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Krieg der Worte So unterschiedlich sind die Twitter-Strategien der beiden Kandidaten

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Social Media Marketing-Maschinen

Trotzdem bleibt es lange Zeit ruhig auf ihrem Account. Erst kurz vor ihrer Präsidentschaftskandidatur im April 2014 fängt sie an, regelmäßig dort zu posten, oder besser gesagt: ihr Team. In Clintons Social Media Team bespielen über 100 Menschen verschiedene Kanäle.


Clintons Twitter-Account funktioniert wie eine Marketing-Maschine nach Lehrbuch.

Einige ihrer Tweets werden auf Spanisch übersetzt. Nach wenigen Monaten twittert ihr Team öfter als Trump, jeder Tweet inszeniert wie eine Werbeslogan.

Clintons Twitter-Botschaften werden genau orchestriert und mit anderen Auftritten verzahnt. Während der zweiten TV-Debatte nennt die Kandidatin Beispiele, wie ihr Kontrahent despektierlich über Frauen spricht. So habe er die ehemalige Miss Universe Alicia Machado als “Miss Piggy” bezeichnet. In dem Moment schickt Clintons Social Media Team den Hashtag #AliciaMachado ins Netz und tritt damit eine genau kalkulierte Entrüstung los. Millionen Nutzer schließen sich an: Eine Welle entrüsteter Tweets entfaltet die gewünschte Anti-Trump-Wirkung, gebündelt und emotional.

Auch Trump hat mittlerweile ein Social-Media-Team. Doch die radikaleren Tweets stammen von seinem eigenen Smartphone.

Die beiden Präsidentschaftskandidaten setzen nicht nur auf unterschiedliche Strategien, was ihre Teams und Tweet-Häufigkeit angeht. Auch die Inhalte in den beiden Kanälen haben unterschiedliche Schwerpunkte. Clinton wendet sich immer wieder an Familien, sie spricht über Gesundheit, Klimawandel und thematisiert die Rechte von Frauen und von Homosexuellen. Während sie über Mindestlohn spricht, liegt Trumps Fokus auf illegaler Einwanderung, Außenpolitik und dem Kampf gegen den IS. Auch die Medien erwähnt er immer wieder, wirft ihnen vor parteiisch zu sein.


Die Provokationen kommen im Netz an: Trump bekommt im Durchschnitt knapp 10.000 Likes pro Tweet, doppelt so viele wie Clinton. In einem Wahlkampf, in dem vieles inszeniert und kalkuliert wird, scheint es für viele Wähler faszinierend, wenn Trump nachts zum Smartphone greift. Für ihn kommt es nun darauf an, seine digitale Fangemeinde zu Wählern zu machen. So ist Twitter längst zu einem machtvollen Instrument im Kampf um die Mehrheit geworden.

Der nächste Präsident bekommt übrigens nicht nur die Schlüssel fürs Weiße Haus. Er erhält auch die Passwörter für den Präsidenten-Account. Der nächste Präsident wird nämlich den alten Account von Barack Obama übernehmen.  Die Tweets werden zwar gelöscht, doch die knapp 11 Millionen Follower darf der neue Präsident behalten. Inhalte, die Obama in seiner achtjährigen Amtszeit produziert hat, sollen auf einen neuen Account @POTUS44 verschoben und für immer archiviert werden.

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