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Neues Trump-Enthüllungsbuch Nicht immer von der Realität gedeckt

Nachdem „Fire and Fury“ im vergangenen Jahr eine Skandalwelle über Washington brechen ließ, reicht Star-Autor Michael Wolff mit dem Nachfolger „Siege: Trump Under Fire“ nicht an sein Erstlingswerk heran.

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Es ist kein Geheimnis, dass US-Präsident Donald Trump auch nach mehr als zwei Jahren im Amt noch keinen Draht zu Bundeskanzlerin Angela Merkel gefunden hat. Zunächst soll er es mit Charme versucht haben, doch das verfing bei der deutschen Regierungschefin nicht. Deshalb habe er schließlich die Taktik geändert. Statt auf Komplimente setze der Präsident nun auf Hohn, betone das harte G in Merkels Vornamen besonders, um spöttisch und schneidend zu klingen. Trump habe sich auf seinen einfachsten Ansatz besonnen: „Wenn maximale Schmeicheleien nicht funktionieren, wenn du so keinen Deal bekommst, dann ‚scheiß auf sie“ (shit on them)“.

Es sind solch kleine Details, von denen das neue Buch von Star-Autor Michael Wolff über die Familie Trump im Weißen Haus lebt. Es ist bereits das zweite Mal, dass sich Wolff mit den vermeintlich chaotischen Zuständen innerhalb der US-Administration auseinandersetzt. Sein erstes Opus zum Thema, „Fire and Fury“, hatte im vergangenen Jahr eine Skandalwelle über Washington brechen lassen.

Trump drohte Wolff und seinem Verlag mit juristischen Folgen, wollte den Verkauf stoppen lassen – und lieferte dem Autor so eine Publicity, die man nicht kaufen kann. Das Buch wurde zum Mega-Seller, Millionen Exemplare gingen über den Ladentisch – und das, obwohl dem Autor zahlreiche inhaltliche Fehler und Ungenauigkeiten nachgewiesen wurden. Angesichts des Erfolgs war es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis Wolff einen Nachfolgeband vorlegen würde. Am Dienstag erscheint er nun unter dem Titel „Siege: Trump Under Fire“, zu deutsch „Unter Beschuss: Trumps Kampf im Weißen Haus“.

Im Zentrum des Buchs steht der Umgang des Präsidenten mit der Mueller-Ermittlung. Und so nimmt Wolff auch Trumps Verhalten als Geschäftsmann unter die Lupe. Schließlich gibt es schon lange den Verdacht, dass die Trump-Organisation in der Vergangenheit nicht nur blitzsaubere Deals abgeschlossen hat. In „Siege“ bekräftigt unter anderem Ex-Präsidentenberater Stephen Bannon diese Mutmaßung.

Wenn es um die Untersuchung von Trumps Finanzen gehe, sei die Ermittlung „keine Hexenjagd“, zitiert ihn Wolff. Der Präsident sei ein „korrupter Geschäftsmann“, der eher 50 Millionen statt zehn Milliarden Dollar auf der hohen Kante habe. An anderer Stelle kommentiert er die Beschreibung der Trump Organisation als „semi-kriminelles Unternehmen“ mit: „Das semi können wir streichen.“

Bannon ist mit dieser Sicht nicht allein. Auch die Demokraten im Repräsentantenhaus wollen mehr über Trumps Finanzen wissen und haben deshalb Unterlagen über seine Unternehmen angefordert, unter anderem von der Deutschen Bank, die dem Präsidenten noch Millionen-Kredite einräumte, als amerikanische Häuser ihn längst fallen gelassen hatten. Führende Abgeordnete vermuten, dass diese Geschäftsbeziehung genutzt worden sein könnte, um womöglich russisches Schwarzgeld zu waschen. Auch diesen Verdacht greift Wolff auf.

Trump, so schreibt er, habe sich als Strohmann für Immobiliengeschäfte zur Verfügung gestellt. „Immobilien waren die beliebteste Geldwäsche-Währung der Welt und Trumps zweitklassiges Unternehmen – unentwegt von Trump als Triple A vermarktet – war explizit so aufgebaut, dass es Geldwäscher anzog“, so Wolff. Er beschreibt ein konkretes Geschäft aus dem Jahr 2004, das besonders fadenscheinig wirkte. Es sei durch das Trump-Unternehmen Trump Propertiers LLC durchgeführt worden – „vollständig finanziert von der Deutschen Bank“.

Wolff ist, wie erwähnt, als Autor nicht über jeden Zweifel erhaben. Auch hat sich sein Zugang zu Quellen aus dem Weißen Haus seit „Fire and Fury“ spürbar verschlechtert. In „Siege“ stützt er seine Beschreibung zu einem großen Teil auf Bannon, einen Mann, der offiziell ebenfalls nicht mehr ins Zentrum der Macht vorgelassen wird, auch wenn er im Buch den Anschein erweckt, nach wie vor eng mit Trump verbunden zu sein.

Diese Verbindung hat jedoch zur Folge, dass Wolff vor allem durch die sehr spezielle Bannon-Brille auf Trumps Präsidentschaft blickt. Ob der Trumpismus wirklich so gut funktioniert, wie der Ex-Berater es an einer Stelle behauptet, sollte zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden – zumal die Beschreibungen Bannons etwa über den Erfolg der Handelspolitik („Die Europäische Union war kurz davor, vor den US-Forderungen einzuknicken“; „Und China? War in heller Panik“) nicht immer von der Realität gedeckt sind.

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