Nach Unabhängigkeitsvotum Iran plant Militärmanöver mit Irak in Kurdenregion

Nach dem Unabhängigkeitsreferendum im Nordirak drohen der Iran gemeinsam mit dem Irak mit einem Militärmanöver. Auch der türkische Präsident Erdogan droht mit harten Konsequenzen.

Ein Panzer der türkischen Armee fährt nahe der irakischen Grenze. Quelle: dpa

Der Iran plant mit dem Irak ein gemeinsames Militärmanöver an seinen westlichen Grenzen zur nordirakischen Kurdenregion. Dieses Manöver werde in den nächsten Tagen in drei verschieden Grenzgebieten zum Nordirak stattfinden, sagte ein Militärsprecher laut Nachrichtenagentur Tasnim am Samstag. Er betonte, es sei nach dem „illegalen“ Unabhängigkeitsreferendum der Kurden die Pflicht seines Landes, die Grenzen zum Nordirak zu sichern.

Nach dem Unabhängigkeitsreferendum im Nordirak droht auch die Türkei den Kurden mit einer härteren Gangart. Ihre Regionalregierung werde den Preis für die Abstimmung zahlen, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag. Die Regierung in Ankara hat bereits wiederholt mit Wirtschaftssanktionen gedroht, die das an die Türkei grenzende Kurdengebiet im Irak praktisch von den internationalen Märkten abschneiden würden. Wie die Türkei fürchtet auch der Iran, dass das Referendum im Irak Separatisten unter ihren eigenen kurdischen Minderheiten Auftrieb geben könnte. Derzeit planen der Iran und der Irak Medienberichten zufolge in der Nähe ihrer Grenze ein gemeinsames Manöver.

Erdogan sagte vor Mitgliedern seiner Regierungspartei AKP, bei dem Referendum gehe es nicht um die Bildung eines unabhängigen Kurden-Staates. Vielmehr öffneten die Kurden "eine Wunde in der Region, um mit einem Messer darin zu bohren". Erdogan hatte sich vor dem Votum intensiv für Handelsbeziehungen zu den Kurden im Irak eingesetzt. So gelangen täglich Hunderttausende Barrel Rohöl über die Türkei auf den Weltmarkt. Erdogan sagte, die Bedingungen hätten sich geändert. Schließlich hätten die Kurden Maßnahmen gegen die Türkei beschlossen.

Der türkische Ministerpräsident Bin Yildirim sagte, seine Regierung werde nicht länger mit den kurdischen Behörden in Erbil verhandeln. Die Beziehungen würden nun über die irakische Zentralregierung in Bagdad koordiniert: "Der Iran, der Irak und die Türkei sorgen dafür, dass die Spiele, die in der Region gespielt werden, scheitern."

Die Kurden im Nordirak hatten am Montag in einem Referendum mit großer Mehrheit für eine Unabhängigkeit gestimmt. Als eine Reaktion darauf sperrte die Regierung in Bagdad den Luftraum über der Region. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bemüht sich inzwischen um eine Vermittlung zwischen der irakischen Regierung und den Kurden. Der Irak, der Iran und die Türkei haben von den Kurden nach dem Referendum gefordert, die Kontrolle über ihre Grenzübergänge der Regierung in Bagdad zu übergeben. Die Kurden-Regierung verweigert dies.

Irakische und türkische Truppen haben in der Vergangenheit bereits gemeinsame Militärmanöver an der Grenze abgehalten. Ähnliche Pläne schmieden dem TV-Bericht zufolge nun der Iran und der Irak. Die Entscheidung für gemeinsame Übungen in den kommenden Tagen sei bei einem Treffen iranischer Kommandeure gefallen, zitierte das staatliche Fernsehen der Islamischen Republik einen Militärsprecher. Es gehe um Maßnahmen, mit denen die Sicherheit an der Grenze gewährleisten werden solle.

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