“

Damit Sie nicht auf der Bühne nervös den unklaren Stellen entgegen bangen, während Sie reden. Alles, was Sie vermitteln, soll locker von Herzen kommen. Das können Sie vorher in Ruhe planen.

2. Legen Sie sich einen Notfallplan zurecht

Als ich als Fernsehmoderator vor einigen Jahren plötzlich zum ersten Mal eine tägliche Live-Sendung präsentieren durfte, da hat mir vor allem eine mögliche Live-Panne Kopfzerbrechen bereitet: Was mache ich, wenn mir mal etwas richtig Peinliches passiert, etwa den Namen des Interviewpartners zu vergessen. Die von mir zurechtgelegte Lösung: Patzer offensiv ansprechen, korrigieren oder klarstellen, entschuldigen oder drüber lachen. Je nach Tragweite. Aber auf keinen Fall so tun, als wäre nichts gewesen.

All das gibt mir das gute Gefühl: Egal was ist, ich kann schnell so reagieren, wie ich es mir vorher in Ruhe als gute Gangart überlegt habe. Das macht mich so entspannt, dass ich im Fall der Fälle die Gelassenheit habe, spontan auch ganz anders zu reagieren.

Gehen Sie auch so vor. Was könnte schief gehen? Der Beamer fällt aus. Powerpoint spinnt. Die Tonanlage ist defekt. Das Publikum wird unruhig oder äußert Unmut über Ihre Thesen. Überlegen Sie sich im Vorfeld in Ruhe, was Sie im Fall der Fälle ganz entspannt tun würden. Zum Beispiel: Wenn das Mikro ausfällt, laviere ich nicht lange mit der Technik rum, sondern gehe sofort in die Mitte des Saals und rede von dort, wo mich alle verstehen können – die Folien sind dann egal. Punkt.

Oder: Rumort es unter den Zuhörern, sage ich: „Ich merke, nicht alle teilen meine Meinung, aber lassen Sie mich mein Anliegen bitte erst einmal in Ruhe komplett zu Ende vortragen.“

Solche Pläne mindern die Angst vor Überraschungen und reduzieren die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts. Weil Sie weniger nervös sein werden und deshalb weniger Kortisol ins Spiel kommt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%