COP30 in Brasilien: Die wichtigsten Fragen zur Weltklimakonferenz
Wofür steht COP30?
Die Abkürzung COP steht für Conference of the Parties, auf Deutsch: Konferenz der Vertragsparteien. Die Zahl dahinter, in diesem Jahr die 30, steht für die dreißigste Weltklimakonferenz.
Das jährliche Treffen ist das höchste Entscheidungsgremium der Klimarahmenkonvention (UNFCCC). Bei der COP30 soll es vor allem um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 und die Überprüfung der überarbeiteten nationalen Klimapläne gehen. Auch die Forderungen armer Staaten nach hohen Milliardensummen der Industriestaaten, um sich an lebensfeindlichere Bedingungen durch Dürren, Stürme oder Überflutungen anzupassen, stehen auf der Agenda.
Wo und wann findet die COP30 statt?
Die UN-Klimakonferenz COP30 findet vom 10. bis 21. November 2025 im brasilianischen Belém im Amazonasgebiet statt.
Wer führt den Vorsitz der COP30?
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva übernimmt in diesem Jahr den Vorsitz der UN-Klimakonferenz. Zu Beginn der Konferenz machte er den Leugnern der Erderwärmung eine Kampfansage: Auf dieser „Konferenz der Wahrheit“ gehe es auch darum, sich der Desinformation zur Klimakrise entgegenzustellen, sagte der linke Politiker. „Es ist jetzt an der Zeit, den Leugnern eine neue Niederlage zuzufügen.“ US-Präsident Donald Trump hatte die Erderwärmung einen „Schwindel“ genannt.
Wie viele Teilnehmer werden zur COP30 erwartet?
Die COP30 wird für Belém eine Herausforderung: Rund 50.000 Teilnehmer aus fast 200 Staaten werden zur Weltklimakonferenz erwartet. Dazu zählen Staats- und Regierungschefs, NGOs und Aktivisten.
Um die logistischen Engpässe angesichts begrenzter Hotelkapazitäten zu bewältigen, reagiert Brasiliens Regierung mit ungewöhnlichen Lösungen: Zwei Kreuzfahrtschiffe sollen als Unterkunft dienen. Die Schiffe MSC Seaview und Costa Diadema sollen während des Treffens im Hafen von Belém liegen und 6000 Betten bereitstellen, wie die Organisatoren im Juli mitteilten. Weitere Kapazitäten sollen unter anderem durch neue Hotels oder auch umgebaute Schulen geschaffen werden.
Wie steht es um die EU-Klimaziele?
Lange hieß es abwarten, Ende Oktober haben die EU-Länder dann endlich ihre Position für die Weltklimakonferenz festgelegt. Die Staatengemeinschaft will sich bei der Konferenz für eine beschleunigte Energiewende und eine bessere finanzielle Unterstützung ärmerer Länder einsetzen.
Zudem fordern die EU-Staaten weltweit mehr Länder zur Einreichung von Klimaplänen (national festgelegten Beiträgen, NDC) auf, die mit einem 1,5-Grad-Pfad im Einklang stünden. Bei der Pariser Klimakonferenz im Jahr 2015 hatte sich die Weltgemeinschaft das Ziel gesetzt, die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Allerdings hat die EU selbst Fristen verstreichen lassen und bislang kein formelles NDC eingereicht.
Wegen enormer Widerstände hat sich die EU erst in letzter Minute auf das Klimaziel bis 2035 geeinigt. Die EU will nun bei ihren angestrebten Emissionsminderungen bis zu fünf Prozentpunkte schon ab 2031 durch Klimazertifikate aus dem Ausland erzielen.
Und wie steht es ums Klima?
Laut aktueller UN-Prognose steuert die Welt mit ihrer aktuellen Klimapolitik auf 2,8 Grad Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts zu und reißt das international vereinbarte 1,5-Grad-Ziel schon innerhalb des nächsten Jahrzehnts. Das würde heißen: mehr Stürme, mehr Überschwemmungen, mehr Dürren und so weiter – von drohenden Kipppunkten mit unumkehrbaren Folgen mal ganz abgesehen.
UN-Generalsekretär António Guterres betonte vor den Staatenlenkern aus aller Welt: „Die bittere Wahrheit ist, dass wir es nicht geschafft haben, unter 1,5 Grad zu bleiben.“ Bislang vermochten es die Menschen trotz aller Konferenzen und Pläne nicht, das Ruder herumzureißen: Die weltweiten Emissionen erhöhen sich weiterhin. Im vergangenen Jahr stiegen sie der Weltwetterorganisation (WMO) zufolge sogar so drastisch wie seit Beginn der modernen Messungen 1957 nicht.
Was hat es mit dem Regenwaldfonds TFFF auf sich?
Der brasilianische Präsident hatte im September einen Milliardenfonds angekündigt: Der Fonds „Tropenwälder für immer“ (TFFF) soll offiziell bei der COP30 im November starten. Sein Ziel ist es, die Erhaltung der Regenwälder finanziell attraktiver zu machen als deren Abholzung.
Anders als klassische Hilfsfonds will der TFFF umgerechnet etwa 112 Milliarden Euro am internationalen Kapitalmarkt zu niedrigen Zinsen aufnehmen. Das Geld wird in Projekte mit höheren Renditen investiert. Der Gewinn soll proportional an die Waldländer ausgeschüttet werden.
Brasilien hatte den Fonds seit der COP28 in Dubai im Jahr 2023 vorangetrieben. Zu den Gründungsmitgliedern gehören auch Kolumbien, Ghana, die Demokratische Republik Kongo, Indonesien und Malaysia.
Bundesumweltminister Carsten Schneider will den Vorstoß auf der diesjährigen Klimakonferenz unterstützen: „Die Idee ist, dass die Tropenländer dafür entlohnt werden, ihren Wald stehenzulassen und nicht abzuholzen. Für jeden Hektar intakten Waldes, der steht, sollen sie jährlich eine kleine Summe bekommen – und wenn er doch zerstört wird, wird ihnen ein Vielfaches abgezogen.“ Die ganze Welt profitiere davon, dass es den Regenwald gibt. „Er ist unsere Klimaanlage“, sagte Schneider im Oktober.
Warum haben Brasiliens Indigene einen eigenen Klimaschutzplan?
Vor der COP30 haben die indigenen Völker in Brasilien bereits im Sommer ihren eigenen Klimaschutzplan vorgestellt. Er trägt das Motto: „Unsere Territorien sind die Antwort auf die Klimakrise.“ Darin fordert der Dachverband Articulação dos Povos Indígenas do Brasil (Apib) unter anderem den Schutz der indigenen Ländereien.
Indigene gelten als Schlüssel im Kampf gegen den Klimawandel. Wo indigene Gemeinschaften beispielsweise über verbriefte Rechte auf ihr Land verfügen, werden laut einer Studie der Welternährungsorganisation (FAO) deutlich weniger Flächen abgeholzt als in anderen Gebieten. Obwohl sie nur fünf Prozent der weltweiten Bevölkerung ausmachen, verwalten sie nach Angaben der Weltbank rund 80 Prozent der weltweiten biologischen Vielfalt.
Was würde in Brasilien als Erfolg gelten?
Im besten Fall würde bei der Klimakonferenz ein Paket beschlossen, „um alle notwendigen Schritte zu gehen, damit die globale Erwärmung doch noch unter 1,5-Grad-Pfad stabilisiert werden kann“, betont der deutsche Greenpeace-Chef Martin Kaiser; inklusive eines verbindlichen Plans zum Ausstieg aus fossilen Energien. Zudem wäre es Beobachtern zufolge wichtig, Zusagen an ärmere Länder mit Geld zu unterfüttern.
Was kam bei der COP29 heraus?
Die COP29 in Aserbaidschan erfüllte nicht die Erwartungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Zwischenzeitlich stand die Klimakonferenz im Jahr 2024 sogar kurz vor dem Scheitern: Ölstaaten wie Saudi-Arabien hatten versucht, eine Vereinbarung zum angestrebten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas zu blockieren. Trotz zweiwöchiger Beratungen und nochmals 32 Stunden Verlängerung gab es im Kern keine großen Fortschritte im Klimaschutz. Einen ausführlichen Rückblick zu den Ergebnissen der COP29 lesen Sie hier.
Mit Agenturmaterial
