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Afghanistan Taliban erlauben offenbar mehr als 200 Menschen Ausreise

Die Flucht aus Kabul über den Luftweg soll für einige Menschen wieder möglich sein. Unklar ist noch, ob alle den Flughafen der afghanischen Hauptstadt auch erreichen werden.

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Mehr als 200 Menschen dürfen Afghanistan offenbar noch am Donnerstag verlassen. Quelle: AP

Die militant-islamistischen Taliban haben einem Bericht der „Washington Post“ zufolge mehr als 200 afghanischen Doppel-Staatsbürgern die Ausreise aus Afghanistan gestattet. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf Diplomaten in Kabul, darunter seien Staatsbürger Deutschlands, der USA, Kanadas, Großbritanniens, Italiens, der Niederlande und der Ukraine.

Auf der genehmigten Passagierliste eines Fluges der katarischen Fluglinie Qatar Airways, der noch am Donnerstag Kabul verlassen sollte, stünden die Namen von insgesamt 211 Menschen. Es sei aber unklar, wie viele davon rechtzeitig einen Konvoi zum Flughafen erreicht hätten.

Zum Flughafen Kabul sagte Mutlak al-Kahtani, Katars Sondergesandter für Afghanistan am Donnerstag laut „Washington Post“, dieser sei nun wieder betriebsbereit. Man wolle eine schrittweise Wiedereröffnung des Flughafens. Für Freitag erwarte er einen weiteren Flug.

Aus dem US-Außenministerium in Washington hieß es auf Anfrage, die Bemühungen, US-Staatsbürgern und verbündeten Afghanen zu helfen, dauerten an. Man sei derzeit aber nicht in der Lage, weitere Einzelheiten zu nennen.

Die militärische Evakuierungsmission in Kabul war Ende vergangenen Monats mit dem Abzug der letzten US-Soldaten aus Afghanistan beendet worden. Seitdem bemühen sich westliche Länder wie Deutschland, ihren Staatsangehörigen und ihren früheren afghanischen Ortskräften die Ausreise zu ermöglichen.

US-Außenminister Antony Blinken hatte die Taliban am Mittwoch bei einem Besuch auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz aufgefordert, ihre Zusage einzuhalten, Afghanen mit entsprechenden Reisedokumenten ausreisen zu lassen.

Er hatte auf Charterflugzeuge in Masar-i-Scharif im Norden des Landes verwiesen, mit denen schutzsuchende Afghanen ausgeflogen werden sollten, die von den Taliban aber aufgehalten würden.

In Deutschland haben am Donnerstag mehr als 20 Menschenrechtsorganisationen die Bundesregierung aufgefordert, gefährdete Menschen aus Afghanistan auch in den kommenden Wochen in Sicherheit zu bringen. Die Evakuierungen müssten fortgesetzt und afghanische Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen werden, zum Beispiel durch zivile Flüge aus Afghanistan oder einem Nachbarstaat, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung vom Donnerstag. Zu den Unterzeichnern gehören Amnesty International und Pro Asyl.

In Afghanistan hatten die Taliban am Mittwochabend (Ortszeit) vorerst weitere Proteste verboten. In der ersten offiziellen Erklärung des Innenministeriums nach der Regierungsbildung hieß es, niemand solle derzeit versuchen, Proteste zu organisieren. Bei Verstößen wird mit ernsthafter Strafverfolgung gedroht.

Keine neuen Proteste in Kabul

Die Anordnung kam nach drei Tagen Protesten in Kabul am Vorabend des sogenannten „Massud-Tages“, dem Todestag des legendären Taliban-Gegners und Anführer der Nordallianz, Achmad Schah Massud. Üblicherweise fahren am Massud-Tag Tausende seiner Anhänger, ein großer Teil davon aus dessen Heimatprovinz Pandschir, vermummt und bewaffnet in langen Auto-, Motorrad- und Fahrradkorsos durch Kabul. Am Donnerstag gab es zunächst keine Berichte von derartigen Umzügen.

Dafür kursierten in sozialen Netzwerken Videos und Bilder, die zeigen, dass das Grab des von vielen als Nationalhelden verehrten Massud im Pandschir-Tal offenbar teils zerstört wurde. Auf diesen ist zu sehen, dass die Glasplatte über dem Grab kaputt ist und der Stein am oberen Ende des Grabes umgefallen und in drei Stücke zerbrochen ist.

Massud, besser bekannt als der „Löwe von Pandschir“, hatte in den 1990er-Jahren erbitterten Widerstand gegen die Taliban geleistet, bis er bei einem Selbstmordattentat zwei Tage vor dem 11. September 2001 getötet wurde. Es ist unklar, wie das Grab zerstört wurde. Die Taliban haben nach rund einer Woche schwerer Gefechte mit Widerstandskämpfern in dem Tal am Montag erklärt, die Provinz stünde unter ihrer Kontrolle.

Mehr: Warum der Westen in der Afghanistan-Krise auf Katar setzt

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