CIA-Enthüllungen von Wikileaks Reisehandbuch für Spione

In den von Wikileaks veröffentlichten CIA-Dokumenten wird auch ein geheimes Hacker-Zentrum in Frankfurt erwähnt. Doch wie reist man als US-Spion am besten in Deutschland ein? Die CIA hat Tipps für ihre Mitarbeiter.

Wie Spione einer Einzelkontrolle am Flughafen entgehen können, erklärt der US-Geheimdienst CIA seinen Mitarbeitern in mehreren geheimen Dokumenten. Quelle: dpa

Mehr als 8000 geheime Dokumente des US-Geheimdienstes CIA hat das Whistleblower-Portal Wikileaks am Dienstag veröffentlicht – darunter auch detaillierte Informationen zu verschiedenen Angriffstechniken, mit denen sich fremde Smartphones, Computer und sogar Fernseher als ferngesteuerte Spionagewerkzeuge nutzen lassen. Ausgeführt werden die Attacken den Enthüllungen zufolge auch von Frankfurt aus, wo die CIA ein geheimes Hacker-Zentrum im US-Konsulat unterhalten soll.

Die Spionage auf deutschem Boden sorgt für diplomatischen Ärger: Der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lars Klingbeil, spricht von einem inakzeptablen „Bruch der völkerrechtlichen Vereinbarung“. Der Geheimdienst-Experte der Grünen, Hans-Christian Ströbele, erklärte gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Das sind geheimdienstliche Aktivitäten für eine fremde Macht, darauf steht eine hohe Freiheitsstrafe.“ Tatsächlich ist der Straftatbestand der „Geheimdienstlichen Agententätigkeit“ laut Paragraf 99 des Strafgesetzbuches mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren belegt – in besonders schweren Fällen sogar von bis zu zehn Jahren.

Damit ihre Agenten nicht schon bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen auffliegen, hat die CIA ihren Undercover-Mitarbeitern mehrere Handreichungen zur Verfügung gestellt, die die Einreise in fremde Länder und speziell in den europäischen Schengen-Raum erleichtern sollen. Auch diese finden sich bei Wikileaks: Unter dem Titel „Surviving Secondary“, auf Deutsch etwa „die Zweitkontrolle überleben“, liefert der Geheimdienst zum Beispiel Tipps dazu, wie man sich gegenüber Grenzbeamten zu verhalten hat, wenn man zur Inspektion am Flughafen herausgewinkt wird. Der wichtigste Rat an die Kollegen: „Bester Schutz gegen das Secondary Screening ist eine gut vorbereitete Cover-Story.“

Demnach achteten Grenz- und Zollbeamte penibel darauf, ob Auftreten, Erscheinung und Gepäck des Reisenden auch zu den Angaben passen, die der Reisende bei der Passkontrolle macht. In der als „geheim“ klassifizierten Broschüre heißt es dazu: „Der effektivste Weg zur Prävention der Zweitkontrolle ist, einfache und plausible Antworten auf die Fragen zu haben: Warum sind Sie hier? Und wo verbringen Sie Ihren Aufenthalt?“ Auch seltsame elektronische Geräte oder unordentliches Gepäck bei einem vorgeblichen Vielreisenden könnten die Skepsis der Kontrolleure wecken, so der Ratgeber.

Der Geheimdienst zitiert für seine Tipps die Rasterfahndungs-Richtlinien der International Consultants on Targeted Security (ICTS). Der Dienstleister für Flug- und Industriesicherheit kontrolliert in öffentlichem Auftrag auch an deutschen Flughäfen. Mögliche Verdachtsmomente kategorisiert die ICTS nach vier Kriterien: Verhalten, Passangelegenheiten, Ticket und Gepäck. Hat ein Fluggast beispielsweise ein Ticket ohne Rückflug gebucht oder spricht nicht die Sprache des Landes, das seinen Pass ausgestellt hat, ist eine vertiefte Kontrolle am Flughafen wahrscheinlich.

Worauf überprüft die ICTS Flugreisende?

Kommt es nun zum Secondary Screening, laut Ratgeber eine „stressige Erfahrung für jeden Reisenden“, müsse der Agent bei der Befragung besonders auf seine Körpersprache achten. Verboten seien allzu lange Pausen zwischen Fragen der Grenzbeamten und der Antwort des Agenten. Angespanntes Verhalten, signalisiert beispielsweise durch Lippenbeißen oder eine verdächtig tiefe Atmung, sollte laut CIA-Handbuch ebenfalls unterlassen werden. Auch überspezifische Antworten sorgten für Misstrauen – wer keine unnötigen Details nenne, verkürze womöglich die Befragung und verheddere sich seltener in Widersprüche.

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