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Chinas Konjunkturmaßnahmen„Deutsche Firmen, die bisher keinen Erfolg in China hatten, werden auch jetzt keinen haben“

Neue Konjunkturmaßnahmen sollen die Wirtschaft in China stützen. Was das für deutsche Unternehmen bedeutet, erklärt China-Experte Max Zenglein.Angelika Melcher 28.09.2024 - 10:21 Uhr

Der schwache chinesische Immobiliensektor bereitet den Chinesen Probleme.

Foto: imago images

WirtschaftsWoche: Herr Zenglein, Chinas Zentralbank greift der angeschlagenen Wirtschaft unter die Arme. Welche Maßnahmen hat sie beschlossen?
Max Zenglein: Der Gouverneur der Bank, Pan Gongsheng, hat bereits am Dienstag angekündigt, dass die Zentralbank eine ganze Reihe von Maßnahmen ergreifen wird. Heute hat die Zentralbank die Mindestreserven für Banken um 0,5 Prozentpunkte gesenkt, so müssen die Banken weniger Pflichtguthaben einbehalten. Der entscheidende Punkt ist, wann diese Ankündigungen gemacht wurden: wichtige Kennzahlen wie etwa zuletzt die Gewinne der chinesischen Industrie sind im August wieder stark gesunken. Daher sah sich die Zentralbank wahrscheinlich gezwungen, zu reagieren, um die Wirtschaft zu stützen.

Hat Sie dieser Maßnahmenkatalog überrascht?
Die erste Welle der Maßnahmen, die am Dienstag angekündigt wurde, fand ich nicht besonders bemerkenswert. Am Freitag hat die Zentralbank deutlich nachgelegt. Trotzdem ist das kein so großer Stimulus wie während der globalen Finanzkrise. Die Zentralbank hat die Maßnahmen bewusst gewählt und geht noch recht vorsichtig vor. Das liegt an den Erfahrungen von 2008, als die damaligen Maßnahmen zu einer hohen Verschuldung führten. Jetzt möchte die Zentralbank vor allem ein Zeichen setzen, stabilisieren und mehr Liquidität in den Markt bringen.

Welchen Hintergrund hat das?
Der Immobiliensektor ist im Keller, was der chinesischen Wirtschaft gravierende Probleme bereitet: Einerseits für die Haushalte, die nicht mehr investieren, weil sie über die Entwicklungen am Immobilienmarkt verunsichert sind. Und andererseits für die fiskalpolitische Situation der Provinzregierung auf lokaler Ebene, weil sie einen großen Teil ihrer Einnahmen aus Landverkäufen und Steuern von Immobilientransaktionen gewinnt.

Foto: WirtschaftsWoche
Zur Person
Max Zenglein ist Chefökonom am Mercator Institute for China Studies (Merics).

Das klingt nicht gut für die chinesische Wirtschaft.
Es fällt mir schwer, das so zu pauschalisieren. Denn wenn man die Erreichung der strategisch wichtigen Ziele der Partei betrachtet – also alles rund um Industrie, Technologie und Innovation – erlebt China einen Boom. Die Investitionen im herstellenden Gewerbe sind fast zweistellig. Die Unternehmen investieren in die Modernisierung, zum Beispiel ist die Investitionsrate für neue Maschinenausrüstung in diesem Jahr exorbitant angestiegen. Die Schwachpunkte der chinesischen Wirtschaft sind die Mittelklasse, der Arbeitsmarkt und die Jugendarbeitslosigkeit, die auf einem Rekordniveau liegt, sowie eben die fiskalpolitische Situation.

Wann rechnen Sie mit den ersten Ergebnissen dieser Maßnahmen?
So etwas passiert nicht von heute auf morgen. Ich denke schon, dass es einen positiven Impuls geben wird, aber der wird sich wahrscheinlich erst nächstes Jahr richtig bemerkbar machen. Im besten Fall sehen wir im Dezember 2024 erste Anzeichen einer Erholung. Das wird jedoch nicht ausreichen, um 2025 ein starkes Wirtschaftswachstum zu erwarten. Im Immobiliensektor wird es noch länger dauern, da liegen Landverkäufe im tiefen zweistelligen negativen Bereich.

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Es gab doch erst im Juni ein 40-Milliarden-Euro-Paket, um den Immobilienmarkt des Landes zu stabilisieren. Hat das nichts gebracht?
Nein, das hat die Unsicherheit auf dem Markt nicht beseitigt, weil sie unterschätzt wurde. Ebenso wurden die wirtschaftlichen Folgen für die Mittelschicht und die Finanzlage der Provinzregierungen falsch beurteilt. Die Regierung dachte, die Chinesinnen und Chinesen würden nach der Coronakrise einfach wieder genauso konsumieren wie zuvor.

Die Aktien von Unternehmen wie BYD stehen seit der Verkündung besonders im Fokus. Werden deutsche Unternehmen es bald einfacher auf dem chinesischen Markt haben?
Dass deutsche Unternehmen ihre Produkte in China nicht verkaufen können, hat nichts mit diesem Stimulus zu tun. Wer jetzt glaubt, dass das Wirtschaftswachstum in China wieder stark ansteigt und sich dadurch ihre Lage auf dem chinesischen Markt verbessert, liegt falsch – und das schon seit drei Jahren. Deutsche Unternehmen übersehen, wie sich das Marktumfeld in China verändert, vor allem wegen der hohen Investitionen in der Industrie. Firmen, die in den letzten Jahren keinen Erfolg hatten, werden auch jetzt keinen haben. Der Stimulus konzentriert sich nicht auf die Bereiche, die für Deutschland besonders relevant sind.

Gilt das auch für Luxusgüter? Auch die Aktien der Luxuskonzerne in Europa haben auf die Ankündigung der Maßnahmen reagiert.
Auch in diesem Bereich verändert sich der Markt. Ausländische Luxusgüter haben es in China ebenfalls schwer. Erstens hat Xi Jinping klar gemacht, dass übermäßiger Luxus nicht zu seinem Weltbild passt. Zweitens bevorzugen die Menschen auch hier zunehmend chinesische Luxusmarken.

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